RC-Segeln

Deutsche Klassenvereinigung und Ausschuss RC-Segeln

Das RC-Modellsegeln und der Wettbewerb mit solchen Booten ist eine noch recht junge Sparte des Schiffsmodellbaues. Im gleichen Zuge wie den ,,Skippern" von schnellen und lauten Verbrennungsmotoren aus Umweltschutzgründen mehr und mehr Einschränkungen und Verbote auferlegt werden, breitet sich der leise und umweltfreundliche Modellsegelsport aus. Diesem Zug der Zeit trugen die Hersteller von Modellbauartikeln Rechnung, indem sie nach und nach auch Modellsegelschiffe mit in ihr Programm aufnahmen. Waren es anfangs nur kleine, meist vorbildgetreue Nachbauten berühmter Segelschiffe, so werden jetzt auch schon Bausätze von reinen Zweckmodellen für die Marblehead-Klasse (F5-M) angeboten. Auch das notwendige Zubehör wie Segelwinden, Masten, Segel und Beschlagteile werden im zunehmenden Maße auf den Markt gebracht.

1979_moonraker_1Das Modell

Bei dem hier beschriebenen Modell handelt es sich um eine schwedische Modell-Jacht, deren Vertrieb in Deutschland die Firma WIK-Modelle übernommen hat. Der Bausatz der MOONRAKER S ist ein Komplettbaukasten, Neben der RC-Anlage sind nur noch das Klebematerial und etwas Farbe erforderlich. Für den Zusammenbau ist nur einfaches Werkzeug nötig. Wer keinen Hobbyraum hat, kann dieses gut vorbereitete Modell auch problemlos auf dem häuslichen Küchentisch erstellen.

Öffnet man den Baukasten, so fallen einem zuerst die „Großteile" wie Rumpf, Deck, Mast und Kiel ins Auge. Sämtliche GfK-Teile haben eine hochglänzende Oberfläche und sind bereits fertig eingefärbt. Es gibt die MOONRAKER S in den Standardfarben rot, orange, gelb und weiß. Neben Rumpf und Deck sind auch der Kiel, das Ruder, die RC-Einbauplatte und die Lukendeckel aus GfK gefertigt.

Der Profilmast aus Aluminium ist sehr steif, aber leider auch recht schwer. Er ist drehbar gelagert, um so eine ungestörte Anströmung des Segels zu ermöglichen. Das ganze Rigg wird auf Deckschienen geführt, so dass der Segelschwerpunkt leicht und stufenlos verändert werden kann. Ein Großbaumbeschlag im herkömmlichen Sinne erübrigt sich, da Mast und Großbaum starr miteinander verbunden sind. Etwas Spiel in dieser Verbindung ist nur für die Betätigung des Niederholers gelassen. Der Mastfuß ist durch ein Gewinde höhenverstellbar. Eine reibungslose Lagerung erfolgt dadurch, dass das Mastfußende aus einem spitzen Stahldorn besteht, der wiederum in einer Bohrung im Mastfußeinsatz leichtgängig gelagert ist. Die Mastkopfspitze ist kugelgelagert. An ihr ist nur der Achterstag befestigt. Vorstag und Wanten enden in einem Haken aus Stahldraht, der in einer Öffnung im Mast befestigt wird. Dadurch wird die einwandfreie Drehfähigkeit des Mastes gewährleistet. Die Fock ist als Pendelfock ausgeführt - eine bewährte Methode, die bei M- Booten sehr häufig angewendet wird. Der Kiel ist auffallend schmal und lang. Er ist abnehmbar und wird mittels zweier Gewindeachsen im Rumpf mit Flügelmuttern befestigt. Eine zweckmäßige und beim Transport Raumsparende Einrichtung!

Das Ruder ist ebenfalls abnehmbar und wird in einer kugelgelagerten Buchse geführt. Eine aufwendige und technisch perfekte Lösung! Aber leider müssen zum An- und Abbau des Ruders der hintere Lukendeckel entfernt und der Ruderhebel an- und abgeschraubt werden. Eine handelsübliche Steckruderachse ist da dann wohl doch von Vorteil!

Das Kielgewicht ist sauber gefertigt und passt exakt in den Kiel, so dass nur noch wenig Nacharbeit erforderlich ist.

Die bauchig geschnittenen Segel sind aufgerollt in einer Pappröhre verstaut. Sämtliche Beschlagteile sind geordnet und nummeriert in einzelne Plastiktütchen verpackt. So kann der Bau zügig vorangehen, ohne dass erst eine große Sucherei beginnen muss. Die Bauanleitung - in deutscher und englischer Sprache - ist sehr knapp gehalten, lässt aber auch für einen weniger versierten Bastler keine Schwierigkeiten aufkommen.

