Drucken

 

Am 5. und 6.April 2014 fand am Feringa-See von Unterföhring (bei München) die DM 2014 statt. Leider war die Veranstaltung nicht so gut besucht wie die letztjährigen Meisterschaften mehr im Westen von Deutschland. Längere Anfahrtswege scheinen doch manche RC-Segler abzuhalten. Manchmal höre ich auch Begründungen wie schlechter Wind in München. Die Zweifler hatten aber nicht recht, denn an beiden Tagen blies der Wind recht gut, lediglich zum Sonntagmittag war er am Einschlafen, da war die Regatta aber auch gelaufen. So war die DM eine gelungene Veranstaltung, für die sich auch ein weiterer Weg gelohnt hat.

Unser Klassen-Referent, Gerd Mentges, hat mich gebeten, einen kleinen Bericht zu schreiben, damit die Veranstaltung nicht allzu „geheim“ bleibt, denn auch die Foren quellen nicht gerade von Beiträgen zu dieser Klasse über. Ich kann mir das nur so erklären, dass die 10er-Segler halt lieber bauen und segeln, anstatt mehr oder weniger kluge Beiträge in Foren abzusondern.

Da mich die Bitte nach einem Bericht erst nach der Regatta erreichte, habe ich mir keine Notizen gemacht, und muss so aus der Erinnerung heraus schreiben. Fotos habe ich auch nicht geschossen, aber Andreas Schiebel hat die Veranstaltung mit der Kamera verfolgt, und so wird sicherlich das eine oder andere Foto/Video noch kommen.

Vom Niveau her war die DM bestens gelungen. Der Münchner Verein hat dafür gesorgt, dass die Verpflegung vor Ort mit Kaffee und Kuchen in bewährter Manier gesichert war. Das nahe gelegene See-Restaurant bot zu Mittag und Abend gute bayrische Küche.

Der Wettfahrtleiter/Umpire, Klaus Richter, hat sich akribisch auf die DM vorbereitet, insbesondere auch, was die Neuerungen im Regelwerk und in den AFM anbetrifft. Er und seine Helfer sorgten dann auch für einen im Großen und Ganzen problemlosen Verlauf der Regatta. Ich persönlich hätte mir bei dem einen oder anderen Vorfall ein etwas härteres Umpiring gewünscht, nachdem Klaus aber diesen undankbaren Job zum ersten Mal gemacht hat, soll dies nicht als Kritik verstanden werden.

Die 10er-Segler haben die Großzügigkeit von Umpire und Observer auf jeden Fall wenig ausgenützt, meistens wurden notwendige Strafkringel ohne viel Diskussion freiwillig gemacht. An einen etwas lauteren Vorfall kann ich mich erinnern. Die beiden Kontrahenten konnten sich nicht einigen, ob Überlappung bestand oder nicht. Die Diskussion wurde am Ufer und auch am Abend fortgesetzt, ohne eine Einigung zu erzielen. Einer der Beteiligten erhielt als Pokal einen reichlich mit bayrischer Wurst und Bier bestückten Geschenkkorb, den er postwendend seinem „Gegner“ vom Vortag zur „Friedenssicherung“ überreichte. Das gibt es wohl nur in der 10Rater-Klasse!?!?

Auch das Niveau der Teilnehmer entsprach einer Deutschen Meisterschaft, waren doch die ersten Fünf der Rangliste anwesend.

Am Besten schreibe ich zu den vorne Platzierten, was mir in Erinnerung blieb:

1. Sieger und neuer Deutscher Meister GER 01, Gerd Mentges

Wie schon im Forum beschrieben, kam Gerd bestens vorbereitet zur DM, was sein Boot und was ihn persönlich anbelangt. Von Beginn an voll motiviert, gepaart mit der Entschlossenheit, es allen zu zeigen, was seine selbst designte Kamsin kann. Die notwendige Aggressivität dazu, eine kleine Portion Glück in der einen oder anderen brenzligen Situation, und schon kommen am ersten Tag viele erste Plätze heraus.

Die Kamsin ist aber auch ein verdammt gutes und schnelles Boot. Ich hatte den Eindruck, Gerd hatte noch die eine oder andere Erkenntnis aus letztjährigen Regatten gezogen und auf dieser Basis „Kinderkrankheiten“ am Boot und Rigg optimiert, und so lief die „Kiste wie auf Schienen“. Wenn man gut startet und vorneweg fährt, dann lässt sich auch manche nachteilige Situation an den Bojen vermeiden. Situationen, denen Gerd in den Regatten zuvor nicht immer aus dem Weg gehen konnte (um nicht zu sagen, in die er sich damals in nicht zwingender Weise gebracht hat).

