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Der Malta-Trip - Eine lohnende Erfahrung.

Vier Mitglieder des Modellbauclubs Köln-Rodenkirchen / DSV folgten Ende Dezember 1996 einer Einladung zur Teilnahme an der internationalen offenen maltesischen 1-m-Meisterschaft. Es war ein Kurzurlaub bei sommerlichem Wetter unter idealen Modellsegel-Bedingungen. Mit einem Teil der Weltelite der 1 m-Segler als Konkurrenz war es auch eine empfehlenswerte Erfahrung.

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Angefangen hat die Sache damit, daß irgendwann im Spätsommer unser Günter, von dem ich schon seit langem behaupte, daß es kaum einen gibt, den er und der ihn nicht kennt, uns erzählte, er hätte über seinen englischen Kanal gehört, daß kurz vor Weihnachten in Malta eine internationale 1 m-Regatta in Kombination mit der offenen Malteser Meisterschaft stattfinden solle.

Nun habe er mittlerweile auch eine Einladung dazu erhalten, die näheren Unterlagen und die Ausschreibung seien schon zu ihm unterwegs, und wir sollten uns doch einmal überlegen, ob wir nicht daran teilnehmen wollten.

Nun liegt Malta als ein Ferienziel unzweifelhaft im Mittelmeer, aber als Regattaort zumindest für uns je nach Ambitionen entweder nördlich vom Polarkreis oder südlich vom Äquator - also für eine Dreitages-Regatta in unendlich weiter Entfernung! Das Ganze wurde zunächst mal als utopisch abgehakt, bis später die Frage aufkam: Warum eigentlich nicht?

Darauf wußte dann niemand mehr eine Antwort, die Sache wurde publik gemacht, und spontan fanden sich vier Mitglieder des Modellbauclub Rodenkirchen, die zusammen mit den Ehefrauen bereit waren, ein paar Tage vor Weihnachten eine Woche Kurzurlaub mit einer Regattateilnahme zu verbinden. Schlußendlich machten sich G. Gödderz, H. Dombrowski, P. Scheerer und meine Wenigkeit zusammen mit ihren Ehefrauen auf den Weg.

Nach Anmeldung, der schnellen Bestätigung aus Malta, übermittelt mit der Freude über unser Interesse, und der Flug- und Hotelbuchung über ein normales Reisebüro war dann alles klar und damit auch der "point of no return" da, zumindest nicht ohne gewaltige Kosten und die entsprechende Blamage.

Noch nicht so ganz klar war allerdings, wie zum Beispiel ich, der ich normalerweise nur in der M-Klasse fahre und noch nie ein 1 m-Boot gesegelt habe, geschweige denn eines besitze, an einer internationalen Regatta teilnehmen kann. Ferner war noch unklar, wie man den Transport unserer Boote und vor allem der Segel ohne Beschädigung hinkriegen sollte.

Das erste Problem ließ sich einfach lösen, indem Günter sich anbot, mir aus seinem Fundus eine zwar für internationale Regatten bereits ausgemusterte „Fe-Fe" zu leihen, die sich aber zusammen mit noch neuen Segeln in einem äußerlich erstklassigen Zustand befand - innerlich übrigens auch, wie sich später noch mit den Ergebnissen beweisen läßt.

Das zweite Problem war zwar in der Lösung etwas umfang- und, soweit es die Air-Malta betrifft, vor allem versprechungs- und wortreicher, wurde dann aber auch gelöst. Allerdings nicht von denen, sondern von uns . . .

Hartmut, von dem ich schon seit 35 Jahren behaupte, daß es nichts gibt, was er nicht organisieren kann (und auch tut !), hatte für uns 1 m lange Sporttaschen beschafft, die mit Luftpolsterfolie ausgekleidet die Rümpfe und das Zubehör ohne Beschädigung nach Malta getragen haben - und zwar als Bordgepäck: Die Taschen passen ins Gepäck-Staufach im Flugzeug.

Die insgesamt 12 Satz Segel für vier Boote wurden mit der gleichen Luftpolsterfolie als Zwischenlage zu einem Paket mit starker Pappe als äußerem Schutz zusammengeschnürt und als „zerbrechlich" gekennzeichnet. Als „Sportgeräte" aufgegeben
(alle Betroffenen haben unser Riesenpaket für ein Surfbrett gehalten), wird so etwas von den meisten Fluglinien als zusätzliches kostenfreies "Sport-Gepäck" mitgenommen, man muß aber mit denen verhandeln.

