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Nun ist sie vorbei, die DM (Deutsche Meisterschaft) der Modellsegler der Klasse F5-M (RM). Eingeweihte wissen, sie war in Lübeck. Für manche zu weit im Norden, aber jede der vier nauticus-landesgruppen ist eben mal dran. Ein andermal dürfen die Norddeutschen nach Bayern fahren!

Das Erstmalige an dieser Veranstaltung war, daß es eine gemeinsame Meisterschaft der beiden Modell-Seglerverbände im nauticus und im DSV war. Ganz einfach deshalb, weil man ja auch seit geraumer Zeit eine gemeinsame Rangliste führt.

1989_dm_1Der nauticus hatte bisher sogenannte Gruppenmeisterschaften in den Landesgruppen Nord, West, Mitte und Süd veranstaltet und aus diesen vier Gruppen die besten Segler zur DM entsandt. Der Deutsche Seglerverband hatte bisher für seine  Modellsegler noch keine Deutsche Meisterschaft veranstaltet.

Zunächst wurde beim nauticus beschlossen, keine Gruppenmeisterschaft mehr zu veranstalten, sondern nur noch die DM. Man einigte sich darauf, daß die ersten 60 der Rangliste startberechtigt sind, und rechnete mit etwa 40 Teilnehmern. Aus diesem Grund sah man auch keine Nachrückmöglichkeit vor. Gemeldet hatten sich 35 Segler, teilgenommen aber nur 33.

Man war darob nicht böse, denn so konnte man 3 Gruppen zu je 11 Seglern bilden. Eine angenehme Gruppengröße. Ob diese Regelung so bleibt, ist abzuwarten. Wahrscheinlich wird man die Teilnehmerzahl festlegen und eine Nachrückmöglichkeit
vorsehen.

Es muß auch noch gesagt werden, daß man sich darauf geeinigt hatte, daß sich der nauticus und der DSV in der Organisation und derAusrichtung abwechseln. Diesmal war der DSV dran. Aus diesem einfachen Grund suchte man sich einen Ort aus, wo die Großsegler des DSV ein Segelrevier mit Clubhaus hatten. Da die Gruppe Nord dran war, fiel die Wahl auf Lübeck. Nachdem man
mit dem dortigen Yachtclub wegen der Benutzung des Geländes und des Clubhau-Ses einig war, war das größte Problem schon gelöst. Die Lübecker nauticus-Segler erklärten sich außerstande, an der Organisation mitzuwirken, was aber auch gar nicht
nötig war, weil eben die Segler des DSV anders organisiert sind.

Gut war, daß wir in Süßwasser segeln konnten, denn Salzwasser ist für Beschläge und die Elektronik nicht so ideal.

Weil in den meisten Bundesländern am Donnerstag (25. Mai) Feiertag war, legte man die Veranstaltung auf das Wochenende vom 25.-28. Juni. Die meisten Segler kamen bereits am Mittwoch nach Lübeck, denn man wollte ja auch mal etwas von der schönen Stadt mitbekommen.

1989_dm_3Am Donnerstag war dann von 10-12 Uhr Registrierung angesetzt. Kurz vor 12 Uhr erfolgte die Eröffnung und Begrüßung durch den l. Vorsitzenden der VdMYS, der größten organisierten DSV-Modellseglergruppe, Herrn Arno Ladwig und Herrn Faust als 1.
Vorsitzenden des gastgebenden Lübecker Yachtclubs LYC. Vom DSV war Herr Mentges anwesend, der ja auch gleichzeitig Teilnehmer war. Der Segelreferent des nauticus, Herr Günter Voelz aus Berlin, war leider beruflich verhindert.

Manch einer mag etwas mehr "Offizielles" vermißt haben. So was wie Flagge hissen, Begrüßung durch den Bürgermeister usw. Nun, hier ging es etwas weniger offiziell zu. Was ich nur in dieser Richtung bedauert habe, war, daß die Veranstaltung kaum Laienbesucher hatte, weil offenbar die Werbung in der Tagespresse gänzlich fehlte. Eine Deutsche Meisterschaft ist schließlich keine Vereinsangelegenheit, und man hätte hier mehr für unseren Sport werben können. Vielleicht lag dies auch etwas daran, daß es im Organisationsteam etwas Unstimmigkeiten gab.

Als Hauptschiedsrichter hatte sich Herr Etzel aus Fulda zur Verfügung gestellt, der auf seine eigene Teilnahme aus diesem Grund verzichtet hat. Ihm sei für dieses Opfer hier nochmals gedankt!

