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7442949402 df87ec0789_oAls wir 2011 zur A-Klassen-Meisterschaft in Fleetwood weilten, kam die Diskussion auf, ob nicht die englische Meisterschaft der M-Klasse auch einmal in Fleetwood stattfinden könnte. Nigel und Ich hatten sofort zugesagt, dass wir dann auf jeden Fall wieder kämen, aber die Kollegen aus England meinten, das wäre für sie nicht so interessant mit den kleinen M-Booten. Sie würden lieber mit den richtigen A-Klasse Booten segeln. Erstaunlicherweise hatten sie sich dann aber doch entschlossen, eine Meisterschaft mit den kleinen Booten in Fleetwood durchzuführen. Da war es natürlich, klar dass wir nach Fleetwood fahren, schon um dies als ultimativen Test für die kommende Weltmeisterschaft der Marblehead Klasse zu nutzen.

IMG 0043Die Veranstaltung fand vom Samstag den 23.06 - Sonntag den 24.06.2012 statt. Wir hatten uns schon am Freitag mit Brad Gibson zum Training verabredet und mussten daher bereits am Donnerstag losfahren. Leider blieb Nigel auf dem Heimweg von der Arbeit für einige Stunden im Stau stecken, und so konnten wir uns erst gegen 22:00 Uhr in Dortmund treffen, um dann gemeinsam weiter zu fahren. Wir nutzten die Nacht um durchzufahren (ca. 1300km) und kamen am Freitagmorgen reichlich erschöpft am Segelrevier in Fleetwood an. Schon unterwegs waren auf der Autobahn ständig Warnungen vor stürmischem Wind und der Regengischt aufgeleuchtet, aber vor Ort war es noch einmal eine Nummer toller. Der Wind blies mit Böen um die 40 Knoten und es regnete ständig. Der einzige, der jetzt schon trainierte, war der Amerikaner Jon Elmaleh. Wir waren müde und legten uns erst mal bis zum Mittag in die Koje. Als wir am Freitagmittag zum Training kamen, hatte der Wind noch einmal etwas zugelegt, und es war ständig am Regnen. Zunächst widmeten wir uns einmal dem heute durch Fleetwood reisenden Olympischen Feuer, das IMG 0057gestaltete sich wie ein großes Straßenfest und war sehr beeindruckend. Danach sollte es losgehen. Brad war schon am Aufriggen und der Amerikaner drehte als Erster eine Runde. Nach wenigen Minuten kann Jon mit gebrochenen Bäumen zurück ins Clubhaus und auch Brad mit dem C3 Rig (90cm) ging nur kurz raus, um dann wieder kopfschüttelnd zurück ins Clubhaus zu kommen. Wir warteten einige Stunden und gegen Abend drehte zumindest Brad noch einige Runden, aber uns war es einfach zu riskant schon im Training Bruch zu bekommen.

Am nächsten Morgen ging es dann aber richtig los mit der Veranstaltung. Es hatten über 30 Segler aus UK, GER, FRA, USA und ARG gemeldet. DIMG 0047ie Liste der Teilnehmer las sich wie das Who is who der RC-Segel-Szene. Bis zum 31en waren mir alle Namen aus früheren Berichten von Europa- und Weltmeisterschaften bekannt. Worauf hatten wir uns da nur eingelassen? Aber auch den anderen Seglern merkte man die Anspannung sofort an, zumal der Wind nach wie vor keinen Deut nachgelassen hatte. Es war also C3 oder bei manchen auch als B2 bezeichnet angesagt. Ich erinnere mich gut, dass Laurant Gerbaud ziemlich verzweifelt war, weil sein kleinstes Rig immer noch 1,30 groß war. Nicht jeder traut sich bei seinen Segeln die Schere anzusetzen und so musste er eben mit dem großen Rig zurechtkommen (hat mich leider ein Loch im Boot gekostet).