Zwar gab es nichts, was die Air-Malta uns nicht vorher mehrmals in bezug auf Sonderbehandlung unseres Gepäcks etc. versprochen hätte, aber gehalten hat sie davon nichts! Beim Abflug in Düsseldorf wußte nämlich keiner etwas, aber nach dezenten, ruhigen (!) und überzeugenden Diskussionen wurde dann doch alles schaden- und letztendlich kostenfrei nach Malta geschafft. Nach 2 3/4 Stunden Flugzeit wurden wir bei strahlendem Sonnenschein vom maltesischen Club-Präsidenten bereits vor dem Zoll empfangen, und das war gut so, denn ohne seine Vorarbeit und das notwendige Bakschisch hätten die Herren mit den blauen Generals-Uniformen uns wohl nicht ohne Kontrolle und Formalitäten und sogar bereits mit den nötigen Papieren und vielen, vielen wichtigen Stempeln für den Rückflug versehen, einreisen lassen. Man wird bei solchen Sachen schnell daran erinnert, daß Malta deutlich südlich von Tunis liegt, also eigentlich schon zum Orient gehört.

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Das gesamte Regattageschehen sollte sich von der Terrasse eines Fünf-Sterne-Hotels aus abspielen, in einer ruhigen Bucht im Ortsteil St. Julians, in welchem auch am Donnerstagabend die Registrierung und für die Teilnehmer, Gäste und Offizielle der Eröffnungsempfang mit Getränken und kaltem Buffet stattfand. Ein vorbildlicher Rahmen.

Eine kalte Dusche bekamen wir allerdings, als wir die Teilnehmerliste sahen: Sechs englische Teilnehmer der Spitzenklasse, angeführt von Bantock und Corbett, ließen unsere Chancen auf ein paar vordere Plätze schwinden.

Neben weiteren Nennungen aus Gibraltar, Italien und Portugal kam etwa die Hälfte der restlichen 31 Teilnehmer aus Malta, die meisten waren ebenfalls hervorragende Segler, vor allem mit der entsprechenden Revierkenntnis, die sich später auch als vorteilhaft erwies !

Mit der Unterstützung einer wirklich hervorragenden Organisation wurden von freitags 9.00 Uhr bis sonntags 15.00 Uhr insgesamt 16 Durchgänge zu je 3 Gruppen zwar hart, teilweise sehr hart, aber immer regelgerecht nach dem EORS gesegelt.

Dieses System ist für uns ungewohnt und mit vielen, nach unserer jetzigen Erfahrung unbegründeten Vorurteilen behaftet, erscheint aber gerecht, da es jedem Teilnehmer in jedem Lauf die Möglichkeit gibt, sich unter realistischen Bedingungen wieder schnell nach vorne zu bringen. Er muß dann aber gegen alle Konkurrenten segeln. Das hat natürlich den Nachteil für den, der dann wirklich hinten am Ende eines Durchganges landen sollte, mit kräftigen Punktzuschlägen belastet zu werden.

1997_malta_3Wenn wie in Malta fair gesegelt wird und nur wenige Proteste, im ganzen drei, verhandelt werden müssen, fällt auch das vielzitierte Argument mit dem Zeitverlust zwischen den Läufen weg. Alle, die über EORS sprechen und darüber urteilen, sollten es einmal selbst probiert haben, bevor sie sich ein Urteil bilden. Wir haben es getan! Das Wetter war an allen drei Tagen geradezu ideal. Am Freitag blauer Himmel, nach einem fast windstillen Anfang 2-3 Windstärken, mittags in Böen bis 4, so daß praktisch nur mit Segelsatz 1 gefahren wurde, bei Temperaturen mittags um 30 Grad. Am Samstag bewölkt, warm und trocken, aber Wind 3-4, in Böen 5 und leichte Wellen, praktisch nur Segel 2-Wetter, aber abends im letzten Lauf war wieder Segel 1 angesagt. Am Sonntag herrschte bei blauem Himmel leichter Segel 1 -Wind, Wellen gab es nur von vorbeifahrenden undisziplinierten Sportbootfahrern. Das hörte aber schlagartig auf, nachdem die Hafenpolizei, von der Regattaleitung gerufen, dem Spuk ein radikales Ende machte.

1997_malta_4Gesegelt wurde unter Bedingungen, von denen wir nur träumen können: Die Hotelterrasse grenzt mit einer knapp einen Meter hohen Mauer ans Wasser und bietet als Urlaubshotel mit Tischen und Liegestühlen, einem outdoor-pool, Bar-Kiosk und Restaurant alles in 20m Entfernung, eine erstklassige Operationsbasis. Da die meisten auch in dem Hotel wohnten, waren auch keine langen Wege zu beklagen. Auch stand ein abgeschlossener Raum zur Verfügung, in dem wir alle unsere Boote aufgerüstet über Nacht abstellen und die Batterien laden konnten.

