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Original erschienen in der Zeitschrift Yacht 33/1929 Autor: Paul Krüger.
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Die internationalen Modellsegelwettfahrten in Gosport (England) am 3., 5. und 6. August 1929

Diese Wettfahrten der Internationalen Modell-A-Klasse um den "Yachting-Monthly" -Cup erfreuen sich einer von Jahr zu Jahr steigenden Beliebtheit bei den Modellsegelsport treibenden Nationen.

Während die ersten drei Jahre (1923 bis 1925) jeweils nur zwei Teilnehmer hatten, waren es 1926 bereits vier, 1927 und 1928 fünf Nationen.

In diesem Jahre waren Meldungen von sechs Ländern eingeangen. Der Rigaer Yacht-Club (Lettland) erschien leider nicht, dagegen hatten die anderen Länder aus den vorhandenen Yachten das jeweils beste Boot ausgewählt. So erschienen dann am Start:

Belgien mit "Hortensia III", Modell-Yacht-Club "Anvers", Frankreich mit "Argo II", Modell-Yacht-Club "Paris", die Vereinigten Staaten von Nordamerika mit "Bostonia III", Rhode Island Miniature Yacht Club, und Deutschland, welches Herrn E.Avenarius "Emmy" vom Modell-Yacht-Club "Berlin" und "Berliner Modellsegel-Club" als gutes Leicht- und Mittelwetterboot unter den im "Deutschen Segler-Bund" vorhandenen Modell-A-klassen-Yachten ausgewählt hatte.

1929_2Der britische Verteidiger wurde aus den 18 Yachten, die aus allen Teilen des Landes zu den Auswahlrennen erschienen waren, in viertägiger Wettfahrtreihe ermittelt. Hierbei zeigte sich "Albion" als bestes englisches Boot und vervollständigte somit die Liste der Teilnehmer.

Hatte in den letzten drei Jahren durchweg guter Mittelwind während der Rennen geherrscht, so frischte in diesem Jahr der Wind immer mehr auf, so daß die Modellyachten größtenteils das zweite oder gar dritte Stell Segel setzen mußten. Es herrschte richtiges "Gosport-Wetter"!

Hierbei fühlte sich der englische "Albion" in seinem Element und ging von Anfang an in Führung, während "Bostonia" (Amerika) den zweiten Platz belegte. Bei dem anfänglich herrschenden Mittelwind hielt sich die deutsche "Emmy", welche von dem Schiffsbauingenieur Emil Zwalgun (Berlin-Grünau) geführt wurde, auf einem guten dritten Platz.

Erst im Laufe des Nachmittags am zweiten Tage gelang es Frankreich mit "Argo II", bei dem härter werdenden Wind, Deutschlands Herausforderer "Emmy" zu überlaufen, während die belgische "Hortensia III" nie über den letzten Platz hinauskam. "Albion" hielt den Amerikaner stets im Schach; letzterer konnte ihm nie gefährlich werden. Nachdem in den beiden letzten Jahren die Yachten der Amerikaner nur um einen oder einige wenige Punkte von England geschlagen worden waren, hatte man in Amerika diesesmal große Hoffnung, endlich den wertvollen Pokal über den großen Teich zu entführen. Doch es sollte anders kommen. Mr. Daniels, seit über dreißig Jahren Modellyachtkonstrukteur, -erbauer und -segler, hatte sich selbst übertroffen und sein Meisterstück in "Albion" geschaffen. Das Boot segelte in dem schweren Wetter außerordentlich gut und lief eine sehr große Höhe, wie keine der anderen Yachten. Währenddem kämpften die anderen drei Yachten um die Plätze. Leider konnte der deutsche Segler, Herr Zwolgun, bei dem herrschenden Wetter sich nicht mehr verbessern, da Frankreich ein Schwerwetterboot geschickt hatte, während es bisher stets durch extreme Flautenläufer vertreten war. Auch der schon traditionelle Regen blieb am letzten Tage nicht aus, ohne jedoch die Windstärke herabmindern zu können, im Gegenteil.

Das Endergebnis der dreitägigen interessanten Wettfahrten war folgendes:

"Albion" (England) 150 Punkte
"Bostonia III" (Amerika) 123 Punkte
"Argo II" (Frankreich) 73 Punkte
"Emmy" (Deutschland) 53 Punkte
"Hortensia III" (Belgien) 51 Punkte

Somit bleibt der Pokal ein weiteres Jahr in England, wo er im nächsten Jahr erneut ausgesegelt wird.

Schwerer dagegen ist der Schlag für Amerika, dessen Herausforderer so groß geschlagen wurde.

