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Die Deutschen Meisterschaften der Segler in den Klassen IOM und 10R fanden dieses Jahr am 3. und 4. Oktober auf dem Regattagelände in Köln-Fühlingen statt, Ausrichter war der MBR Köln-Rodenkirchen e.V.

Nach Bekanntwerden des Termins zu Beginn des Jahres und dem Versand der Ausschreibungen war die Zahl der erhofften Antworten zunächst einmal enttäuschend, sprich monatelang gleich Null! Erst nachdem im Laufe des Regattajahres die Segler gezielt angesprochen wurden, hatten wir etwa einen Monat vor Beginn immerhin 7 Zusagen aus der 1 -Meter-Klasse, von den 10-Ratern noch keine einzige. Deshalb wurden bereits ernsthafte Überlegungen angestellt, die geplante Veranstaltung angesichts dieser Zahlen abzusagen. Einerseits bleibt praktisch dem Veranstalter zu einem Stichtag wegen der vielen eingegangenen Verpflichtungen und besonders wegen des finanziellen Risikos keine andere Wahl, andererseits wäre es um der Sache wegen aber sehr schade gewesen.

Angesichts des in diesem Jahre offenbar geringeren Gesamtinteresses an der Teilnahme auch an Regatten in anderen Klassen, welches mit dem erstmals aufgekommenen Wunsch nach mehr Eintagesregatten wohl einhergeht, hatten wir unsere Erwartungen schon etwas darauf eingestellt. Aber eine Absage im letzten Moment hätte uns praktisch dem finanziellen Ruin nahegebracht, und das wollten wir natürlich auch verhindern. Durch entsprechende Anstrengungen hatten wir dann zwei Wochen vor dem Termin ein paar mehr Meldungen für beide Klassen, was sich bis unmittelbar vor Beginn noch auf 24 und 15 steigerte, zwar immer noch enttäuschend, aber wir brauchten immerhin nichts abzublasen.

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Am See traten dann zur Eröffnung 24 bzw. 14 Starter an, wobei die 10R-Segler nach unserer Erfahrung praktisch die gesamte Phalanx der deutschen Regattasegler dieser leider in der Anzahl kränkelnden „Königs"-Klasse repräsentierten, was von der angeblich immer stärker werdenden IOM-Klasse leider nicht behauptet werden kann. Wo bleiben die IOM-Segler? Immerhin stellte unser Club allein 10 der 24 IOM-Teilnehmer. Zieht man die 10 Kölner Segler ab, haben sich also nur 14 Segler aus ganz Deutschland für eine Deutsche Meisterschaft gemeldet! Keine ermutigende Situation.

Aus dieser Verteilung könnte man fälschlich schließen, daß es sich bei uns hier in Köln um das IOM-Zentrum handelt. Dies wäre aber ein nicht zulässiger Schluß. Vielmehr scheint nämlich unter den zahlreichen IOM-Seglern einfach kein Interesse an vielen Regatten zu bestehen, wie es von potentiellen Ausrichtern auch immer wieder erwähnt wird. Das wiederum hängt aber wohl auch damit zusammen, daß im Vergleich mit der M-Klasse zu wenig Regatten ausgeschrieben werden, wie es die betroffenen Segler behaupten!

Damit wäre der Kreis geschlossen. Hier muß man ansetzen, wenn man etwas ändern will.

Selbstverständlich sind und bleiben auch zunächst die Felder dieser beiden Klassen klein, aber man kann doch für eine gewisse Zeit IOM und 10R oder 10R zusammen mit M in einer gemeinsamen Regatta fahren lassen.

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Teilnehmer an der Regatta, die aus dem nordöstlichsten Teil Deutschlands kamen, haben mir erklärt, daß sie bis Köln gefahren sind, um zwar auch an der DM teilzunehmen, aber eigentlich doch nur, um überhaupt noch mal in diesem Jahr eine IOM-Regatta segeln zu können, weil eben so wenig andere Vergleichsmöglichkeiten bestehen.

