Topic-icon Ein halbes M - Rage Half

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13 Aug 2019 08:51 #13902 von GER 75
Ein halbes M - Rage Half wurde erstellt von GER 75
Nach dem meine 65er ihren ersten Regatta-Einsatz relativ erfolgreich bestanden hat, möchte ich hier in loser Folge die Entstehung dokumentieren.
Natürlich mit allen Rückschlägen und Erfolgen. Die eingesetzten Techniken werde ich auch so gut wie möglich darstellen.

Wie kann ein 7. Platz bei einer kleinen Regatta erfolgreich sein?
Begonnen hat der Tag mit den deutlichen Anzeichen einer Erkältung. Weiter ging es mit einem Auto, das nicht anspringen wollte und Starthilfe durch den ADAC brauchte. Durch dieses Problemchen gingen mir schon einmal 4 Läufe komplett verloren. Dazu nen Boot, das noch keine viertel Stunde auf dem Wasser war und ein Segelschnitt, der komplett ungetestet war.
...da kann man dann schon mit zweiten, dritten und vierten Plätzen zufrieden sein!:)

Zur Entstehung:
Weshalb macht man sich die Mühe, ein eigenes Boot zu entwerfen und zu bauen?
Es gibt sehr gute Boote, die käuflich zu erwerben sind, oder wo es Pläne, sowie Dateien kostenlos gibt. Manta 17, Nukite, Orion wären nur mal die aus dem deutschen Raum. Gerade die Manta von Andy Hoffmann ist nen extrem erfolgreiches Boot.
Um es kurz zu machen...
In den letzten 2 Jahren habe ich viel mit Andy gearbeitet und dabei sind ein paar Entwicklungsstufen der M17 entstanden. In der Zeit habe ich viel lernen dürfen und da ich schon immer etwas krank in der Birne war, kam der Wunsch nach einem eigenen Entwurf auf.
Als Grundgedanke nahm ich mein M-Boot auf. Mit diesem Boot bin ich extrem zufrieden und wollte sehen ob ich sie auf 65er - Niveau bringen kann.
Was mir in den letzten Wochen aufgefallen ist: Andy und ich scheinen wirklich ähnlich zu ticken. Seine neue Manta Pro und meine Rage ähneln sich mal wieder sehr. Der Weg scheint nicht verkehrt zu sein...

und darum geht es:


MfG

Torti
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13 Aug 2019 09:21 #13904 von GER 75
GER 75 antwortete auf Ein halbes M - Rage Half
Ein paar Daten zum Boot:
Gesamtlänge: 655mm
Länge KWL: 648mm
Maximale Breite KWL: 88mm
Verdrängung auf KWL: 940g

Das ideale "Kampfgewicht" liegt bei 1000g. Bei entsprechenden Bedingungen kann es bis 1100g angehoben werden. Dann liegt das Heck 1mm im Wasser.
Ausgehend von derzeit verwendeter Technik und bei sehr guter Bauausführung sind Bleigwichte von 680g bis knapp 800g sinnvoll. Damit ist ein sehr weiter Bereich abgedeckt und auch richtig heftiger Wind sollte kein Problem darstellen.

MfG

Torti
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13 Aug 2019 13:03 - 13 Aug 2019 13:53 #13905 von GER 75
GER 75 antwortete auf Ein halbes M - Rage Half
Zurück vom Doc...

Das Boot ist komplett im CAD entstanden. Dabei diente mir die große Rage und die Manta TK als Grundlage und Denkhilfe. Der Rumpf basiert zu 80 Prozent auf der Rage-M, aber ich habe einen Teil des Deckslayout von der TK übernommen. Ausserdem sind alle wichtigen Positionen von der TK übernommen worden. Kann so schlecht nicht sein...mit der habe ich es auf den 2. Ranglistenplatz im letzten Jahr geschafft. Mit einer gedruckten Kiste!!!
Das waren jetzt erstmal die Basics.
Entstanden ist das Boot mit allen Techniken die mir zur Verfügung stehen.
Das Urmodell ist natürlich gedruckt worden. Mit ein wenig schleifen, spachteln und lackieren habe ich die Oberfläche abformbereit gemacht.



Man sieht auch schon, wie das Urmodell in der Trennebene liegt. Wichtig ist für mich eine extrem scharfe Trennkante! Die ist mit den klassischen Methoden, wie Plastilin für die Spalten kaum zu erreichen. Beim Wachsen und Polieren deformiert man zwangsläufig diese weichen Füllmassen.
Daher: Dünnes Klebeband im Bereich der Trennkante auf den Rumpf und mit 2K-Spachtelmasse aus dem Baumarkt die Lücken füllen. Danach kann das Urmodell vorsichtig entfernt werden und dann wird die Kante sauber plan geschliffen. Das Ergebnis spricht für sich selbst...


MfG

Torti
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Letzte Änderung: 13 Aug 2019 13:53 von GER 75.
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13 Aug 2019 16:51 #13906 von GER1
GER1 antwortete auf Ein halbes M - Rage Half
Hallo Torti,

die Dicke des Klebebandes müsste sich dann aber bei der Formerstellung noch auswirken.