Die Kamsin ist ein sehr schmaler Rumpf, im Moment wohl der schmälste 10er. Gerd ist mit dem Design einen total gegensätzlichen Weg gegangen, verglichen mit seinem „Dickschiff“ Karneol 2.

Genauere Daten und Vergleichsdaten mit anderen 10Ratern sind im neuen Heft „RC-Segeln 2014“ veröffentlicht.

Ich hoffe, der Designer ist mir nicht gram, wenn ich behaupte, dass in seinen Entwicklungsgedanken die Diamond eine größere Rolle gespielt hat, sprich: die Erkenntnisse zu diesem Boot mit eingeflossen sind.

Die Qualitäten und das Potenzial der Kamsin haben sich schnell herum gesprochen, und so haben schon manche Rümpfe die Werkstatt von Gerd verlassen. Einige davon sind bereits im regattafähigen Zustand, worüber im weiteren Verlauf zu berichten ist.

Auf jeden Fall hat die Klasse mit der GER 01 einen würdigen Deutschen Meister 2014, und das mit einem deutschen Design! Gratulation!!

2. wurde der Deutsche Meister 2013 und amtierender Schweizer Meister, Jürgen Peters, GER 15

Yogi fuhr seine Diamond, die schon bei etlichen Regatten gezeigt hat, was in ihr steckt. Leider war Y. durch Krankheit nicht im Vollbesitz seiner mentalen Konzentrationskräfte, ganz im Gegensatz zu Gerd, und so blieb ihm nur „Schadensbegrenzung“. Am 2. Tag lief es schon wieder besser, und so konnte Y. zeigen, dass ein Sieg nur über ihn gehen kann.

Auch seine sonst übliche „Verkaufslockerheit“ ließ Yogi im Stich. Die Diamond war nach der Regatta einem Schweizer RC-Segler zugesagt, dieser hatte aber Zweifel an dem Boot geäußert, was Y. an der Ehre traf und zusätzlich einen Teil seiner „Regattaruhe“ kostete.

Unter all den Umständen ist ein 2.Platz mehr als ein Ehrenplatz!

3. wurde der Autor dieser Zeilen, GER 61

eingesetzt war die Diamond mit Swingigg, versehen mit der nach vorne gepfeilten NZL-Flosse. Leider hat die Regatta grottenschlecht angefangen. Bis zum Startsignal war eigentlich alles bestens angerichtet, denn ein Start an der total bevorzugten Boje war möglich (was schon die halbe Miete in dem Lauf gewesen wäre), wenn ihm ein übermotivierter Konkurrent nicht von „oben“ im 90Grad-Winkel ins Boot gefahren wäre. Ergebnis: Verhakt, letzter Platz, volle Punktzahl. Das allein hätte schon genügt, bei dem Verhaken hat aber die Winde etwas abbekommen, was sich aber erst im 2. Lauf zeigt. Ergebnis: Ausfall, DNF, volle Punktzahl. Immer noch nicht genug: 3.Lauf = Windentausch, DNS, volle Punktzahl. Also, mit den ersten 3 Läufen waren die Streicher schon voll abgearbeitet und GER 61 auf dem letzten Platz des Zwischenergebnisses. Unter diesen Umständen noch 3. werden...... geht i.O.

Aufgerichtet habe ich mich am 2.Tag. Wenn dieser gesondert gewertet worden wäre....s. Laufübersicht. Zudem konnte ich die letzten beiden Läufe gewinnen. Geht doch!

Es geschah des öfteren, dass im Regattaverlauf eine Diamond von Yogi, Heinz oder mir neben der Kamsin von Gerd fuhr. Große Unterschiede waren in puncto speed nicht auszumachen und so war es wohl das bessere und konstantere Segeln von Gerd, was die Regatta entschied. Im Moment bin ich der Meinung, dass die Kamsin
und die Diamond auf einem Niveau sind. Die Kamsin vielleicht mit kleinem Vorteil bei etwas weniger Wind (schmäler, weniger benetzte Fläche, etwas weniger Blei, 3900g) und die Diamond bei mehr Wind (meine hat z.B. 4120g Blei, ist etwas breiter, ein klein wenig mehr Reserveauftrieb bei Krängung).

