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Am 21. und 22. September 2002 hat der MBR-Rodenkirchen auf dem Regattagelände in Köln-Fühlingen die Deutsche Meisterschaft in der IOM-Klasse ausgerichtet. 34 Teilnehmer hatten gemeldet, von denen letztlich 32 erschienen waren, eine nach neueren Maßstäben besonders für IOM erfreulich hohe Anzahl. In dieser Klasse scheint sich etwas zu tun, aber zunächst zum Ablauf.

Samstag war Leichtwetter angesagt, bedeckter Himmel mit Nord-Ost, 1-2 Bft., pünktlich von 10 bis 16 Uhr wie bestellt.

dm_iom_1M. Tangermann mit seiner neuen ICON, in der Mitte D. Halle-Krahl (IMAGE) und rechts der spätere neue Deutsche Meister D. Schrewe mit seiner Eigenkonstruktion auf dem Weg zur Startstelle

Am Sonntagmorgen herrschte dann ein frischer Nord-Ost mit Windstärke 2-3, toll zum Segeln. Der Wind war gerade nicht zuviel, um laufend die Segel wechseln zu müssen, aber richtig, um das Kräftemessen bei trotzdem noch glattem Wasser unter idealen Bedingungen fortsetzen zu können. Als dann mittags noch die Sonne schien, haben wir alle über die Wettervorhersage, die schlechter nicht hätte sein können, gelacht.

dm_iom_2Das bemerkenswerte Boot von M. Scharmer

Ab 14 Uhr wurde der strahlende Sonnenschein dann aber plötzlich von den vorhergesagten Gewitterwolken verdrängt, die sich prompt zum Start der letzten Gruppe des letzten Laufes in einem Regenschauer mit Sturmböen entluden. Die Mutigen, die zum letzten Lauf nicht gekniffen haben, haben dann den Lauf noch beenden können, zwar mit einigen Schwierigkeiten aber ohne Schäden und bei nicht mehr glattem Wasser. Das ganze Intermezzo war jedoch nach etwa 15 Minuten vorbei und danach kam die Sonne wieder zum Vorschein. Vom Wetter her war jedenfalls für jeden gesorgt! Außer ein paar leeren Akkus, ein paar gerissenen Schoten und einer losen Windentrommel, dazu noch ein paar verschlafenen Aufrufen zum dann versäumten Start, hat es an beiden Tagen nicht einen einzigen Ausfall oder gar Schaden gegeben. Sogar die mit hochkarätigen Seglern besetzte Jury brauchte nicht ein einziges Mal einzugreifen und der Verfasser als Wettbewerbsleiter musste außer einigen wenigen Rückrufen wegen Frühstart zu keinen disziplinarischen Maßnahmen greifen. Wahrlich eine erfreuliche Entwicklung, wenn es denn eine ist und nicht nur eine Ausnahme war.

dm_iom_3Aus Australien: LIGHT ICE von M. Hellweg

Erwähnt werden muss auch die Leistungsdichte unter den Teilnehmern. Hier ist ein Fortschritt zu sehen. Die Punktzahlen liegen sehr eng beieinander, sowohl vom einzelnen Teilnehmer zum nächsten, wie auch von den ersten zu den letzten. Wenn man auch die absoluten Zahlen nicht so ohne weiteres mit früher vergleichen darf - dieses Jahr wurde hier nach dem neuen Zählsystem gerechnet, was einen direkten Vergleich nicht zulässt - lassen nur 84 Punkte vom Ersten zum Letzten doch schon Schlüsse zu.

Gleichzeitig lässt sich auch sofort ein Nachteil des neuen gegenüber dem alten System erkennen, denn durch jedes Mal gleiche Punktzahlen je Gruppe je Lauf tauchen auch oft gleiche Zahlen und damit Mehrfachplätze in der Endwertung auf. Dieser scheinbare Nachteil wird jedoch bei weitem von den anderen Vorteilen des Systems aufgehoben. Dass es jedoch  ausgerechnet dieses Mal auch bei den beiden zunächst Ersten mit je 18 Endpunkten aufgetreten ist, ist die Tücke des Objekts. Aber die AFM schreibt dann entweder ein Match-Race zwischen den Kontrahenten vor oder eine Wertung vor Streichern. Nach letzterer Regel wurde hier verfahren, so dass wir zum Glück zum Schluss nur einen Deutschen Meister hatten.

