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Es ist schon Tradition, dass die DM der 10-Rater RC-Yachten in Krefeld stattfindet. Erfreulicherweise hat sich der Krefelder Club um Friedhelm Scholten und Heinz Büsgen am 9. und 10. September erneut dieser Klasse  angenommen  und die DM am Elfrather See durchgeführt. Die Startstelle war am Steg der Großsegler des dortigen Clubs, der lobenswerterweise einmal mehr Gelände und Clubhaus zur Verfügung stellte.

bild20004An dieser Startstelle herrschen die besten Bedingungen vom Elfrather See, der Wind kann ungehindert von drei Himmelsrichtungen kommen. Leider kam er dieses Mal öfters von der vierten, d.h. von Süd über die Bäume, allerdings nicht so, dass man von schlechten oder gar verfälschenden Bedingungen sprechen könnte. In dieser Ecke des Sees gibt es auch wenig Frust mit Algen oder anderem Kielgeschlinge.

pict0009Gleichzeitig fand am Samstag und Sonntag je eine IOM-Ranglistenregatta statt. Bei den IOM-Regatten kamen zwei Gruppen zusammen, die 16 Teilnehmer der 10 R wurden in einer dritten Gruppe gestartet. So fanden immer zwei IOM-Läufe und anschließend eine 10 R- Lauf statt. Ein Prinzip, das früher mit M und 10 R auch in Biblis von Rudi Bär organisiert wurde, inzwischen aber aufgegeben wurde, da sich einige M-Segler überfordert fühlten, in zwei Klassen zu starten, d.h. ggfs. In zwei Läufen  direkt hintereinander. Dabei wäre es für die paar Überforderten doch ganz einfach gewesen, dann halt auf eine Klasse zu verzichten und denjenigen die Freude zu lassen, die willens und in der Lage waren , beides zu bestreiten. So hält im Moment in Deutschland nur der Krefelder Club die Fahne der 10-Rater hoch.

bild20009Bei der diesjährigen 10-Rater-DM gab es mehrere Starter, die in beiden Klassen fuhren, erfreulicherweise sogar bisher absolut überzeugte IOM-Segler wie Birgit und Dieter Lagemann, Nigel Winkley und noch mancher andere Newcomer in der Szene. Die meisten hatten zwar „nur" M-Boote auf 10-Rater getakelt, aber es war doch ein erfreulicher Anfang, der hoffentlich dazu führt, dass der eine oder andere Geschmack daran findet, sich einen richtigen 10 er zu beschaffen, um sich dann das richtige feeling für diese schönste RC-Klasse reinzuziehen.

Zu den einzelnen Booten der 10 Rater-DM 2006:

PARADOX

Dieses M-Boot aus der Feder von Graham Bantock hat schon einige Jahre auf dem Buckel, ist aber nach wie vor ein konkurrenzfähiges Gerät, egal ob in M oder 10 R, vorausgesetzt natürlich gute Segel, der richtige Trimm und letztlich auch der Daumen des Skippers. Wenn ein M-Boot auf 10 R getakelt wird, ist es aber schwierig, das richtige Verhältnis Segeldruckpunkt zu  Lateraldruckpunkt zu finden, und ich vermute, dass hieran das Hauptproblem  bei den an dieser DM teilnehmenden Booten lag und sie deshalb erst auf den hinteren Plätzen einliefen.

SKALPEL

Drei Teilnehmer hatten ihre Walicki-Boote mit 10 R-Segel versehen. Auch hier gilt m.E. das oben Gesagte über den Basistrimm Segeldruckpunkt zu Lateraldruckpunkt. Von D. Lagemann waren einige gute Läufe zu sehen, am Ende reichte es zu einem guten 4. Platz. Das zeigt doch, dass M-Boote durchaus bei den 10ern mithalten können, bewiesen wurde es eindrücklich bei der Atterseeregatta 2006, denn dort hat J. Walicki mit seiner Skalpel, M-getakelt (!), die 10 R-Regatta sogar gewonnen. Ein M-Boot hat 1,27-1,29m KWL , also vergleichbar mit den meisten 10 R, der Rest ist der schon mehrmals beschworene Basistrimm und der berühmte Daumen des Skippers. Die 10er können ihre Stärke bei mehr Wind ausspielen, wenn durch Lage die KWL verlängert wird und dadurch eine höhere Geschwindigkeit  möglich ist, sowie durch ihr dann wirksames meist höhere Ballastgewicht.

ORKA

Auch hier handelt es sich um umgetakelte M-Boote, beide tummelten sich brav im Mittelfeld. Bei etwas weniger Protesten für den Einen oder Anderen wäre sicher ein besserer Platz möglich gewesen, die Grundgeschwindigkeit war vorhanden.

bild20007dscf0947KARNEOL

G. Mentges (GER 01 ) trat mit seiner alten „Dschunke" an. In den 80er-Jahren hatte ich auch so ein Boot, leider weiß ich nicht wo es abgeblieben ist, erinnere mich aber gerne an spektakuläre Vor-Wind-Kurse bei denen das hinten flache Boot ins Gleiten kam. Ansonsten hat die „breite Schüssel" für heutige Verhältnisse aber doch zu viel Gewicht und benetzte Fläche, der unter diesen Umständen ehrenwerte 5. Platz ist mehr dem Skipper zuzuschreiben. Zur Ehrenrettung des Bootes sei aber erwähnt, dass P. Ebel 1987 mit dem von mir geliehenen Boot in einer hochrangigen 10-Rater-WM in Göteburg bei härtesten Wind-und Wellenbedingungen (offenes Meer) den 2. Platz errang. Wer noch das Schiffsmodell-Heft 7/1988 besitzt, kann das Boot auf der Titelseite bestaunen, Berichte dieser WM erschienen in den Heften 10/87 und 2/88.