Der Bau

Bevor man mit dem Bau beginnt, sollte auf alle Fälle erst ein geeigneter Bootsständer gefertigt werden. Am besten, man entscheidet sich gleich für einen Klappständer, so dass es später keine Transportprobleme gibt. Rumpf und Deck sind sauber verarbeitet und passen ohne Nacharbeit zusammen. Die Stellen, wo Bohrungen vorzunehmen sind, sind bereits gekennzeichnet. Der Rumpf ist breit und flach gehalten und entspricht somit der modernen Jollenform.

1979_moonraker_2Trotz bester Oberflächenverarbeitung bei den GfK-Teilen haben Kiel und Ruder an Nasen- und Endkante Nahtstellen, die sorgfältig entfernt werden müssen. Dabei wird natürlich die Gelcoat-Oberfläche beschädigt, aber es ist kein Problem, Ruder und Kiel zum Schluss entsprechend zu lackieren. Sollte man nicht den gleichen Farbton treffen, so macht das auch nichts. Wichtiger ist, dass die hydrodynamische Form von Kiel und Ruder erreicht wird.

Im Rumpf sind bereits die Deckauflageleisten eingeharzt. Das Deck wird nun mit Polyesterkleber aufgeklebt. Zum Schutz gegen überquellenden Klebstoff sollten die Rumpf- und Deckkanten mit Klebeband geschützt werden. Sorgfalt ist beim Einkleben des negativen Spiegels angebracht. Dies sollte erst nach Austrocknen der Rumpf-Deckverbindung gemacht werden, indem reichlich Gießharz durch die hintere Decköffnung eingegossen und mit Glasfasermatten ausgelegt wurde.

Nach dem Trocknen werden dann die überstehenden Kanten vorsichtig abgeschliffen. Die Bauanleitung sieht vor, die Klebekante mit elastischem Klebeband zu überkleben. Sauberer dagegen ist es, die Kante zu verspachteln und zu verschleifen und anschließend als farbigen Zierstreifen zu lackieren.

Die Lukendeckel sollen gemäß Bauanleitung einfach in die dafür vorgesehenen Vertiefungen gelegt und mit Klebeband wasserdicht verschlossen werden. Eine in meinen Augen zwar leichte und absolut wasserdichte Methode, die einen perfektionistischen Modellbauer aber nicht befriedigt. So habe ich die Lukendeckel mit einem Sperrholzrahmen versteift und um die äußere Kante Tesamoll geklebt. Wasserdicht verschlossen werden die Deckel mit je vier Schrauben, die durch die Ecken der Lukendeckel in die im Rumpf eingeklebten Zackenmuttern geschraubt werden. Kleine Kunststoffunterlegscheiben zwischen Schraubenkopf und Deckel verhindern auch hier das Eindringen von Wasser. Der Schalter für die RC-Anlage wurde über Deck angeordnet und ist ebenfalls wasserdicht ausgeführt. Sehr gut bewährt hat sich hier ein Kippschalter mit Gummikappe.

Das Anbringen der Beschläge geht ebenfalls problemlos vonstatten. Hierbei handelt es sich primär um Deckschienen, in denen Mutter mit Hakenschrauben zur Befestigung des Fockbaumes und der beiden Wanten geführt werden. Das Festsetzen dieser Schraubenhaken funktioniert zwar ganz gut, sagte mir aber doch nicht besonders zu. Darum verwendete ich KDH-Klemmschieber, die genau in die Deckschienen passen. Zusätzlich verschloss ich die offenen Enden der Deckschienen mit ebenfalls von KDH beziehbaren Endbeschlägen und erreichte so ein gefälliges und „fertiges" Aussehen.

Leichte Veränderungen nahm ich auch bei der Befestigung der Segel an den Bäumen vor. Die vorgesehene Verbindung Segelnock-Baumende mit Bändseln gefiel mir nicht. Hier nahm ich die mitgelieferten Schellen, die ich zur Schotführung nicht benötigte. Mit diesen Schellen war es durch Verschieben auf den Bäumen leicht möglich, den entsprechenden Segelbauch einzustellen.

Die Schoten wiederum befestigte ich dergestalt an den Bäumen, dass ich sie durch Ringschrauben führte und an Klampen belegte. Diese Methode hat sich bei mir im Laufe der Zeit als am besten erwiesen.

Zur weiteren Perfektionierung verschloss ich die offenen Enden der Bäume mit Kunststoffeinsätzen von elektrischen Buchsen für Bananenstecker. Irgendwie störten mich die offenen Baumenden!

Der steife Mast wird durch eine 3- Punkt-Verstagung gehalten. Vorstag und Wanten bestehen aus mit Nylon ummantelter Stahllitze von bester Qualität. Nach dem Ablängen der erforderlichen Stücke werden diese genau ausgemessen und mit Klemmhülsen befestigt.

