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Ja, wir haben sie überstanden, die Bundesmeisterschaft der Klasse F 5, die vom 17. bis 20. Juni 1981 auf dem Gelände der Bundesgartenschau in Kassel stattfand. Es war nicht die einfachste und glatteste Bundesmeisterschaft der Segler, wobei sich diese Einschränkung nicht auf die organisatorische Durchführung und auf den reibungslosen Ablauf in den einzelnen Klassen bezieht. Einige kritische Anmerkungen scheinen mir da - am Schluß des Berichtes - angebracht, vorerst soll aber das sportliche Geschehen zu Worte kommen.

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Es ist wohl so, daß wir Segler in besonderer Weise auf das Wohlwollen von Petrus angewiesen sind. Wenn es dann tageweise nur naß von oben kommt, wenn die Temperaturen auf Grade eines milden Dezembertages sinken, wenn dazu durch nicht ideale Startplatz- und Gewässerwahl mit unberechenbar umlaufenden Winden, mit Flautenstrichen und Fallböen gekämpft werden muß, dann gehört schon einiges Stehvermögen, Humor und - nicht zuletzt - seglerisches Können dazu, um über die Runden zu kommen.

88 Boote in 3 Klassen, Senioren und Jugendliche, waren aus den 4 Landesgruppen des nauticus angereist, ein Querschnitt vom nördlichsten Schleswig-Holstein bis nach Bayern und Baden-Württemberg. Gesegelt wurde nach dem inzwischen bewährten Flottensystem mit Auf- und Absteigen in den eingeteilten Gruppen und mit anschließenden Wertungsläufen. Noch ein Wort zum sogenannten Flottensystem: Mit der von W. Peukert eingeführten neuen Methode der Ergebnisnotierung - ohne aufwendiges Listenschreiben - war trotz der erwähnten Widrigkeiten ein zügiger Durchgang in allen Klassen sichergestellt. Beigetragen dazu hat aber auch sowohl die Disziplin der Segler selbst als auch das souveräne Schiedsrichterteam.

 

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Pünktlich um 11.00 Uhr starteten am 17. Juni 17 Boote der Klasse F 5-X, vermutlich letztmalig bei einer Bundesmeisterschaft nach der bisherigen Vermessung von 0,5 qm Segelfläche. Ob zur ungeteilten Freude der X-Segler bleibe dahingestellt: Denn ab 1982 gilt die neue Vermessung der Klasse F 5-X mit 0,75 qm. Das heißt neue Boote, größer und platzaufwendiger.

Nach regnerischem Verlauf stand am Nachmittag das Ergebnis fest:

1. Platz und Bundesmeister 1981: G. Schmitt, Ditzingen
2. Platz: F. Nieweg, Köln
3. Platz: K. Schneidemesser, Köln

Nach den Teilnahmebedingungen des nauticus ("2/3-Regelung") waren in der Klasse F 5-X 91 Segler startberechtigt. Teilgenommen haben nur 44 Segler, also weniger als 50 %. Dieses etwas enttäuschende, aber nicht völlig überraschende Meldeergebnis sollte nun allerdings nicht auf Desinteresse zurückgeführt werden. Sicherlich spielten bei einer ganzen Reihe unserer Segelkameraden Kostenüberlegungen eine ausschlaggebende Rolle. Es kommt ja eins zum andern, die Anreise und hohe Bezinpreise, Unterkunft und Verpflegung und das alles U.U. nur für die Teilnahme in einer Klasse - bedauerlich, aber man muß dafür Verständnis haben.

Ein Blick aus dem Fenster am Donnerstag früh, 18. Juni, einem Feiertag, konnte nur trübe Stimmung vermitteln: Regen, tiefhängende Wolken und kein Hoffnungsschimmer auf Wetterbesserung. Dabei ein kräftiger Westwind, der eigentlich hätte die Segler versöhnen können. Nur: Er kam leider bei der schon erwähnten ungünstigen Wahl von Gewässer und Regattastrecke den Aktiven kaum zugute.

Start um 9.00 Uhr mit den Vorläufen in 6 Gruppen, insgesamt 7 Durchgänge ohne Wertung, die aber mit Auf- und Absteigen der jeweils Gruppenersten bzw. -letzten der Einteilung für die anschließenden Wertungsläufe dienten. Gesegelt wurde an diesem Donnerstag bis 18.30 Uhr. Es erwies sich einmal mehr, daß das Flottensystem sehr wohl geeignet ist, in optischer Weise „die Spreu vom Weizen zu trennen". Es kristallisierten sich bereits in den Vorläufen klare Verhältnisse heraus: Auf der einen Seite die erklärten Favoriten, dann ein breites Mittelfeld und anschließend die schwächeren Boote und Segler. Festzustellen bleibt ferner, daß in erfreulichem Umfang "neue Gesichter" zu finden waren, Segler, die an früheren Bundesmeisterschaften noch nicht teilgenommen hatte. Und gerade diese Teilnehmer hielten engen Anschluß an die Spitze, U. a. unser einziger Amerikaner, R. Vanidour, der im Endergebnis immerhin den 9. Platz belegte.

1981_dm_3Das Ergebnis stellt ein typisches Beispiel für die gleichmäßige Leistungsspitze unserer Segler dar: Wir finden auf der Siegerliste durchweg die gleichen Namen wie in den vorausgegangenen Klassen:

1. Platz und Bundesmeister 1981 : H. Kardetzki, Steinbach
2. Platz: K. Schneidemesser, Köln
3. Platz: F. Nieweg, Köln

Eine Besonderheit bleibt für den gewissenhaften Berichterstatter noch anzumerken: Unter den 18 Teilnehmern starteten auch 2 Jugendliche. J. Weiß, Hamburg, belegte dabei - wenn auch außerhalb der Seniorenwertung - den 3. Platz! Er erhielt für diese Leistung eine Goldmedaille sowie den Titel des Jugendmeisters 1981 in der Klasse F 5-10.