Wichtig - wie immer - war natürlich das Wetter. Die Sonne schien die ganzen Tage recht freundlich. Mal mehr, mal weniger stark. Die meisten bekamen einen leichten Sonnenbrand. Aber mit dem berüchtigten, starken Küstenwind war das so eine Sache: lrgendwie hatte der scheinbar etwas Hemmungen. Zu Beginn herrschte so Stärke 3-4, ein schöner, kräftiger Wind. Aber dann wurde er scheinbar müde und ging schlafen. Aber darüber nochmal später.

Bei der Seglerbesprechung wurde eine Neuheit eingeführt, die ab sofort überall gelten soll: Bei Bojenberührung auf der „richtigen" Seite ist die Boje nicht nochmals zu umrunden - was fast immer zu Behinderung der anderen Segler führte -, sondern man hat auf der nachfolgenden geraden Strecke die üblichen 2 Kringel, sprich eine 720-Grad-Drehung zu vollziehen. Bei der Bojenberührung auf der „falschen" Seite gilt im Prinzip das gleiche, nur muß man natürlich die Boje noch umrunden.

Am ersten Nachmittag wurden - dank des noch guten Windes - 3 Einteilungsläufe nach dem ital. System und noch 4 Wertungsläufe gefahren!

Gespannt war man ja, wie sich der Europa- und Weltmeister, Janusz Walicki, und der noch amtierende Deutsche Meister, Hermann Kardatzki, plazieren würden.

Nach den Einteilungslaufen hatte Walicki 0 Punkte, und Kardatzki kam mit 20 Punkten sogar in Gruppe B. Wieso, das sei hier kurz als Lernbeispiel gesagt: Bei einem Start gab es zwischen Kardatzki und einem anderen Segler eine ganz leichte Berührung, kaum der Rede wert. Dachten beide und segelten weiter. Nach dem Lauf wurde von dem wachsamen Oberschiedsrichter Etzel aber verkündet, daß es eine Berührung gegeben hat, keiner protestiert und sich auch keiner durch die 2 Kringel entlastet hat. Folge: Beide letzter Platz und Disqualifikation, was sich hier mit 12 Punkten bemerkbar machte. Das tat weh! Also bitte merken: Es besteht Protestpflicht! Und nicht denken, na ja, ich sag mal nichts, es war ja nicht so schlimm. Das kann zum unangenehmen Bumerang werden.

Am nächsten Tag war wesentlich weniger Wind. Gegen Mittag war sogar richtige Flaute, so daß die Läufe abgebrochen wurden und eine Zwangspause eingelegt werden mußte.

Die Begrüßung am Morgen begann auch nicht alltäglich. Es wurde eine Flasche Sekt an Kardatzki ausgegeben. Nicht als Trostpflaster, nein. Aber Hermann hatte Geburtstag! Aber nicht deswegen wurde es an diesem Tag zu einem gemütlichen Segeln. Der Wind veranlaßte, daß alle ihr größtes und höchstes Segel setzten.

Da am Abend gemeinsames Essen im Yachtclub Travemünde vorgesehen war, beendete man die Läufe bereits um 15.30 Uhr. Ein mageres Laufergebnis im Vergleich zum Vortag! Bedauerlicherweise war in der Organisation wegen des Abends ein Lapsus passiert. Die endgültige Platzreservierung im Clubhaus war vergessen worden! Man war nicht auf uns eingerichtet. Zum Glück gab es eine große Terrasse, und bei dem herrlichen Wetter saß man draußen sowieso angenehmer. Man konnte auch so richtig schön "Leute begucken", denn in Travemünde war ein Stadtfest, und alles bummelte an der Uferpromenade auf und ab. Auch war und ist es immer faszinierend, den ein- und ausfahrenden Schiffen, vom kleinen Segler bis zum riesigen Fährschiff, zuzusehen.

Nach dem 2. Tag sah der Zwischenstand so aus: 1. Walicki 9,1 P, 2. Kardatzki 48,4 P, 3. Weiss 54,4 P, 4. Dreyer 56,7
P, 5. Schröder 57,4 P, 6. Gerhardt 60,7 P, 7. Mentges 69,7 Punkte.

