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Im Februar 1934 ist zur Förderung des Modellsegelbootsbaus und des Modellsegelns durch den Deutschen Seglerverband die Modellsegel-Abteilung ins Leben gerufen worden (siehe Zeitschrift „Die Yacht" Heft 9, 1934).

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Um die Modellsegel-Abteilung in den Dienst des Aufbaus des deutschen Segelsportes und darüber hinaus in den Dienst des Schiffbaus zu stellen, sind ihr vor allem zwei wichtige Aufgaben gestellt worden:

  1. Werbung für den Nachwuchs im Segelsport und im Schiffbau durch die Einführung der Jugend in die Seele des Segelsports „das Boot".
  2. Forschung

amtlichebekanntmachungUm die erste Aufgabe zu lösen, muss bei unserer Jugend im Verbande, den auch dem Marinejungvolk angehörenden Jungmannen eingesetzt werden, und zwar in der Weise, das als obligatorisches Fach der Modellbootsbau im Rahmen der jetzigen Dienstzeit eingeführt wird. Der Marinehitlerjugend muss es im Rahmen ihres Dienstes freistehen, sich an den Kursen, welche für Fortgeschrittene weiter ausgebaut würden, zu beteiligen. Aus dem Modellbootsbau wird sich das Modellsegeln entwickeln. Um diese Kurse durchführen und ausbauen zu können und außerdem auch Jungen, welche nicht in der Marinejugend sind, zum Modellbootsbau anzuregen und für den Segelsport zu gewinnen, ist es erforderlich, Risse und Bauanweisungen, wie es die grüne Post in wirklich nachahmenswerter Weise für die Modellflugzeuge getan hat, herauszubringen und zu verbreiten und ebenso technische Hefte und Tafeln über die besten Baustoffe und deren Bearbeitung, wie es durch die Datsch-Lehrmitteldienst GmbH für viele Zweige des Handwerks schon geschehen ist. Die beiden vorstehenden Stellen haben uns in dankenswerter Weise ihre Mitarbeit zugesagt und ebenfalls der Verein der Werklehrer zwecks Zurverfügungstellung von Räumen mit Werkbänken und Unterstützung in der technischen Anleitung. Außerdem wird es erforderlich sein, Lehrkräfte heranzubilden, da diese zur Zeit noch nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen dürften. Selbstverständlich wird man mit den schon vorhandenen Modellbootsbauschulen Hand in Hand arbeiten, und so hat sich erfreulicherweise auch schon für Potsdam Herr Marineobering. Bartsch mit seiner Schiffsmodellbauschule in den Dienst der Sache gestellt. Solche Schulen wird es sicherlich auch in vielen anderen Städten geben, und es wäre Sache der einzelnen Reviere, diese Schulen ausfindig zu machen und sich mit ihnen ins Einvernehmen zu setzen. Dazu kommt, dass viele Segelvereine ihre eigenen kleinen Werkstätten haben und als Bootswart einen des Bootsbaus kundigen Mann, und man sollte glauben, dass sich auch hier Wege finden lassen, um beides in den Dienst der Jugendausbildung zu stellen.

Die zweite Aufgabe „Forschung" ist eine Aufgabe, welche sich zum Teil aus der ersten Aufgabe entwickelt und eng mit ihr verbunden sein wird, denn es ist anzunehmen, dass in Zukunft aus der Modellbootsbau und Modellsegelei treibenden Jugend der Nachwuchs für den Schiffbau hervorgehen wird. Die Jugend, die nun einmal ihre eigenen Erfahrungen machen will und nach Neuem strebt, wird oft die Frage aufwerfen, warum diese Bootsform und nicht jene, warum diese Besegelung und nicht jene, und sie wird den Wunsch haben, den Kameraden durch die Praxis zu zeigen, dass ihre Idee richtig ist. - Da ist es das Modellboot, welches mit geringen Mitteln gestattet, Versuche durchzuführen, und hier trifft sich die Jugend mit dem Alter, der Junge, der sich nach einem Beruf umsieht, mit dem ausgebildeten Mann, dem Konstrukteur, hier kommen das Modellboot und die Yacht zusammen.

Wieviel Kräfte mögen in unserem Yachtbau, weil sie aus wirtschaftlichen Gründen nicht zur Entwicklung kommen können. Es gibt nicht viele Segler, welche den Mut haben und es sich leisten können, sich auf gut Glück nach den Rissen eines unbekannten Konstrukteurs ein Boot bauen zu lassen, ein Boot, welches nur das Traumbild eines Unbekannten ist. Um dieses Traumbild davor zu bewahren, dass es, wenn es wirklich nur ein Traumbild war, dem Besteller wie dem Konstrukteur Enttäuschung und Schaden verursacht, ist das Modellboot da, denn Versuche im Schleppkanal und im Windkanal sind wohl heute für die suchende Jugend und den um seinen Aufstieg ringenden Konstrukteur eine teure Angelegenheit. Hier kann der Deutsche Seglerverband durch seine Modellsegel-Abteilung Großes für die Entwicklung des deutschen Yachtbaus und Segelsportes tun, er könnte sogar durch seine Modellboote Hand in Hand arbeiten mit der wissenschaftlichen Forschung im Schleppkanal, in dem er von sich aus die durch Preisausschreiben ermittelten Spitzenboote im Schleppkanal durchmessen lässt.

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1936 finden die olympischen Spiele in Deutschland statt. Um auch im Segelsport bestehen zu können, sind eine ganze Anzahl 6mR-Boote im Bau und es wird viel Geld in diesen Großversuchen festgelegt werden müssen, wollen wir nicht halbe Arbeit leisten.
Ein Preissauschreiben des Deutschen Seglerverbandes schon für den Herbst 1934 für Modellsegelboote, der 6mR- und 8mR-Klassen könnte uns konstruktiv ein gut Stück weiterbringen und dem Yachtbau zusammen mit den Resultaten der diesjährigen Neubauten zeigen, welche Wege im Winter 1934/35 zu gehen sind. Eine dankenswerte Unterstützung durch den Yachtbau wäre es, wenn er diese Herbstrennen mit Modellen seiner diesjährigen Neubauten beschicken würde. Diese Boote würden erstens einen guten Vergleich für die anderen Modellboote ermöglichen, zweitens würden die Resultate dieser Boote untereinander, verglichen mit den Resultaten ihrer großen Schwestern, die Brauchbarkeit der Modellbootsversuche beweisen oder zeigen, welche Abänderungen vorzunehmen sind.
Da vielleicht nicht alle Konstrukteure die Zeit oder die Fingerfertigkeit haben, ihre Modellboote allein zu bauen, so wäre hier wieder die Verbindung mit den Modellbootsbauschulen gegeben, wo sie ihre Boote bauen lassen könnten, wodurch auch die Kosten weiter verringert werden würden.

Für alle diese Vermittlungen und Fragen ist die Modellsegel-Abteilung da, und sie wird sich freuen, wenn sie stark in Anspruch genommen wird. Selbstverständlich wird die Abteilung auch alle die betreuen, welche den Modellsegelsport nur aus Freude an ihm selbst betreiben.

Da die Modellsegel-Abteilung alle Schichten des Volkes erfassen will, so erhebt sie keinen besonderen Beitrag. Aber namentlich die Ausbildung der Jugend kostet Geld; darum trete jeder, der ein Herz für den Segelsport und dessen Zukunft hat und dafür auch etwas Geld übrig hat, als förderndes Mitglied in die Modellsegel-Abteilung ein.

Aus dem Jahrbuch des DSV 1934 von Chr. Aug. Beringer, Berlin Führer der Modellsegel-Abteilung des DSV