Die Wertungsläufe nahmen noch den nachfolgenden Freitag, 19. Juni, in Anspruch, wiederum bei kühlem und unfreundlichem Wetter und wiederum auch - bei einer an sich steifen Brise - bei unbefriedigenden Windverhältnissen auf unserer Regattastrecke.

Am Abend des 19. Juni standen dann die Sieger fest, Klasse F 5-M, Senioren:

1. Platz und Bundesmeister 1981: H. Kardetzki, Steinbach
2. Platz: K. Schneidemesser, Köln
3. Platz: G. Schmitt, Ditzingen

Nun ging es - am Sonnabend, 20. Juni - in die letzte Runde. Am Vormittag segelten unsere 9 Jugendlichen die Klasse F 5-M. Die Ergebnisse:

1981_dm_21. Platz und Jugendmeister 1981 : J. Weiß, Hamburg (16 Jahre)
2. Platz: S. Neubert, Flensburg (16)
3. Platz: T. Borkert, Neuß (15)

Man sieht, auch hier hat sich zwar auf dem Siegerplatz Routine und Erfahrung durchgesetzt. Die nachfolgenden Plätze sind aber durchweg von Jugendlichen belegt, die alle erstmals an einer Bundesmeisterschaft teilnahmen. Hoffen wir, daß die Entwicklung so weiter geht. Jugendarbeit und Anleitung sollten nach wie vor eines der wichtigsten Ziele in den Vereinen und im nauticus sein.

Kommen wir zum Schluß dieser Bundesmeisterschaft: Am Samstag und Sonntag, 20. und 21. Juni, wurde mit 18 Booten die Klasse F 5 - 10 ausgesegelt, eigentlich die schönste und interessanteste Klasse der Modellsegler. Leider auch hier kein "volles Haus", nur etwa die Hälfte der Startberechtigten aus den Gruppenrneisterschaften nahmen teil.

Resümieren wir nach Abschluß der diesjährigen Bundesmeisterschaft. Da gebührt ein aufrichtiger, uneingeschränkter Dank dem SMC Kassel, der mit nur wenigen Helfern für die notwendigen Voraussetzungen - Startstelle, Zelte und technische  Einrichtungen - gesorgt hat. Den gleichen Dank aber auch den Damen des Clubs, die unermüdlich für das leibliche Wohl mit Grillwürsten, Getränken und Kaffee und Kuchen tätig waren. Insofern hatten die Tage in Kassel auch ihre sehr positiven Seiten: Das Zusammensein in der Gemeinschaft der Segler, der Meinungsaustausch sowie das Kennenlernen neuer Segelkameraden sind Dinge, auf die keiner der Teilnehmer verzichten möchte. Trotz verschiedener widriger Umstände und dank einer erfahrenen und straffen Startstellenleitung wurde durchwegs fair gesegelt, es waren die Bundesmeisterschaften mit den wenigsten Protesten seit Jahren!

Wenn zum Schluß aber auch einige "Minuspunkte" vermerkt werden müssen, so in dem Bestreben, es bei der nächsten BM besser zu machen. Was hat uns, den Seglern, nicht gefallen? Nun, in erster Linie natürlich die Wahl des Gewässers mit hoher Baumbedeckung sowie die ungünstige Anordnung der Startstelle. Daß in dieser Frage die Verwaltung der Bundesgartenschau unzugänglich blieb, ist nur eine Erklärung. Die Segler haben von dem Blumen- und Gartenspektakel sowieso nichts gehabt. Im Gegenteil: Zwar freier Eintritt, aber täglich 3,50 DM Parkgebühr. Und nachdem der Eindruck sicherlich nicht trügt, daß weder die Stadt Kassel noch die Gartenschauverwaltung irgend ein Interesse an einer Modellsegelmeisterschaft hatten, sollte man für künftige Veranstaltungen überlegen, Großstädte grundsätzlich zu meiden; die Verhältnisse dürften - von Ausnahmen abgesehen - überall ähnlich liegen. Nein, der Aufenthalt der teilweise von weit angereisten Segler in der Stadt Kassel war enttäuschend, kein Stadtoffizieller, keine Begrüßung oder ein freundliches Zeichen des Interesses, schade.

Nun sollten wir allerdings den Grund für verschiedene Unzulänglichkeiten nicht nur bei den Behörden und der gastgebenden Stadt suchen. So gab es z. B. keine öffentliche Ankündigung der BM, sei es in der Lokalpresse oder durch Plakatanschläge. Der nauticus-Flagge fehlte ein Mast, sie lag naß und deplaziert auf einer Zeltwand, ein etwas trauriger Anblick. Medaillen für die Sieger der einzelnen Klassen: Fehlanzeige, eine Prägemaschine wäre schuld an dieser Panne. Oder: Zur Siegerehrung einer Meisterschaft gehört nun einmal das „Treppchen", es fehlte.

Vor uns liegt das Jahr 1982 mit der nächsten Europameisterschaft, wo auch immer sie stattfinden wird. Eines scheint mir sicher: Nach den in Kassel gezeigten Leistungen unserer Segler darf es - für die Senioren - nicht wieder ein so enttäuschendes Abschneiden geben wie 1980 in Ungarn. Viel Arbeit und Engagement ist noch erforderlich, hoffen wir, daß Kassel auf dem Weg zur Europameisterschaft 1982 die Richtung aufgezeigt hat.

logosmOriginal erschienen in der Zeitschrift Schiffsmodell  des Neckar-Verlags 8/1981 Autor: Horst Krönke.
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