Möglichweise ist das aber eine für die Praxis irrelevante Bemerkung oder habe ich Deine Methode falsch verstanden?

Grüße
Gerd

10 Rater Referent DKVRCS
Mini 40 Referent DKVRCS
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13 Aug 2019 17:26 #13907 von GER 75
GER 75 antwortete auf Ein halbes M - Rage Half
Moin Gerd,
ich versuche mal, es besser zu erklären.
Das Trennbrett wird relativ großzügig ausgesägt, ich nutze dafür billige Schrank-Einlegeböden vom Baumarkt...die sind relativ plan und haben ne schöne Oberfläche.
Da diese Bretter aber nur beschichtetes MDF sind, würde kein Spachtel richtig halten. Deshalb wird die Sägekante mit dünnflüssigen Seku getränkt. Das wäre Teil Eins der Vorbereitung.
Das Urmodell wird 3-4 mal gewachst und poliert. Dann kommt dünnes Paketklebeband im Bereich des Trennbrettes auf den Rumpf. Das ist relativ breit und schützt nur die Oberfläche vor dem Polyester-Spachtel. Das Urmodell wird jetzt is Trennbrett gelegt und entsprechend fixiert. Dafür habe ich mir passende Abstandshalter gedruckt...;)
Dann wird die Fuge zwischen Trennbrett und Urmodell großzügig mit Spachtel zugeschmiert...20 Minuten warten und kurz gegen das Urmodell gedrückt und schon ist es draussen. Durch das Klebeband ist die gewachste Oberfläche geschützt und trotzdem lässt sich das Klebeband ganz einfach abziehen, da ja...genau...gewachste Oberfläche!
Das Trennbrett wird jetzt plan geschliffen - dank Polyesterspachtel ist das ganz einfach. Danach wird das Urmodell zurück in die Trennebene gelegt.
Durch das leichte Untermass, das durch das Klebeband entstanden ist, ist es ganz einfach.
...und jetzt wird ganz normal 5-6 mal gewachst. Das Wachs verschließt problemlos den hauchdünnen Spalt zwischen Urmodell und Trennbrett.

Oberseite


Unterseite

MfG

Torti
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13 Aug 2019 17:57 #13908 von GER 75
GER 75 antwortete auf Ein halbes M - Rage Half
Ich hatte ja geschrieben, das ich meine technischen Möglichkeiten ausschöpfen wollte...
Da mir kein Autoklav zur Verfügung steht, ist Prepreg für den Rumpfbau kein Thema, aber das bedeutet nicht, das ich nicht auch mit Druck arbeiten kann.
Also Formenbau auf die massive Art.
Der Rumpf hat ziemlich viele Sicken und Kanten. Um sinnvoll und vor allem leicht laminieren zu können, blieben nur zwei Möglichkeiten:
Vakuumtechnik
Ballontechnik

Bei der Vakuumtechnik hätte ich beide Formhälften laminieren müssen und dann im Vakuum trocknen lassen müssen. Um beide Rumpfhälften zu verbinden, wäre eine Verklebekante, oder Nahtband nötig. Also hoher Zeitaufwand und Mehrgewicht...wollte ich definitiv nicht!
Ausserdem ist es verdammt kostenintensiv. Vakuumfolie, Lochfolie, Abreissgewebe und Saugfließ, oder Küchenkrepp sind immer Abfall und können nicht wiederverwendet werden.

Also Ballontechnik.
Im Endeffekt erreiche ich das selbe Ziel wie mit der Vakuumtechnik. Nur kürze ich den Weg ab und erleichtere mir die Arbeit gewaltig.
Es werden wieder beide Hälften in der Form laminiert. Bei einer Hälfte wird das Gewebe bündig zur Formkante abgeschnitten, bei der anderen Hälfte wird das Gewebe 2-3cm stehen gelassen.
Der größte Unterschied zum Vakuumverfahren ist der Aufbau der Form. Diese muss extrem massiv aufgebaut werden, da sie später Drücke bis zu 5 bar aushalten muss! Wie man auf den Bildern sieht, ist meine Form komplett mit einem Harz-Quarzsand-Gemisch hinterfüllt und das ist auch nötig.




Mal nen kleiner Vorgeschmack...


MfG

Torti
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14 Aug 2019 10:08 #13909 von GER1
GER1 antwortete auf Ein halbes M - Rage Half
Hallo Torti,

alles verstanden ! Den hauchdünnen Spalt schließt Du also mit Wachs. Deine Idee mit dem Klebeband spart aber unheimlich Arbeit und werde ich zukünftig übernehmen. Bisher gebe ich mir immer sehr viel Mühe mit dem Ausschneiden der Rumpfkontur, das kann ich dann viel schneller machen.