1929_1

Wann wird den deutschen Modellseglern einmal ein derartig idealer Modellsegelteich wie in Gosport zur Verfügung stehen ? Der dortige ist etwa 250m lang und 80m breit und so frei gelegen, daß besonders die Winde aus dem Kanal ungehindert darüber streichen können. Dabei gibt es derartige Teiche in fast allen größeren und kleineren Städten in England. Weitere werden auch jetzt noch gebaut. Selbst in Amerika sind eine Anzahl derartiger Teiche fertiggestellt bzw. zurzeit im Bau. Der größte derselben ist in Washington, wo auch die amerikanischen Ausscheidungsrennen stattfanden, und hat eine Länge von ca. 500m bei ca. 50m Breite.

Nicht unerwähnt darf bleiben, daß auch in diesem Jahre wieder, wie bereits 1927, als Deutschland erstmalig zu den Wettfahrten nach England kam, der deutsche Vertreter außerordentlich liebenswürdig aufgenommen wurde.

{mospagebreak title=Emil Zwalgun schreibt ebenfalls im Jahrbuch des DSV von 1930}

1930_1Der Deutsche Segler-Bund in Gosport

Das größte modellsegelsportliche Ereignis im Jahre 1929 war die deutsche Beteiligung an den Internationalen Wettfahrten um den "Yachting Monthly" Cup am 3., 5. und 6. August in Gosport (England). Während 1927 Deutschland durch den Modell-Yacht-Club Berlin vertreten war, stand die letztjährige Beteiligung zum ersten Male unter dem Stander des Deutschen Segler-Bundes.

Als Herausforderungsboot wurde die Modellyacht "Emmy" ex "Berlin II" des Herrn Eduard Avenarius vom Modell-Yacht-Club Berlin und Berliner Modellsegel-Club auserwählt und Herrn Emil Zwalgun die Führung der Yacht übertragen.

Die Bedeutung Gosports für den gesamten deutschen Modellsegelsport besteht unzweifelhaft darin, daß wir eine Segelart dort kennen gelernt haben, die wir bisher in Deutschland nicht ausgeführt hatten. Während wir mit unseren bisherigen Booten nur Amwind- und Halbwind-Kurse gefahren hatten, segelt man in England und Amerika auch Vorwind- und Spinnackerkurse. Um nun Vorwindkurse mit Spinnacker segeln zu können, braucht man eine bis ins kleinste ausgetüftelte Steuervorrichtung, welche automatisch durch die Segel bedient wird.

Gosport bedeutet ferner für unseren Modellsegelsport, daß wir mit dem Ausland in Berührung gekommen sind. Wurde doch auf unsere Anregung hin der Internationale Verband gegründet. Der Verband hat sowohl einheitliche Regeln für die Konstruktion von Modellyachten als auch einheitliche Wettsegelbestimmungen aufgestellt.

Gosport hat nicht nur gezeigt, wie man auf andere Art segeln kann, sondern hat auch gelehrt, wie man Gäste aus dem Auslande behandelt. Wenn ich bedenke, wie überauß freundlich ich dort aufgenommen wurde und mit was für einem Entgegenkommen ich nicht nur von Beteiligten sondern auch von den sehr zahlreich erschienenen Zuschauern behandelt wurde, so muß ich dem allen meine größte Hochachtung entgegenbringen. Dieses freundliche Entgegenkommen zeigten auch die Beamten der Zoll- und Paßkontrolle sowie auch der Bahn, die mich hilfsbereit unterstützten, als sie hörten, daß ich zu den Modellsegelregatten fahre.

Wenn die deutsche Yacht "Emmy" dort nur den vierten Platz belegen konnte, so darf das für unseren Sport kein Grund sein, vor weiteren Beteiligungen zurückzuschrecken. Im Gegenteil heißt es jetzt, die gesammelten Erfahrungen auszuwerten, um den Vorsprung einzuholen, den England und Amerika in diesem für den Bund noch neuen Sportzweig haben.

Abgesehen, daß England und Amerika mit ihren besseren Segelbedingungen durch ihre herrlichen, eigens dazu geschaffenen Teiche, mit ihrem Segeln von Ufer zu Ufer bedeutend besser daran sind als wir, die wir leider auf offenem Wasser segeln müssen und nur mittels BEgleitboote an unsere Bootchen herankommen können, müssen wir doch alles versuchen, diesen großen Nachteil durch besonders fleißiges Segeln auszugleichen.

Größtes Ziel muß es daher sein, unter Heranziehung aller Kräfte Bootsmaterial zu schaffen, mit dem wir getrost das nächste Mal auf die Reise gehen können. Auch müßten die nötigen Mittel bereitgestellt werden, um weitere Herausforderungen nicht in Frage zu stellen.

Dankbar anerkennen möchte ich die weitgehende Förderung, die der Eigner der "Emmy" nicht nur den verschiedenen Expeditionen nach England, sondern dem deutschen Modellsegelsport überhaupt hat zuteil werden lassen.

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