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Original erschienen in der Zeitschrift Yacht 40/1936 Autor: Paul Krüger. Sollten hiermit irgendwelche Rechte verletzt werden bitte melden. Ich werde dann den Artikel sofort entfernen.

Zum ersten Male in der Geschichte dieser Pokal-Wettfahrten trat in diesem Jahre England als Herausforderer auf, nachdem im Vorjahre zum ersten Male ein ausländisches Boot gesiegt hatte, nämlich Norwegen. Da letzteres keinen geeigneten Teich zur Verfügung hatte, wurden die disjährigen Wettfahrten wieder in England gestartet. Neben Norwegen als Verteidiger hatten England, Frankreich, die Vereinigten Staaten von Nordamerika und Deutschland Herausforderungen erlassen.

Sämtliche gemeldeten Nationen erfüllten ihre Meldungen. England hatte wieder den Vorteil, seinen Herausforderer auf dem Gewässer auswählen zu können, auf dem die internationalen Regatten kurz nach den Auswahlrennen stattfanden. 27 Yachten der internationalen Modell-A-Klasse stellten sich dem Starter, in viertägigem Kampf wurden die acht besten ausgewählt, die an zwei weiteren Tagen um die britische Meisterschaft und um die Ehre, gegen die anderen Nationen anzutreten, segelten. Von der Flaute bis zum starken Wind waren alle Wetterlagen vertreten. Erst die beiden letzten Tage brachten viel Wind, so dass die Schwerwetterboote zuletzt im Vorteil waren. Das Gosport-Boot „Lady Nell" blieb Sieger. Amerikas Auswahlrennen brachten den Sieg des Leichtwetterbootes „Blue Chip" aus Boston, welches gute Schwerwetterboote ausschaltete. Der norwegische Verteidiger „Prince Charming II" war dasselbe Boot, welches im Vorjahre den Sieg errang und den „Yachting-Monthly"-Pokal erstmalig entführte. Es zeigte sich von der besten Seite bei leichter bis Mittelbrise. Als gutes Mittelwetterboot zeigte sich das Pariser Boot „Altair", dessen Segler ein alter Seemann ist. Deutschlands Herausforderer war der diesjährige Martens-Neubau „Germania", Herrn Dr. Albrecht, Hamburg, gehörig, der von Hans Siemsen, Hamburg, gesegelt wurde.

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Auch die Pokal-Wettfahrten brachten alle Windstärken, so dass kein Boot bevorzugt oder benachteiligt wurde. Allerdings zeigte sich, dass das neuartige Windruder im Vorjahre erstmalig von dem Norweger gebraucht, diesem in diesem Jahre nicht erneut den Erfolg brachte. Auch „Germania" war mit diesem Windruder ausgerüstet. Während die anderen Boote mit dem altbewährten „Braine"-Ruder besonders vor dem Wind und ohne Rudereinstellung beim Kreuzen erfolgreich waren, zeigte das Windruder des Norwegers seine besten Seiten eigentlich nur, wenn möglichst lange Schläge am Wind zu segeln waren. Bei der „Germania" war das Windruder noch nicht auf der Höhe des Norwegers, auch fehlte unserem Segler die jahrelange Erfahrung mit diesem Gerät. Hinzu kam, dass das deutsche Boot trotz seiner anerkannt guten Linien zu solid und schwer gebaut war, so dass es immer einen kleineren Satz Segel als die anderen Teilnehmer führen musste. Trotzdem zeigte es sich, dass  „Germania", besonders bei leichterem Winde, sobald das Luftruder nicht versagte, gut mit den anderen Booten schritt halten konnte und dann meist nur ganz knapp geschlagen wurde.

Das Endergebnis der Wettfahrten von 6. bis 8. August war schließlich folgendes:

 

England mit „Lady Nell"

104

Punkte

 

Norwegen mit „Prince Charming II"

83

   "

 

Frankreich mit „Altair"

76

   "

 

U.S.A. mit „Blue Chip"

72

   "

 

Deutschland mit "Germania"

15

   "

Norwegen geann die größte Anzahl Läufe am Winde = 21, während England die größte Anzahl der Läufe vor dem Winde = 20 gewann. Den Pokal für den schnellsten Lauf vor dem Wind gewann „Blue Chip", Amerika, vor „Altair", Frankreich. Der in zwei Läufen ausgesegelte Kampf auf offenem Wasser wurde von Norwegen vor U.S.A. gewonnen.

So ungünstig das Ergebnis für Deutschland auf den ersten Blick erscheint, so darf doch gesagt werden, dass wir den Vorsprung des Auslandes in der Konstruktion fast aufgeholt haben. Nur müssen wir leichter bauen und noch mehr segeln, um die letzten Feinheiten zu erfassen. Und dazu gehören nicht zuletzt geeignete Teiche, die uns leider noch immer fehlen.

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