In Großbritannien werden zum Beispiel pro Jahr 50-100 IOM-Regatten durchgeführt, und Teilnehmerfelder von 70 bis 80 sind keine Seltenheit. Die von dort dafür gelieferte Erklärung, daß dies nur daran läge, daß diese Boote eben preiswerter sind als die in Deutschland dominierenden Marblehead-Boote, stimmt aber nicht. Dies ist eine vom Kommerz beeinflußte Behauptung, denn um dort zu gewinnen, werden auch Fertig-Boote, Segelsätze und Ausrüstungen aus den bekannten Werften verwendet. Und die sind auch dort wie in Deutschland teilweise teurer als die M-Boote, sofern sie aus den bekannten Edelschmieden in England stammen. Trotzdem sind aber in beiden Ländern die meisten konkurrenzfähigen IOM-Boote im Eigenbau erstellt und oft auch Eigenentwicklungen.

In England fährt man allerdings mehr Eintagesregatten und hat auch geringere Anreisewege, somit fallen auch keine Übernachtungskosten an.

1998_dm_iom_10r_3Mit wenigen Ausnahmen waren auch die in Köln vorgestellten Boote Eigenbauten bzw. Eigenentwicklungen. Der neue Deutsche Meister Jochen Weiß, Hamburg, fuhr einen von Michael Scharmer entwickelten Eigenbau, ein ganz mit Mahagoni beplanktes Boot von hervorstechender Bauqualität.

Nur 1.7 Punkte zurück lag an zweiter Stelle Heinz Bohn, Köln. Sein Boot, quasi das andere Extrem darstellend, startete im ersten Lauf zu seiner Jungfernfahrt. Es handelt sich um die ICON, die neueste, noch nicht auf dem Markt befindliche Konstruktion von G. Bantock mit einem dachähnlichen Vordeck bis in Höhe der Mastposition. Mit ein paar Regattameilen mehr an Erfahrung wird an diesem Boot in der nahen Zukunft so bald nicht vorbeizukommen sein.

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Peter Gernert, wie sollte es auch anders sein, trat ebenfalls wieder mit einem neuen Boot an. Es zeigte deutlich, wie konsequent sich der Konstrukteur daran gehalten hat, daß Vollkommenheit sich dadurch erweist, daß man nichts mehr fortlassen kann. Der Erfolg gibt ihm recht.

Ein ebenfalls vollkommen neues Boot führte Jens Amenda, Köln vor. Sehr gut laufend, aber schon mit deutlich mehr Bau- und vor allem Lackieraufwand als das vorher geschilderte.

1998_dm_iom_10r_5Olaf Döplitz fuhr seine schon vom letiten Jahr her bekannte „Australien-Schüssel", deren Stärke offensichtlich bei mehr Wind liegt. Sobald es wenigstens etwas wehte, konnte es aber doch mit den anderen Booten in etwa mithalten.

Michael Scharmer zeigte ein Boot eigener Entwicklung, dessen Stärken neben guten Fahrleistungen aber auch in den Fahreigenschaften zu liegen scheinen.

Stefan Engels, erst 14 Jahre alt und in seinem ersten Regattajahr, wurde mit einer robbe-WINDSTAR Deutscher Jugendmeister
1998.

Leider litt sowohl der gesamte Regatta-Ablauf wie auch eine eingehendere Beurteilung besonders der neuen Boote unter dem schwachen Wind. Am Samstag herrschte größtenteils regelrechte Flaute, unterbrochen nur von leichtestem Wind, der, da vornehmlich thermischen Ursprunges, auch noch dauernd drehte.

Der Sonntag fing ähnlich an. Leichter Sonnenschein ließ im Laufe des Vormittags zwar einen immer noch schwachen, aber zumindest gleichmäßigen Wind aufkommen, der aber nie mehr als 1-2 Windstärken erreichte. Zumindest haben wir am Sonntag im Gegensatz zu Samstag nicht mehr zu frieren brauchen.