Es war jedenfalls über alles gesehen eine bemerkenswert ruhige und disziplinierte Regatta, und das lag zweifelsfrei nur an den Teilnehmern und an ihrem Verhalten. Auch hier tut sich was! Bleibt nur zu hoffen, dass sich dies in anderen Klassen auch durchsetzt, aber auch da zeigen sich im laufenden Regattajahr schon erfreuliche Anzeichen !

dm_iom_4Das neue Boot aus dem Hause Walicki

Aber nicht nur beim Verhalten der Teilnehmer, sondern auch bei den Schiffen, jedenfalls so bei IOM.

Die Entwicklung ist absolut konträr zu der bei den MBooten. Dort beherrscht ja die SCALPEL von Janusz Walicki die Klasse mittlerweile fast zu 100%. Die Ursache liegt einfach darin, dass es fast keine Konkurrenz mehr gibt. So schön eine solche Sache für einen Hersteller auch sein mag, so wenig schön ist sie für den technischen Fortschritt.

Ganz anders bei IOM. Etwa 50% aller DM-Teilnehmer fuhren Eigenbauten und teilweise sogar Eigenentwicklungen. Und das noch nicht einmal schlecht. Dies ist erstaunlich, da doch in dieser Klasse durch enge Bauvorschriften eigentlich nach einer gewissen Zeit einheitliche, um nicht zu sagen gleiche Boote entstehen müssten. Stattdessen erscheinen gerade hier zahlreiche Neukonstruktionen. Gleichzeitig ist verblüffend, dass sogar radikal andere Boote erscheinen und dass diese sich mit bewährten Konstruktionen dann auch noch erfolgreich um den ersten Platz streiten.

dm_iom_5 ITALICO von Heinz Bohn, dem neuen Trend folgend mit lang gestreckter Bleibombe

Die Klasse und auch ihre Entwicklung ist offenbar trotz aller Unkenrufe weder dabei auszusterben, geschweige denn schon tot. Und wenn man dann noch sieht, dass eines dieser neuen Boote in der Herstellung nur einen Bruchteil der Boote der anderen Konkurrenten kostete, da es mit einem fast absurd minimalen Aufwand an Material gebaut ist, kommt man schon ins Grübeln.

Gemeint ist das Boot von Michael Scharmer, man kann es nur als eine erfreuliche Entwicklung in dieser Klasse bezeichnen. Die sogenannten „Australien-Schüsseln" sah man auch wieder seltener. Allerdings haben sie einen gut sichtbaren Einfluss auf einzelne konstruktive Lösungen bei anderen Booten hinterlassen. Ursache für die jetzige Entwicklung dürfte wohl auch sein, dass in Deutschland eben andere Wetterverhältnisse als in Australien herrschen und dass allein die Versandkosten für ein solches Boot mitunter die Kosten für komplette hiesige Boote überschreiten dürften. Eigentlich schade, denn es sind innovative Konstruktionen, die bei etwas Wind mehr als nur konkurrenzfähig sind. Was man besonders am zweiten Tag sehen konnte.

Eine interessante Variante ist auch, dass verschiedene Boote in letzter Zeit einmal und teilweise zweimal ihren Besitzer bzw. ihren Entwickler gewechselt haben und in den Händen der neuen Besitzer erheblich bessere Plätze erreichten. Da habe ich allerdings keine Erklärung dafür, oder ... ?

Jens Brüggen fuhr sein neues Boot, eine Neuentwicklung von Janusz Walicki (noch ohne Namen), auf Anhieb auf den 7.Platz, auch hier tut sich was und die Entwicklung muss abgewartet werden.

Jedenfalls sah man neue Schiffe und neue Gesichter, und das ist gut so! Das führt auch zu neuen Namen auf den vorderen Plätzen der Siegerlisten, auch das alles in allem eine erfreuliche Entwicklung.

{mospagebreak title=zu den Booten}

Bezüglich der Siegerliste sind zu den Booten und den erreichten Plätzen noch ein paar Kommentare zu machen.