Für den Einbau der RC-Anlage ist reichlich Platz vorhanden. In meinem Fall habe ich die Schotführung als Umlaufschot ausgeführt. Von der Doppeltrommel der Winde über einen kugelgelagerten Block im Heck des Bootes wurde ein Endlosband mit Hilfe einer kleinen Spiralfeder unter Spannung gehalten. Daran angeschlagen wurde die Hauptschot, die durch eine Deckdurchführung von KDH über Deck gebracht wurde. Dort wurde diese Hauptschot mit einem als Verbindung dienendem Mini-Angelwirbel mit der Groß- und Fockschot verbunden. Ein System, das sich bei mir bestens bewährt hat und zu keinerlei Wuling führt!

Segeleigenschaften

Nachdem der lange norddeutsche Winter endlich vorüber war, konnte schließlich die Jungfernfahrt erfolgen. Trotz der durch die frühe Jahreszeit bedingten klammen Finger ging das Aufriggen am Ufer schnell vonstatten.

Da der Gewichtstrimm auf Grund des langen Kiels nicht in der häuslichen Badewanne durchgeführt werden konnte, war es erfreulich festzustellen, dass er trotzdem auf Anhieb stimmte. Die Segel leicht aufgefiert, ein kleiner Schubs, und schon wurde die MOONRAKER S ihrem Element übergeben. Eine leichte Brise erfasste die Segel und ließ das Boot sofort anspringen. Nach einigen Probeschlägen wurde eine deutliche Neigung zum Anluven bemerkt. Also wieder an das Ufer mit der Jacht und das Rigg etwas zum Bug versetzen! Mit den praktischen Deckschienen ist das schnell und ohne Werkzeug zu handhaben. Bei den anschließenden Probefahrten lief unsere Modelljacht dann ohne weiteres Verstellen und Trimmen.

Überraschend, wie schnell die MOONRAKER S auf den leichtesten Windhauch anspricht und wie hoch an den Wind sie zu gehen vermag. Gleichzeitig wurde aber auch deutlich, dass dieses Modell mehr für Regattazwecke als für gemütliches „Schippern" konzipiert wurde. So ist es nicht verwunderlich, wenn vom „Skipper" schnelles Reaktionsvermögen verlangt wird, denn unsere Jacht ist wenig eigenstabil, und es muss besonders bei Am-Wind-Kursen jede Böe ausgesteuert werden.

1979_moonraker_3Auch bei kräftigen Winden und starkem Wellengang verhält sich unser Boot wie es sich für eine Rennjacht gehört. Voraussetzung ist allerdings ein guter Segeltrimm! Der lange, schmale Kiel trägt mit dazu bei, dass wir es hier mit einer kleinen „Rennziege" zu tun haben, die gut getrimmt und fleißig gegängelt werden will. Erst dann zeigt sie, was sie kann! Auf Grund der breiten Jollenform des Rumpfes und des leichten Kielgewichtes sind sogar kurze Gleitfahrten möglich. Vorausgesetzt, wir haben richtiges „Hackewetter"! Aber dieses „Surfen" wird dadurch erschwert, dass bei achterlichen Winden der Bug sehr stark ins Wasser gedrückt wird und damit eine kräftige Bremswirkung erzeugt. Erst wenn die Vortriebskraft des Windes noch stärker wird, kann dieser Widerstand überwunden werden, und die MOONRAKER S fetzt richtig los!

Bei vergleichenden Fahrten mit dem M-Boot FLIPPER konnten geschwindigkeitsmäßig keine entscheidenden Unterschiede festgestellt werden. Hier zeigt sich deutlich, wie optimal moderne Boote der Marblehead-Klasse durchkonstruiert sind, so dass auf dem Konstruktionssektor kaum noch überraschende Erfolge erzielt werden können. Was bleibt, ist die Erfahrung und das Können des „Skippers"! Richtiger Segeltrimm und Technik des Segelns führen am ehesten zum Erfolg. Ein gutes und zuverlässiges Boot ist aber Voraussetzung hierfür. Ein solches Boot wurde mit MOONRAKER S geschaffen. In den Händen eines erfahrenen Steuermanns wird sie ihrem Eigner nicht nur viel Freude bereiten, sondern sicher auch viele Regattaerfolge bescheren. Alles in allem handelt es sich hier um eine erfreuliche Erscheinung auf dem Schiffsmodellmarkt, die nicht nur hohen Gebrauchswert, sondern auch lange Lebensdauer garantiert.

logosmOriginal erschienen in der Zeitschrift Schiffsmodell  des Neckar-Verlags 10/1979 Autor:Jürgen Schwiering. Sollten hiermit irgendwelche Rechte verletzt werden bitte melden. Ich werde dann den Artikel sofort entfernen.