IMG 0002Das Hauptinteresse galt natürlich den Top Fahrern, die teilweise mit neuen oder aktualisierten Designs unterwegs waren. Um 18:00 Uhr und nach 11 Durchgängen Hochgeschwindigkeitssegeln (durchgehend mit dem kleinsten Rig) war das Rennen für den ersten Tag beendet. Brad Gibson hatte 9 der 11 Druchgänge mit seinem neuen Design der Grunge überlegen gewonnen. Knapp aber doch schon 20 Punkte dahinter Graham Bantock mit der Prime Number und Peter Stollery mit der Crazy Tube, die beide auf weniger Wind am nächsten Tag hofften. Brad hatte die 9 Läufe nicht nur gewonnen, sondern im Allgemeinen auch mit einem halben Schenkel Vorsprung. Auf den Plätzen dahinter folgten Rob Walsh (Starkers), John Tushingham (Starkers) und Martin Roberts (Starkers). Ich hatte mich sehr gut geschlagen und lag auf Platz 9. Nigel hatte in den letzten beiden Läufen Probleme mit seiner Winde bekommen und lag auf Platz 14. So fanden wir uns alle am Abend im Clubhaus ein, um den Erzählungen der anderen Skipper zu lauschen, das leckere Pie zu genießen und eifrig am Quiz des Präsidenten Derek Priestley teilzunehmen.

Am Sonntagmorgen hatte auch tatsächlich der Wind nachgelassen. Der erste A-Lauf wurde komplett mit A-Rig gestartet und alle hofften nun auf den Einbruch von Brad Gibson. Konnte ja nicht sein, dass der Kerl weiter derart überlegen vorne weg fuhr. Aber weit gefehlt, auch bei den schwächeren Winden am Sonntag war Brad Gibson nicht einmal annähernd zu schlagen. Zudem legte der Wind von Lauf zu Lauf wieder mehr zu. Ich musste an diesem Tag alle meine Rigs verwenden von A nach B nach C1 nach C2 nach C3 und zuletzt dann wieder B2.

IMG 0062Am Morgen hatte ich Probleme mit der Winde und dem Ruderservo. Wieder einmal musste ich lernen, dass man das nasse Boot nicht über Nacht im Auto liegen lässt, sondern mit ins Hotelzimmer nimmt, und alle Patches entfernt, damit das richtig austrocknet. Auch Nigel hatte allerhand Probleme in den ersten Läufen, sodass wir beide etwas zurückfielen. Dennoch konnten wir mit unseren Ergebnissen sehr zufrieden sein. Ganz im Gegensatz zu den Cracks auf den ersten 6 Plätzen. John hatte sich noch an Peter vorbei geschlichen, aber ansonsten blieb die Reihenfolge unverändert. Brad Gibson hatte die Regatta mit einem historischen Ergebnis und absolut überlegen gewonnen. Nach 18 Durchgängen und 3 Streichläufen inkl. eines 1. Platzes als Streicher hatte er nur noch erste Plätze also 15 Punkte als Ergebnis zu verzeichnen. Damit hatte er einige der Segler im Vorfeld der WM bereits desillusioniert.

IMG 0072Der besondere Dank von Brad galt vor allem seiner Lebensgefährtin Victoria, die so manches Mal Geduld beweisen musste, wenn er in der Küche an seinem Boot arbeitete. Daneben galt der Dank aller Teilnehmer Chris Harris, der zusammen mit dem Team aus Fleetwood die Regatta, unter teils schwierigen Bedingungen, wieder einmal exzellent durchgeführt hat.

Aus unserer Sicht war7442626590 863f92373b_oen die Gesamtergebnisse mit Rang 12 und 15 nicht ganz, was wir erhofft hatten. Die lange Anfahrt hat sich aber gelohnt, denn es war eine sehr gute Vorbereitung für die im Oktober folgende WM. Zwei Tage Segeln bei meist sehr starkem Wind und viel Welle im Salzwasser deckt gnadenlos die Schwachstellen am eigenen Material auf. Es sind genau diese technischen Ausfälle, die man sich auf den int. Regatten nicht erlauben darf, denn die Punkte für den verpassten Lauf und den Abstieg um eine Gruppe kann man oft nicht wieder wett machen.

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