Zum Endergebnis ist zu sagen, daß die Engländer nach etwas zögerlichem Anfang dann aber um so konsequenter und professioneller die Führung übernahmen und nicht mehr abgaben. Es war eine Sache der offensichtlichen Routine, die man
nur durch dauerndes Training erlangt, aber auch eine Sache des gefahrenen Materials und der Vorbereitung. Die englische Gruppe war eine Klasse für sich. Selbstverständlich zählt auch hier die Einzelleistung, aber deutlich zu sehen und trotzdem regelkonform war deren Teamleistung: Man nahm sich nicht gegenseitig Vorteile weg, auch wenn die Regeln es zulassen und wie es sonst überall üblich ist, sondern sorgte, auch wenn es mal einen eigenen Platz kostete, dafür, daß der vorne liegende Kamerad auch vorne blieb! Wehe dem, der es wagte, in ihre Phalanx einzubrechen. Dann zeigte sich, wer die Regeln kannte, und zwar souverän und ohne das bei uns übliche Gebrüll und Diskutieren. Malta war die letzte Trainingsmöglichkeit für die Engländer vor der WM in Neuseeland, und die haben sie genutzt.

1997_malta_5Gewonnen hat natürlich G. Bantock, gefolgt von A. Corbett. Dritter war Micallef, ein hervorragend unauffällig segelnder Malteser mit Revierkenntnis und Zweiter der 95er Meisterschaff, Vierter der Portugiese Camilo, ein hervorragender Segler von der etwas „lautstärkeren" Art. Fünfter wurde der Malteser Bonello-Dupuis, amtierender Malta-Meister, ein guter und harter Segler, der konsequent seine Vorteile im Ausnutzen der Regeln suchte und auch fand, gefolgt vom Rest der englischen Mannschaft, unterbrochen nur auf dem achten Platz von C. Poulton, dem Club-Präsidenten der Malteser. Weitere Ergebnisse in
der Tabelle.

Unsere persönlichen anfänglichen Befürchtungen haben sich zum Glück nicht bewahrheitet, denn wir haben die Plätze 18 (Lipp), 21 (Gödderz), 23 (Scheerer) und 24 (Dombrowski) errungen, jedenfalls wesentlich mehr, als wir erhofft hatten in diesem wirklichen Weltklasse-Feld. Es hat sich trotzdem gelohnt, denn wir haben viel gelernt!

Mit einigen wenigen Ausnahmen, bei denen französische Boote zum Einsatz kamen, wurden, zwei meiner drei Kameraden eingeschlossen, ausnahmslos englische Boote allerletzter Konstruktion, vorwiegend aus dem Hause Bantock gefahren. Das gleiche gilt vor allem für die verwendeten Segel und die übrige Ausrüstung. Außer ein paar von Einheimischen gefahrenen Booten, die aber nicht über die hinteren Plätze hinauskamen, war die von mir gefahrene "FeFe", wohl die älteste Konstruktion unter den bekannten Booten, aber wohl nicht die schlechteste, denn am Skipper kann es nicht gelegen haben.

1997_malta_6Wenn man berücksichtigt, daß der ausrichtende Club erst 1995 gegründet wurde, ist die gebotene Leistung um so höher zu bewerten. Mein persönlicher Eindruck war der einer perfekten Organisation. Sicherlich ist immer noch etwas zu verbessern, aber man war bemüht, Schwächen zu erkennen und abzustellen. Jeden Abend hat man z. B. die Teamsprecher zu einem kleinen Meeting gebeten und nach Fehlern gefragt, die dann am nächsten Tag auch abgestellt waren. Gemessen an dem, was ich persönlich von M-Boot-Regatten gewöhnt bin, war a!les eine sehr angenehme Uberraschung. Es war wohl die ruhigste, ausgeglichenste und effizienteste Regatta, an der ich je teilgenommen habe.

Die Betreuung der Gäste war vorbildlich. Sicher etwas leichter und auch wichtiger in einem Land, welches überwiegend vom Tourismus lebt. So lud man zu einer Inselrundfahrt am Samstagabend ein, mit einem gemeinsamen (fürstlichen) Abendessen im königlichen Yachtclub auf historischem Grund und einem weiteren Empfang mit Bewirtung nach der Siegerehrung in festlichem Rahmen im Hotel am Sonntag.

Auffallend war der hohe Anteil von Jugendlichen unter den Seglern, die in der Mehrzahl durchaus konkurrenzfähig segelten. Der Modellyachtsport wird staatlich gefördert und unterstützt, der Minister für Kultur und Erziehung hat die Regatta eröffnet und nahm die Siegerehrung vor!

Wie wir inoffiziell gehört haben, planen die Malteser die Bewerbung um die Ausrichtung der nächsten WM für die 1 m-Klasse. Auf jeden Fall wird für 1997 wieder die gleiche Regatta ausgeschrieben werden, genauer Zeitpunkt und Ort liegen noch nicht fest.

logosmOriginal erschienen in der Zeitschrift Schiffsmodell  des Neckar-Verlags 5/1997 Autor:Heinrich Lipp.
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