Der neue Deutsche Meister Dirk Schewe fuhr ein eigenes Design, ein zwar konventionelles aber trotzdem leicht dem Trend folgendes Boot in exzellenter Bauausführung. Ein ausgeglichenes und eigentlich unauffälliges Boot, welches bei ruhigem wie schwerem Wetter gleich gut lief. Boot und Segler sind ein würdiger Deutscher Meister.

Vize-Meister Michael Scharmer fuhr seine schon oben erwähnte, mittlerweile bewährte Konstruktion, allerdings ein eher für leichten Wind geeignetes Boot, was auch am Sonntag zu erkennen war. Trotzdem eine im Design schon eher als in der handwerklichen Ausführung überzeugende Lösung. Ein sicherlich wegweisendes, fast schon genial einfaches ZweckSchiff.

Heinz Bohn, sonst eher etwas weiter vorne zu finden, fuhr seine eigene bewährte ITALICO an beiden Tagen gleichmäßig.

Walter Luitz, mit dem Ex-Hoffmann-Boot (IMAGE von Heinz Bohn) fuhr konstant und unauffällig dem Vorbesitzer um die Ohren. Mit zunehmender Regatta-Erfahrung wird von diesem Gespann noch etwas zu hören sein.

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Die ersten Drei (von links): Michael Scharmer, 2.Platz, Dirk Schewe, 1.Platz und Deutscher Meister 2002, Dieter Halle-Krahl, 3. Platz

Peter Gernert habe ich zum ersten Mal seit Jahren mit einem Boot gesehen, das nicht erst in der Nacht vor der Regatta oder gar erst auf dem Parkplatz fertig wurde. Es war nach seinen Angaben ein schon 6 Jahre altes Schiff mit ein paar kleinen Änderungen, das an beiden Tagen, von einem ruhig fahrenden Skipper gesteuert, gleichmäßig laufend seine Plätze erreichte.

Peter Kohlhoff, ein neues Gesicht bei den Regatten, fuhr eine Ex-Bohn ICON mit viel Mut zum Risiko auf einen respektablen Platz. Mit mehr Modellsegel-Regattaerfahrung, die sich dann wohl in ausgeglichenerem Fahren zeigen wird, werden sich sicher noch bessere Plätze ergeben.

Martin Hellweg steuerte seine australische LIGHT ICE, das derzeit einzige Muster dieser Konstruktion in Deutschland, durch den für dieses Boot wohl etwas zu leichten Wind. Max Lehmann fuhr das Ex-Scharmer-Boot, mit dem dieser die Dänische Meisterschaft gewonnen hatte, mit leichten Veränderungen an Kiel und Blei an beiden Tagen gleichmäßig durch unterschiedlichen Wind.

Jürgen Hoffmann kann mit seinem neuen Boot, einer TEST-5 von Jens Amenda, noch nicht an seine vorjährigen Erfolge anknüpfen und Walter Luitz wird wohl kaum das Boot wieder herausrücken. Vielleicht kann er das aber durch mehr Erfahrung wieder wettmachen.

Nigel Winkley brachte ebenfalls ein neues Boot aufs Wasser, eine PREDATOR aus Neuseeland, die sich aber scheinbar auch nach mehr Wind sehnte, aber trotzdem an beiden Tagen einen guten Eindruck hinterließ.

Willi Hoppe fuhr sein schon bewährtes Boot. Immer noch ein Beispiel für eine erstklassige handwerkliche Ausführung innen wie außen, was durch ein fast durchsichtiges Deck gut zu erkennen war.

Daniel Rudolph hat als der einzige Jugendliche einen Extrapreis verdient und auch bekommen. Er wird mit Unterstützung durch seinen Vater und mit mehr Regattaerfahrung sicher bald noch mehr der älteren Regattafüchse hinter sich lassen als diesmal mit seiner ersten über den Rahmen der lokalen Wettbewerbe hinausgehenden Teilnahme.

{mospagebreak title=Ergebnisse}

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logosmOriginal erschienen in der Zeitschrift Schiffsmodell  des Neckar-Verlags 11/2002 Autor: Heinrich Lipp.
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