dscf0915STARKERS

Der bisher überzeugte IOM-Fahrer  Nigel Winkely (GER 87 ) erschien mit einer brandneuen Starkers, ausgestattet mit" 10 R-Riesenlappen" des diesjährigen Weltmeisters der M-und windfahnengesteuerten A-Klasse, Martin Roberts. Dabei stimmten die von mir immer wieder beschworenen Druckpunkte absolut, der amtierende Doppelweltmeister liefert nur erstklassige Ware. So konnte Nigel, insbesondere am 2. Tag, einige spektakuläre Läufe hinlegen. Wir werden das Boot sicherlich bald bei M-Regatten sehen und dürfen auf spannende Rennen hoffen.

dscf0916ROAR EDGE

Dieses M-Boot ist der Vorläufer der Crazy Tube und stammt aus der Feder von Roger Stollery. Mit guten Segeln ausgestattet und von einem erfahrenen Segler gesteuert, in diesem Fall von Helmut Krahforst (GER 36 ), ist das Boot immer noch für vordere Plätze gut, sicherlich wäre das auch bei M-Regatten so. Der 3. Platz  hier beweist es. Wie gesagt, bei schwächerem Wind hatten M-Boote allgemein, insbesondere die Starkers und die Roar Edge, mit ihrer wesentlich geringer benetzten Fläche und erheblich weniger Gewicht sogar Vorteile und die Segler mit echten 10- Ratern hatten alle Register zu ziehen, um letztlich doch die beiden ersten Plätze zu belegen.

10 rater-dm_2006_61VIRY EASY

Das ist ein echter 10er, gezeichnet und gebaut (Rumpf ) vom französischen Ex-Weltmeister, Paul Lucas, der bekanntlich auch die Margot konstruierte. Die ersten Boote erschienen zur WM 1991 in Viry Chatillon, Frankreich (deshalb auch der Name Viry Easy ). Also auch schon eine relativ alte Konstruktion, die es aber nach wie vor zu schlagen gilt. P. Lucas, studierter Schiffsarchitekt und Fastnet-Race-Teilnehmer in den 70er-Jahren, ist mit der Viry Easy ein Superwurf gelungen. Vor allem auf Raumkursen läuft das Teil bei stärkerem Wind sensationell. Alle drei bei dieser DM angetretenen Boote waren mit Swing - Riggs ausgestattet!!!

dscf0939Heinz Bohn hat eines dieser Schiffe und ist ganz begeistert wie angenehm und problemlos damit zu fahren ist. Manfred Wolfinger (AUT 09 ) gewann vor ein paar Jahren mit dem von mir geliehenen Boot die Naviga-WM, obwohl er zuvor das Boot nicht eine Minute gefahren hat und auch keinerlei Praxis mit Swing-Riggs hatte. Dieses Boot gehört jetzt Udo Scharff (GER 91), einschl. Riggs, der aber damit noch zu „kämpfen" hat.

Ergebnisse (nach 10 Läufen)

 

Segel-Nr. Name Punkte Platz  BootRigg Segel 
GER-61 Gerhard Schmitt 13 1  Viry Easy Swing  eigen 
GER-14 Heinz Bohn 17 2  Viry Easy Swing  eigen 
GER-36 Helmut Krahforst 24 3  Roar Edge Swing  Housemartin 
GER-260 Dieter Lagemann 25 4  Skalpel Konv.  eigen 
GER-1 Gerhard Mentges 37 5  Karneol Konv.  eigen 
GER-87 Nigel Winkley 47 6  Starkers Cubed Swing  Housemartin 
GER-291 Udo Schaff 63 7  Viry Easy Swing  Housemartin 
GER-82 Martin Tangermann 64 8  Orka Swing  eigen 
GER-35 Jürgen Peters 65 9  Orka Swing  Sailsetc 
GER-152 Dieter Junker 68 10  BerlinGo Swing  Housemartin 
GER-433 Roland Regensburg 69 11  Skalpel Konv.  eigen 
GER-83 Dieter Schneider 70 12  Paradox Swing  Sailsetc 
GER-84 Herbert Starklauf 75 13  Paradox Swing  Sailsetc 
GER-259 Birgit Lagemann 120 14  Skalpel Konv.  eigen 
GER-221 Fredi Voß 130 15  Paradox Swing Sailsetc 
GER-317 Peter Meuerrer 145 16  Paradox Swing  Sailsetc 

 

 

Bleibt zu hoffen, dass

Wer es von den IOM -Seglern  noch nicht weiß: Bauvorschriften, Vermessung und Trimm sind bei  M und 10 R viel weniger kompliziert und vor allem weniger „leistungshemmend". Wer also an einem Boot interessiert ist, das sein Geschwindigkeitspotenzial voll auszunützen vermag, sollte sich ernsthaft mit diesen Klassen  befassen. Und wer mir noch ein Mal mit „Preisvorteil" oder leichter zu meisterndes „Einsteigermodell" der IOM kommt, dem erzähl ich was. Der einzige Vorteil der IOM, den ich akzeptiere, ist das geringere Transportproblem. Aber auch das ist bei gutem Willen lösbar, zu Regatten in Österreich fahre ich oft mit der Ausrüstung in drei Klassen, einschließlich Frau, großem Hund und viel Urlaubsgepäck. Peter Gernert schafft das mit einem überlangen 10er sogar in seinem kleinen Lupo.

Wer sich ernsthaft für die 10er interessiert, dem helfe ich gerne mit Rat und Erfahrung.

Gerhard Schmitt (GER 61 ), Tel 0162 9047573

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