Nun ging's in den 3.Tag. Wind leicht bis mäßig, aber er kam ganz unschön über das Ufer des Gewässers. Das hatte zur Folge, daß er unberechenbar wurde. Er war verwirbelt, und manch einer konnte es nicht fassen, wenn sein zwei Meter neben ihm fahrender Konkurrent plötzlich loszog und er selbst stand. Man mußte höllisch auf den Windeinfall achten. Deshalb wurden die Bojen auch verhältnismäßig weit nach außen ins Gewässer gelegt, wo der Wind gleichmäßiger war. Das brachte aber auch wieder Unwillen bei vielen Seglern, weil viele Augen die Bojen nicht mehr richtig einschätzen konnten. Man holte schließlich die außenliegenden Bojen weiter 'ran, wodurch der Kurs etwas kürzer wurde.

Das brachte wieder die Diskussion auf, ob es denn sinnvoll sei, die Bojenberührung zu verbieten. Hier lag zwar der Steg weit genug im Wasser, aber man hatte keinen erhöhten Standpunkt, der das Einschätzen der Entfernung erheblich begünstigt.

An diesem Tag wurden 7 Läufe über die Bühne, oder besser über das Wasser gebracht. Der Endstand an diesem Abend ergab: 1. Walicki 24,2 P, 2. Kardatzki 72,8 P, 3. Weiss 73,4 P, 4. Mentges 104,4 P, 5. Gerhardt 105,7 P, 6. Dreyer 113,7 P, 7. Schröder 135,4 P. Abends wurde im Clubhaus ein kaltes Buffet angeboten, das recht guten Zuspruch erhielt.

Nun kam der letzte halbe Tag. Große Veränderungen waren nicht mehr zu erwarten. Man fing etwas früher an zu segeln und schaffte bis ca. 13 Uhr noch 4 Durchgänge, so daß insgesamt 22 Läufe gesegelt waren.

Das Endergebnis ergab sich, bei 3 Streichläufen, wie am Schluß aufgeführt. Eine Platzverschiebung durch die Streichläufe erfolgte bei den ersten 15 Plätzen nur zwischen Mentges und Gerhardt. Walicki hat bewiesen, daß er der z.Zt. beste  Modellsegler der Welt ist. Kardatzki war und ist ebenfalls Spitzensegler. Wir vom MFC Steinbach, zu dem ich auch gehöre, haben deutlich gezeigt bekommen, daß wir uns nicht mehr auf unseren Lorbeeren ausruhen dürfen. Wir sind zwar noch gut, aber die anderen sind besser geworden.

1989_dm_2Sehr zu loben ist die Leistung der beiden Jungsegler Weiss und Dreyer, die erstaunlich gute Plätze belegten.

Nun wird noch manchen etwas über die Boote selbst interessieren. Ganz allgemein hat sich die Leichtbauweise durchgesetzt und bestätigt, wobei man aber nicht zu leicht bauen sollte, soweit dies zu Lasten der Stabilität geht. Man muß ja auch damit rechnen, daß man an einer „stürmischen" Regatta teilnimmt, und da hat das Material allerhand auszuhalten. Ganz abgesehen von einer Karambolage. Obwohl hier kaum starker Wind herrschte, hatte unser Superleichtbauspezialist Gernert zweimal spöttische Lacher zu ertragen, als sein Boot abtakelte. Wie es hieß, hatte er die Wanten in Balsaholz befestigt.

Erstaunlich war, daß - gegenüber der WM in Berlin - kein einziges Swing-Rigg vertreten war. Ich kann nur sagen, mir gefiel dies, denn dieser Anblick, wenn die Fock bei achterlichem Wind seitlich frei über dem Wasser schwebt, ist doch etwas  eigenartig.

Die Segel selbst waren meist aus Zeichenfolie angefertigt und nur geklebt. Da man bei der Herstellung nicht auf Fadenrichtungen achten muß, sind die Segel auch verhältnismäßig wirtschaftlich herzustellen. Allerdings sind sie wesentlich knickempfindlicher als ein Segelstoff.

Was auch deutlich festgestellt werden kann, ist, daß sich der drehbare Kohlefasermast durchsetzt. Zumindest bei den Spitzenseglern. Dank Walickis Superkonstruktion eines Mastes - der jedoch wegen der sehr aufwendigen Herstellungsart nicht billig ist - kann man mit nur zwei Wanten auskommen, was die Bewältigung der Probleme beim drehbaren Mast sehr erleichtert.

Als nächstes steht nun die Deutsche Meisterschaft der 10-Rater Ende September in Langenselbold an. Mal sehen, wie es da läuft. Es sind noch Plätze frei! Mast- und Schotbruch wünsch Kurt Lauschmann (G 22).

 

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logosmOriginal erschienen in der Zeitschrift Schiffsmodell  des Neckar-Verlags 9/1989 Autor:Kurt Lauschmann.
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