Zum Auffüllen der Formen nehme ich seit einiger Zeit Poraver von R&G. Das wird gemischt mit Harz in einem 5 Liter Eimer und dann aufgetragen. Wird bombenhart und ist sehr gut zu verarbeiten.

Grüße
Gerd

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14 Aug 2019 14:25 #13910 von GER 75
GER 75 antwortete auf Ein halbes M - Rage Half
Weiter gehts...
Über das Laminieren werde ich nicht viel schreiben...ist wohl nicht nötig. Nur ein paar Kleinigkeiten halte ich für erwähnenswert, da sie anderen Selbstbauern helfen könnten.
Das Vorbereiten der Form mit Wachs sollte gewissenhaft erfolgen, da davon einfach der ganze Erfolg abhängt. Ich nutze ganz normales Carnauba-Wachs. Es gibt viel verschiedene Sorten, aber für mich sind High-Temp-Wachse, oder silikonhaltige Wachse wie Formula Five nichts. Die Probleme, die folgen können sinds mir einfach nicht wert.
Nach dem Wachsen sollte grundsätzlich ne Deckschicht in die Form! Wie die aussieht, ist eigentlich jedem selbst überlassen. Ob Lack, Gelcoat, oder Schwabellack spielt keine Rolle. Ohne Deckschicht wird man immer mit Pinholes leben müssen.
So...und jetzt kommt meine Vorgehensweise:
Ich lege die erste Lage immer trocken ein! ...aber mit einem kleinen Trick.;)
Die grob zugeschnittene Lage wird mit Sprühkleber eingenebelt und dann mit der Klebeseite vorsichtig in die Form gelegt. Dabei werden erst einmal alle kritischen Bereiche mit Pinsel und Finger angedrückt und dann die restlichen Flächen mit dem trockenen Pinsel an die Form gedrückt.
So kann ich mir sicher sein, das die erste Lage perfekt und ohne Blasen anliegt.
Wenn die erste Lage in beiden Formen liegt wird das Gewebe zugeschnitten. Eine Hälfte wird bündig geschnitten und die andere Hälfte bekommt den schon erwähnten Überstand von 2-3cm. Da kommt wieder der Vorteil der trocken eingelegten Lage zum Vorschein. Kein Harz an der Schere und auch kein Verzug der Lage.
Jetzt wird diese Lage satt mit Harz getränkt. Bei einem Kohlegewebe kann man jetzt schön die Fasern spreitzen und Löcher im Gewebe zustreichen...aber immer mit Gefühl!
Die zweite Lage wird eingelegt und sauber an die erste Lage gedrückt. Das eingebrachte Harz sollte die zweite Lage größten Teils durchtränken. Wo Harz fehlt, wird etwas nachgetränkt.
ich rühre für einen Rumpf 40g Harz an und brauche es nie!
Was jetzt kommt, ist auf den Bildern zu sehen. Der Ballon mit Autoventil wird eingelegt (deshalb diese komische Form am Ende vom Urmodell) und der Überstand des Laminates umgelegt und mit Zwirn etwas gesichert. Zweite Formhälfte drauf, Zwirn raus ziehen und Form mit Zwingen (vielen Zwingen) schließen. Jetzt wird vorsichtig der Ballon aufgepumpt. Ich mache bei ca.0,5 bar 10 Minuten Pause, damit sich der Ballon sauber platzieren kann, aber schon bei diesem geringen Druck hört man es zischen und blubbern. Dann erhöhe ich den Druck auf ca. 1,5 bar und warte wieder 10 Minuten. Jetzt drückt es schon Harz aus der Form und man sieht viele Luftblasen im heraus gedrückten Harz...so soll es sein. Nun noch einmal auf 2 bar aufpumpen und aushärten lassen.
Was erreiche ich durch diese Vorgehensweise?
- Beide Hälften werden Nass in Nass verklebt
- Das Gewebe wird schön in die Form gepresst und die Gefahr von Blasen (Hohlräumen) geht gegen Null
- Das Verhältnis von Gewebe zu Harz ist annähernd ideal, da jedes überflüssige Gramm Harz raus gedrückt wird

also nur Vorteile? Leider nicht, aber dazu komme ich noch...










MfG

Torti
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15 Aug 2019 23:32 #13930 von ger15
ger15 antwortete auf Ein halbes M - Rage Half

GER233 schrieb: Hallo Torsten!

Kann man eigentlich in diesem Forum persönliche Nachrichten schreiben? Oder gibt es eine andere Möglichkeit mit Dir intern Kontakt aufzunehmen?
Meine e-Mail ist Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Gruß Hans


Man muss nur den Namen anklicken : und siehe da !!!!!! Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Gruß Yogi

66 Jahre alt, der Rest ist reine Glückssache !!!!!
Männer bleiben ewig Kinder...
Nur das Spielzeug wird größer und teurer
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16 Aug 2019 13:32 #13931 von GER 75
GER 75 antwortete auf Ein halbes M - Rage Half
Moin Hans,
Yogi hat dir ja geholfen...meine Mailadresse hast du jetzt. ;-)

MfG

Torti
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