In der 10-Rater Klasse gab es außer einigen Weiterentwicklungen schon bekannter und teilweise „altbekannter" Boote keine Neuentwicklungen.

Interessant ist, daß die neue "Leichtigkeit" immer mehr Anhänger zu bekommen scheint. So waren natürlich bei dem schon geschilderten Wetter die leichten Boot im Vorteil, besonders am Samstag. Im Gegensatz zu den IOM-Booten können leider keine Angaben über die Gewichte gemacht werden, aber wie aus sonst gut unterrichteten Kreisen zu hören war, soll es sich bei Booten aus den Elb-Regionen um solche mit deutlich unter 5kg Gewicht handeln!

Janusz Walicki wurde erneut Deutscher Meister mit der PARTNER, einem konventionellen Boot aus eigener Produktion, offenbar mit leichterem und längerem Kiel gegenüber früher.

1998_dm_iom_10r_6Ein einziger 10er mit Swing Rig wurde von Gerhard Schmitt vorgestellt und mit nur geringem Punkteabstand auf den zweiten Platz gesegelt. Es handelt sich um einen Selbstbau, ähnlich seinem M-Boot aus französischem Stall, mit abgerundeten Deckskanten und offenem, nur mit Klebe-Folie verschlossenem Deck. Wie in Frankreich üblich, ist der Baum aus KfK hergestellt.

Die größte Gruppe bildeten die von Janusz Walicki hergestellten Boote, die meisten offenbar gegenüber früheren Jahren "erleichtert", mit teilweise längeren Kielen und hervorragend stehenden Segeln und mit der auch von den M-Booten her bekannten exzellenten Über-Deck-Mechanik ausgerüstet.

Zwei Boote, Heinz Büsgen erreichte mit einem davon den dritten Platz, waren mit einem entsprechend großen, zur 10R-Klasse passenden Segel ausgerüstete PARADOX-(M-)Rümpfe, die natürlich bei dem schwachen Wind an beiden Tagen nicht gerade benachteiligt waren.

Ältere konventionelle und nicht veränderte, ansonsten aber gut laufende Boote waren durch den leichten Wind natürlich hoffnungslos im Nachteil. Deshalb wäre es interessant gewesen, diese Boote bei stärkerem Wind fahren und einen eventuell daraus resultierenden anderen Endstand sehen zu können.

In beiden Klassen wurden je 10 Läufe gefahren, die IOM in zwei und die 10er natürlich nur in einer Gruppe. Die A- und B-Gruppe der IOM und anschließend die 10 Rater bestritten ihre Läufe in Folge, so daß keine wetterbedingten Ungereimtheiten auftreten konnten.

Lediglich zweimal mußte die Jury zusammengerufen werden, was auch als ein Anzeichen dafür angesehen werden kann, daß es sich bei dieser Deutschen Meisterschaft um eine,ungewöhnlich ruhige und ausgeglichene Veranstaltung gehandelt hat. Die wohltuende Ruhe wurde nur manchmal von vehementen und sich wiederholenden, nicht immer berechtigten Rufen nach "Raum" an der Tonne gestört. Das ist aber eine Sache des Temperaments und/oder auch der Disziplin einiger sehr weniger, was sich aber wohl, wie wir in der Vergangenheit schon gelernt haben, nicht abstellen läßt.

Das nicht optimale Wetter, das sich natürlich schlagartig mit dem Regattaende verbesserte, fiel weder in unsere Verantwortung, noch konnten wir es ändern.

Sicherlich haben auch die äußeren Umstände, wie das für die Anreise der Teilnehmer zentral in Deutschland gelegene Gelände, die hervorragende Verpflegung durch die Damen des gastgebenden Vereins, die Aufenthaltsräume und weitere Einrichtungen in dieser städtischen Wassersportanlage, zum gesamten guten Gelingen dieser Veranstaltung beigetragen.

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logosmOriginal erschienen in der Zeitschrift Schiffsmodell  des Neckar-Verlags 12/1998 Autor:Heinrich Lipp.
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