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2014 03_iom_koeln_dsv_seite-1Fühlinger See entwickelt sich zum Leistungszentrum IOM

Was am Wochenende 8./9. März bei herrlichem Segelwetter in Köln geboten wurde, war RC-Regattasport vom Feinsten.

Die Meldung von Huub Gillissen NED 99 bedeutete sicherlich schon im Vorfeld eine Herausforderung für die deutsche IOM-Elite, die zahlreich aus allen Teilen Deutschlands angereist war. Was wir dann aber auf dem Wasser erleben durften war ein Huub, der in einer anderen Liga segelte. Der Abstand zum später Zweitplazierten betrug sagenhafte 43 Punkte.

Am Samstag wurde ohne lange Vorreden zügig gestartet. Schließlich wussten (fast) alle, das nach Änderung der AFM mindestens 16 Durchgänge erforderlich waren, um für die in Fühlingen nicht immer vermeidbaren „Krauthindernisse“ einen genügend großen Puffer an Streichresultaten zu haben. Die Profis ließen sich deshalb auch nicht gleich aus der Ruhe bringen, wenn ein solch lästiger Bioanhang gelegentlich ein gutes Einzelrennen jäh beendete.

Am ersten Regattatag war einigen auch noch die Winterpause und mangelnde Segelpraxis anzumerken. So dauerte es einige Auf- und Abstiege, bis sich eine klarere Tendenz zur A-Gruppe abzeichnete. Für den Seglerhock am Samstagabend gab es so genügend Gesprächsstoff.

2014 03_iom_koeln_dsv_seite-2Am Sonntag zeigten sich dann alle Segler hochkonzentriert und ehrgeizig. Nicht nur in der A-Gruppe ging die Post ab. Der ein oder andere Neueinsteiger musste erschreckt feststellen, das bei rasanter Startfolge und schnell wechselnden Gruppeneinteilungen auch an Land ständig die Aufmerksamkeit gefragt war. Ein nochmaliges Lesen der Wettfahrregeln für HMS oder auch BlackFlag sind sicher eine sinnvolle Vorbereitung, denn für Ausbildungshilfe war bei dieser sportlichen Ranglistenregatta kaum Zeit. „Learning by doing“ war angesagt.

Trotz einiger Vermutungen waren eindeutige Materialvorteile kaum erkennbar. Das eine gut laufende SEDRA GER 01 auf der Kreuz durch tolle Geschwindigkeit und noch bessere Höhe der NED 99 durchaus den Schneid abkaufen kann, zeigte sich besonders deutlich im vorletzten Lauf der A-Gruppe. Denn nach der ersten Runde wurde schnell klar, das nur noch GER 01, GER 15 und NED 99 den Laufsieg unter sich ausmachen würden. Dieser tolle Wettkampf wurde letztlich auf der Zielkreuz entschieden. Während nach Rundung des Lee Gates noch GER 01 und NED 99 mit Stb Wind in Führung lagen, wendete GER 15 sofort nach Rundung auf BbWind gerade noch rechtzeitig vor dem auf Vorwind heran rauschenden Hauptfeld. Nach eine weiteren Wende mit freiem Wind war dann der Weg zum Sieg frei während GER 01 und NED 99 zunächst das Hauptfeld passieren lassen mussten. Sollte jemand diesen spannenden Lauf auf Video aufgenommen haben, bitte ich um eine Kopie für einen Lehrfilm.

2014 03_iom_koeln_dsv_seite-3Das ständige Konzentration, Beobachtung der Gegner und des Windes wichtiger sind als vermeintlich besseres Material hat sich mehrfach gezeigt. Warum aber das Absegeln bzw. das Warten auf der Startlinie immer noch weit verbreitet ist, bleibt dem geneigten Beobachter ein Rätsel. Huub hat wiederholt vorgemacht, das bei der genügend breiten Startlinie auch aus einer vermeintlich nachteiligen Position ein gut vorgeplanter Start mit Geschwindigkeit allemal besser ist, als ein Anfahren/Beschleunigen auf der Linie. Dies hat ihm unmittelbar nach dem Start häufig die entscheidende Bootslänge Vorsprung verschafft und damit zu freiem Wind verholfen.

Die Wettfahrten insbesondere der A-Gruppe waren auch für die zahlreichen Zuschauer eine Augenweide. Das mit 30 Seglern schon starke Teilnehmerfeld wurde zeitweise durch ein noch deutlich größeres Publikum aufmerksam beobachtet. An diesem Tag hätte sich gar ein „Stadionsprecher“ zur Kommentierung der packenden und taktisch anspruchsvollen Segelperformance der IOMs gelohnt. Auf jeden Fall freut sich der MBR schon auf mindestens zwei spontan neu gewonnene Mitglieder aus der Großboot Szene.

Persönliche Anmerkung eines Wettfahrhelfers:

Obwohl gesundheitlich angeschlagen, musste ich mich doch überwinden, wieder einmal bei schönem Wetter ein Wochenende ohne Ruhepause mit mühsamem Rechnen, Aufschreiben, Ansagen, Aufräumen etc. zu verbringen. Und das, um teilweise nervigen Modellseglern ihren Spaß am Hobby zu ermöglichen. Fazit am Sonntag: diese IOM-Meute hat nicht nur Unterstützung verdient, sie bietet dem fachlich interessierten Zuschauer auch ganz großes Kino. Will mitspielen, tausche M-Boot Paradox gegen siegfähige IOM.

Bilder von Ingrid Bluem

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