Übrigens: Eine Swingrigg-Kamsin hatte ich dabei. Sie lag bei einer Probewasserung auch gut in der KWL; eine DM aber mit dem ansonsten nicht eingefahrenen Boot schien mir aber doch zu frevelhaft.

4. Heinz Bohn, GER 14

Heinz fuhr die dritte Diamond, ausgerüstet mit feinsten Segeln aus der hauseigenen Werkstatt. Seine Diamond braucht bez. Potenzial keine anderen Boote zu fürchten, Heinz war aber öfter in „bremsende Situationen“ verwickelt. Inwiefern diese ein besseres Ergebnis verhinderten, kann ich schlecht beurteilen. Die Luvtonne war nicht immer leicht zu nehmen, und ich musste die volle Aufmerksamkeit auf mein Boot konzentrieren.

Da die ersten Drei auch keine Nasenbohrer sind, muss einer mit dem 4.Platz vorlieb nehmen, dieses Mal traf es halt Heinz.

Eine Kamsin hat Heinz schon gebaut und weg gegeben. Folgt die nächste? ( Ist bestellt J)

5. Henning Faas, GER 68

Henning hielt die Fahne der Druffundweg hoch. Anfangs hatte H. Auch das eine oder andere kleine techn. Problem, was sich zwangsläufig auf die Konzentration und ein besseres Ergebnis auswirkte. Bei ihm zeigt sich, dass ein stressiger Beruf, eine stressige und zeitraubende Betreuung des DSV-Forums (stressig, weil sich oft einige Zeitgenossen den zweifelhaften Spaß machen, den ehrenamtlich Engagierten unnötigerweise ans Bein zu pinkeln) und nicht zuletzt die Tätigkeiten für VdMYS und DSV, einer Betreuung von drei RC-Klassen nicht gerade förderlich sind. Nicht verzagen, Henning.....irgendwann kommst auch Du ins Rentenalter!

6. Volker Schwarz, GER 45

Volker fuhr eine mit Swingrigg getakelte Druffundweg der ersten Generation. Da ich das Boot kenne, behaupte ich nach wie vor, dass diese die schnellste Druff ist, da sehr leicht seitens Boot, Blei und Rigg. Zudem ist das Boot so was von gutmütig zu segeln. Ich erinnere mich an den Stapellauf am Schwarzsee: Boot eingesetzt und sie lief wie von selbst eine Hööööööhe, von der ersten Minute an!!!

In puncto Beruf und Betreuung von drei RC-Klassen könnte ich das bei Henning Vorgenannte wiederholen.

7. Christian Neumeier, GER 90

Chr. War der dritte Druffundwegler. Er hat sich mit dem Boot aber noch nicht so richtig angefreundet. Ich habe ihn nicht befragt, woran es im Einzelnen liegt, auf jeden Fall konnte Chr. seine bekannten seglerischen Qualitäten nicht umsetzen.

8. Peter Hackl, GER 53

Peter hat seine ihm bestens vertraute Tension verkauft und fuhr deshalb die von Heinz Bohn gebaute, ganz neue Kamsin. Neues Boot, neues Glück.....aber oft halt auch noch Kinderkrankheiten. So verhinderten der eine oder andere Ausfall dieses Mal ein besseres Ergebnis. Ich bin sicher, der Ehrgeiz von Peter bringt das Boot auf den gebührenden Stand.

9. Frank Hennig, GER 81

Frank fuhr ein französisches Design (bretonischer Name, im Moment nicht abrufbar).

Auch ein schnelles Boot, aber m.E. nicht auf dem Niveau von Diamond, Kamsin oder Druff.

So wird es auch in Frankreich gesehen, weshalb die Franzosen vorzugsweise Diamond oder die in Frankreich die in Lizenz gebaute Prizm oder Iona vorziehen.

Ich bin auch hier sicher, bald wird Frank mit einem Boot aufkreuzen, das mit D oder K anfängt.

10., 11. und 12.

Zu den Booten kann ich leider mangels Info nicht viel bis nichts sagen. Eine besondere Beachtung hätte sicherlich die brandneue und sauschnell aussehende Gothic von Andy, GER 294 verdient. Aber Andy musste nach dem ersten Tag auch den Kinderkrankheiten des Bootes Tribut zollen, und so konnte ich ihn nicht näher befragen. Über das Boot wird aber sicher noch zu berichten sein.

GER61hard

Zugriffe: 4673