Als mich Gerd Mentges ansprach doch bitte etwas über die Geschichte und die Entwicklung der IOM Klasse zu schreiben habe ich zuerst einmal überlegt seit wann gibt es diese Klasse überhaupt und habe dann in alten Zeitschriften nachgeblättert und bin dann in einer englischen Zeitschrift von 1988 fündig geworden, in der ein erster Entwurf der Klassenregel abgedruckt war.

Dieser erste Entwurf weckte schon zum damaligen Zeitpunkt mein Interesse, da schon in diesem Entwurf sehr viele Beschränkungen enthalten waren also alles auf eine Einheitsklasse hinwies. Da wir aber zu dieser Zeit noch sehr von der NAVIGA beeinflusst wahren fuhren wir unsere F5E Boote ( Mini Cedar, Miramare usw.), die sich auf Grund des Regelwerkes aber immer mehr zu kleinen RM Booten ( Fockwender usw. ) entwickelten.

2003_entw_iom_1Den Durchbruch dieser Klasse in Deutschland haben wir Thomas Dreyer zu verdanken, der nach einem Besuch in England einen ganzen Koffer voller Fotos, den Entwurf des ersten IOM Regelwerkes und einen Rumpf der Jazz von Graham Bantock mitbrachte. Dies war der eigentliche Start dieser Klasse beim DSV.

2003_entw_iom_2Nach Absprache mit Graham durfte ich auf Basis einer Lizenzvereinbarung diesen Rumpf abformen und in Deutschland vertreiben. Zur gleichen Zeit hatte aber auch Dieter Halle Krahl einen IOM Rumpf gebaut und präsentierte diesen zusammen mit meiner Jazz auf der lntermodell in Dortmund. Dies war also der Beginn der IOM Klasse in Deutschland.

An der Verbreitung dieser Klasse haben auch die Clubs aus Köln und Monchengladbach einen großen Anteil denn bei diesen Clubs wurden trotz der Unkenrufe einiger renommierter Segler aus der RM Szene immer wieder Regatten angeboten und der MB Rodenkirchen richtete dann 1993 auch die erste DM dieser Klasse in Deutschland aus. Zu dieser Zeit stellten die bereits erwähnten Boote das Optimum dieser Bootsklasse dar. Als dann 2003_entw_iom_3ein Jahr später in Frankreich die erste IOM Weltmeisterschaft gesegelt wurde begann die Zeit der schmalen Rümpfe. Hatten unsere Boote bis dahin eine Breite von ca. 24 cm so sah man dort bei Chris Dicks und Graham Bantock Rümpfe mit einer max. Breite von nur 19 cm. Diese beiden Boote dominierten dann diese WM.

Aber auch in Frankreich hatte man weiterentwickelt und mit der Quadro ein Boot entworfen, das bis heute noch zu den Top Booten zählt, was ein Platz unter den Top 10 der letzten EM in England dokumentiert.

Zu diesem Zeitpunkt hätte man eigentlich schon erkennen müssen, dass bei dieser Klasse das Design, ob breit oder schmal, nicht die entscheidende Rolle spielt sondern der Segler und dessen Fähigkeiten ein Boot zu trimmen, hier der entscheidende Faktor ist.

2003_entw_iom_4Nur zwei Jahre später kam der Schock in die entgegengesetzte Richtung. Aus Australien kam die TS 2, ein extrem breites, einem 18 Fuss Skiff nachempfundenes IOM Boot. Dieses Boot gewann auf Anhieb die WM und alles stürzte sich auf diese Bootsform. Es entstanden noch weitere Boote in dieser Art die jedoch alle ein Problem hatten ... diese Boote liefen ganz vorzüglich bei Welle und rauen Bedingungen, jedoch sie alle hatten einen relativ großen Nachteil bei leichten Windverhältnissen, also Bedingungen, wie sie oft bei uns oder in anderen Binnenrevieren zu finden sind. Erst Jochen Weiß hat es verstanden dieses Boot bei uns so zu segeln, dass es auch bei leichteren Winden konkurrenzfähig war. Somit hat sich in den letzen Jahren eine Breite von ca. 22-24 cm durchgesetzt. Diese Boote haben in aller Regel ein sehr ausgewogenes Verhalten bei allen Windbedingungen.

Aber auch in Deutschland gibt es sehr gute Konstruktionen. Hier möchte ich vor allem Michael Scharmer, Jens Amenda und Dirk Schewe erwähnen die mit ihren Ideen immer wieder für frischen Wind sorgen. Diese Vielfalt der verschiedenen Boote zeichnet in meinen Augen diese Klasse vor allen andern aus. So war es auf der letzten EM in Fleetwood keine Seltenheit dass in einem Lauf mit 18 Teilnehmern ohne weiteres 8 oder 9 verschiedene Designs am Start wahren.

2003_entw_iom_5Bei der Durchsicht meiner Unterlagen habe ich begonnen eine Strichliste zu führen und bin auf ganze 48 verschiedene Designs gestoßen die im Moment gesegelt werden eine für andere Klassen utopische Zahl. Auch hat dieses Regelwerk den Vorteil das bei einem Neubau nicht automatisch alles neu beschafft werden muss. Häufig können Kiel, Ruder und vor allem die Riggs wieder verwendet werden. Der sportliche Anreiz und der Spaß an der Regatta ist deshalb nicht geringer als bei anderen Klassen. Dies hat sich vor allem im letzten Jahr in deutlich gestiegenen Teilnehmerzahlen bemerkbar gemacht. Laut Aussage unseres Obmannes gab es im letzten Jahr Ca. 25 neue RC Segler. 20 dieser Segler segeln IOM Boote.

2003_entw_iom_6Dieser Zuwachs freut mich als Klassenreferent natürlich sehr und er zeigt, dass sich die Arbeit der letzten Jahre gelohnt hat. Ich komme mir zwar manchmal vor wie die Mutter einer Kompanie, die für alles da ist. die alles hat und die über alles Bescheid weis. Auch wenn das nicht immer der Fall ist und man sich hier und da auch schon mal ein „Danke" wünschen würde bestärkt mich dieser Erfolg weiterzumachen und diese Klasse zu fördern.

Aber dies geht wohl jedem so der, an welcher Stelle auch immer, sich für andere einsetzt und seine Freizeit opfert. Auch Gerd Mentges wird beim lesen dieser Zeilen zustimmend nicken denn nur wenige wissen, welcher riesige Zeitaufwand in der Arbeit des Segelobmannes steckt, deshalb an dieser Stelle meinen Dank an ihn für die vorzügliche Zusammenarbeit.

Ich sehe ich die Zukunft der IOM Klasse äußerst positiv zumal sich immer mehr Segler aus anderen RC - Klassen und auch aus der Big-Boot Szene für das IOM-Segeln interessieren und dabei feststellen wie anspruchsvoll unser Sport ist.

2003_entw_iom_7Das einzige was uns ab und an fehlt sind Regatten. Aber wie jeder weis ist dies immer mit einem gewissen Aufwand und auch mit Arbeit verbunden. Darum möchte ich mich an dieser Stelle bei all meinen Freunden bedanken die sich auf diese Art und Weise für unseren Sport einsetzen und zum Teil als Einzelkämpfer agieren oder froh sind wenn ihr Club mitzieht und an einem Freitag gnädigerweise eine IOM Regatta ausrichtet, weil ja das Wochenende für wichtigere Klassen (RM) reserviert ist. Aber auch hier werden wir noch Überzeugungsarbeit leisten und unser Ziel erreichen.

Heinz Bohn.