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Dadurch, dass man die Champex-Segelwoche zugunsten der RC-Segel- Weltmeisterschaft in Mailand auf Mitte August verschoben hatte, waren einige Absagen natürlich nicht zu vermeiden. In manchen Ländern waren nämlich die Ferien schon vorbei. Auch der Kurs des Schweizer Franken wird manchen davon abgehalten haben, nach Champex zu fahren.

1978_champex78_1Trotzdem waren in diesem Jahr mehr Teilnehmer zu verzeichnen als 1977. Das lag sicher zum Teil daran, dass WM-Teilnehmer direkt von Mailand nach Champex kamen. Auch der Weltmeister Pierre Jahan aus Paris war unter den Teilnehmern. Er erlaubte mir freundlicherweise, sein Boot gründlich unter die Lupe zu nehmen. So ist dann aus einem Champex-Bericht eine Analyse des Weltmeister- Bootes geworden. Darüber ist aber sicher niemand böse. Es war eben ein ausgesprochenes Glück, dass ich an den wirklich netten Pierre herankommen konnte.

Das Boot ist ein spezielles Leichtwetterschiff. Aus den Fotos und anhand des Spantenrisses, kann man die flache Form des Achterschiffes gut erkennen. Der Spantenriss eignet sich aber nicht zum Kopieren, da die Spanten in unregelmäßigen Abständen gezeichnet sind.

Die Bootsschale wiegt ohne Deck 420 Gramm. Kiel und Blei wiegen zusammen 4000 Gramm. Das Ruderblatt ist nur 47 mm breit aber dafür 210 mm lang.

1978_champex78_2Der Mast ist 2220 mm hoch und sehr stark verspannt. Auf den Bildern ist gut zu erkennen, dass eine ganz kurze Verspannung etwa bis in Höhe des Großbaumes führt. Außerdem gibt es Unterwanten, Mittelwanten und über eine Saling das Oberwant. Die Mastspitze ist durch ein Jumpstag versteift. Damit sich der dünne Stahlrohrmast ja nicht biegt, ist nach vorne, von den Unterwanten an, ein Babystag angebracht. Ob dieser ganze Drahtverhau notwendig ist, das ist sicher die Frage. Genau so sicher ist aber, dass man elegantere Lösungen finden kann. Ebenso hat mich überrascht, dass die Segel mit Drahtringen am Mast befestigt waren. Dafür standen seine Segel aus etwa 130 Gramm schwerem Terylene ausgezeichnet.

Um den Bauch im unteren Teil der Segel zu verstärken, war sowohl in der Fock als auch im Großsegel je ein Abnäher angebracht. Aluminiumbäume aus Gardinenschienen und ein Waagebalken-Niederholer sind auf den Fotos gut zu erkennen. Fock und Groß werden über eine Winde bedient, aber die Fock kann noch getrennt dichter geholt werden. Das geschieht über den Block, der vor der Luke an Deck liegt. In der Luke ist rechts die Rudermaschine dafür zu sehen. In der Mitte ist die Maschine für die Ruderbetätigung und links eine weitere Rudermaschine zur Zwangsführung des Fockbaumes bei achterlichem Wind. Die zwei Schnüre, die von dem doppelarmigen Hebel nach vorne führen, treten etwas vor dem Mast durch das Deck zu dem Beschlag am Fock-Fußpunkt. An diesem etwas pfeilförmigen Beschlag sind rechts und links Rollen, über die die Schnüre laufen und in der Mitte an einer Feder zusammentreffen. Von der Feder führt eine einstellbare Schnur zum Fockbaum. Neutral liegt die Feder in der Mitte und bei Betätigung der Rudermaschine wird sie nach Backbord oder Steuerbord gezogen und lässt dadurch den Fockbaum entsprechend ausschlagen. Ob dieser Aufwand notwendig ist, wird sich jetzt manch einer fragen. Für Pierre Jahan hat er sich offensichtlich gelohnt. Und das bisschen Glück, das man immer braucht, hatte er auch. In Mailand bei der WM gab es nur wenig Wind und dafür ist dieses Boot speziell gebaut.

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logosmOriginal erschienen in der Zeitschrift Schiffsmodell  des Neckar-Verlags 6/1978 Autor:F.K.Ries. Sollten hiermit irgendwelche Rechte verletzt werden bitte melden. Ich werde dann den Artikel sofort entfernen.

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