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B8109386998 f2733f37e2_brad Gibson (GBR 42) errang den Weltmeistertitel in Frankreich ohne seinen Konkurrenten auch nur die geringste Chance zu lassen. Von 20 Durchgängen erreichte er mit seinem neuen Design, der „Grunge“, in 8 Läufen den ersten und in 4 Läufen den zweiten Platz. Am Ende gewann er mit 45 Punkten Vorsprung vor Graham Bantock (GBR 95) und Martin Roberts (GBR 55), dem bisherigen Weltmeister. Auf dem undankbaren 4. Platz landete der Franzose Christoph Boisnault (FRA 13). Die deutschen Teilnehmer dieser Weltmeisterschaft schlugen sich achtbar mit Platz 20 Nigel Winkley (GER 87), 22 Henning Faas (GER 68), 23 Gerhard Schmitt (GER 61), 35 Christian Neumeier (GER 336), 51 Klaus-Peter Schmitt (GER 603), 55 Dieter Junker (GER 152) und 62 Gerd John (GER 319). Insgesamt waren 68 Teilnehmer aus 12 Nationen zu dieser Weltmeisterschaft der Marblehead Klasse nach Frankreich gekommen.

Bericht von Christian Neumeier

Schuld an der ganzen Geschichte ist Gerhard Schmitt, der im Februar 2012 meinte: „Die WM in der Bretagne, das wär doch auch was für Dich!“. Ich, der Schönwetter- und Genusssegler, verneinte anfangs vehement, ausgerechnet in dieser stürmischen und kalten Gegend zu segeln, noch dazu Ende Oktober! Aber der Gedanke, mal die Profis aus der Nähe zu sehen, ließ mich nicht mehr los und so bewarb ich mich dafür, mitzufahren. Nach einigen Monaten kam dann tatsächlich das o.k. aus Frankreich und ich machte mir Gedanken, wie das Ganze zu organisieren sei. Eine enorme Hilfe bei der Vorbereitung war dabei das Training mit Graham Bantock in Mannheim, das Henning Faas mit großem Einsatz organisiert hatte. Danke Henning, ohne diese vier Tage hätte ich mich enorm blamiert! Wenn ich nur an das Gesicht von Graham bei unseren ersten Startversuchen denke, weiß ich, wie wichtig die Zeit in Mannheim war.

DSC 0309Im Oktober mietete ich einen VW-Bus und machte mit meiner Frau eine Rundreise durch die Bretagne – trotz durchwachsenen Wetters genossen wir die Reise sehr und kamen recht erholt nach Ploermel, dem Austragungsort der WM. Dort trafen wir auf Gerhard, Henning, Nigel, Klaus-Peter, Dieter und Gerd, sowie Thomy Blatter mit seinem silbernen Renn-Caravan. Die Vermessung verlief ohne Probleme, allerdings mussten Klaus-Peter und ich nach zwei Tagen unsere 3(!) –stellige Segelnummer auch noch in die Fock malen. Zum Glück passte meine Schablone für uns beide, und so waren die 5 Segelsätze nach einer Stunde verschönert.

Dann ging’s endlich los. Die Organisatoren hatten einen langen Steg in den See hinein gebaut, an dessen Ende ein Ponton befestigt war, auf dem Wettfahrtleitung und Segler versammelt waren. Dadurch konnte jeder alle Entscheidungen gut mitbekommen. Die Sicht auf den Kurs war durch die vielen Menschen aber stark eingeschränkt und die Langen waren durchaus im Vorteil. So kam es oft zu unangenehmem Gedränge, wenn man sich einen Platz mit besserer Sicht ergattern wollte. Beeindruckt hat mich sowohl der Startstellenleiter, der absolut souverän und unantastbar seine Entscheidungen traf, als auch die Ausstattung mit 3 Motorbooten. Er war damit in der Lage innerhalb von Minuten auf Winddreher zu reagieren und den Kurs komplett zu verlegen. Unterstützt wurde er von drei Umpires, die zusammen mit je einem Teilnehmer aus dem Feld Regelverstöße sofort ahndeten. Dieser Job war aber bei der Dichte des Feldes ausgesprochen schwierig, gerade an der Luvtonne, die aufgrund der Winddreher schwer anzufahren war, ergaben sich dermaßen viele Kontakte, dass man nicht alle erfassen konnte und so sank die Regelbeachtung durch die Teilnehmer im Lauf der Wettfahrten erheblich.

NDSC 0336igel, Henning und Gerhard hielten sich bei konstantem Wind wacker, konnten auch manchen Favoriten hinter sich lassen und fielen erst an den letzten beiden Tagen bei denen fast ohne Wind gesegelt wurde, zurück. Klaus-Peter hatte sich sehr gut vorbereitet, gewann auch oft souverän einen Lauf, sodass er in die nächste Gruppe aufsteigen konnte, hatte aber im Folgelauf häufig Pech, der erneute Abstieg folgte. Dieter, Gerd und ich erkannten bei unserer ersten großen internationalen Regatta im Lauf der Zeit immer mehr unsere Grenzen – war man am Start gut dabei, was bei, für uns ungewohnten 22 Startern, nicht einfach war, hatte sich auch noch gut um die Luvtonne gemogelt und war nach einer Runde sogar auf Aufstiegskurs, so konnte ein falscher Schlag oder auch nur schlechte Sicht auf der Zielkreuz auch durchaus noch den Abstieg bedeuten.

Die Leistungsdichte des Feldes war enorm, aber genau das war es ja gewesen, was wir hier erleben wollten – und wenn man neben Martin Roberts oder Brad Gibson startet, kann es einem im Magen schon mal flau werden.

Souverän segelte vor allem Brad Gibson, der mit seiner Grunge alle in Grund und Boden fuhr, und, sich seines Könnens und seiner IMG 1949Geschwindigkeit bewusst, sehr defensiv einen Sieg nach dem anderen holte. Ich habe selten jemanden dermaßen sauber segeln gesehen. Graham Bantock war schlussendlich wahrscheinlich über seinen 2. Platz gar nicht so unglücklich, Martin Roberts als dritter wurde nach nicht ganz so gelungenem Auftakt zum Schluss immer stärker und konnte Christophe Boisnault noch auf den vierten Platz verdrängen. Fasziniert hat mich auch die Stärke der Engländer und Franzosen. Vor allem in der Gruppe A, in der ich auch manchmal zu schiedsrichtern hatte, war es ein Erlebnis, die Starts und die Bootsbeherrschung dieser Leute zu beobachten.

Die Stimmung im deutsch-schweizerischen Lager war gut, manchmal durch Regenwetter oder nicht ganz so gelungene Fahrleistungen etwas gedämpft. Es gelang uns aber immer wieder, morgens mehr oder weniger fit und konzentriert an den Start zu gehen, sogar nach der so genannten „ Nacht des Excalibur“, einem gemeinsamen Abendessen mit den Engländern und Niederländern in einer Ploermeler Kneipe.
Ich habe mich in Frankreich sehr wohl gefühlt, es war schön, Segler anderer Nationen zu treffen und ich habe, glaube ich, viel gelernt. Sollte ich noch mal die Möglichkeit zu einer WM-Teilnahme sehen, werde ich das auf jeden Fall versuchen. Ich werde vorher aber mehr trainieren, nicht das ganze Jahr mit einem neuen Boot fahren um dann doch das Alte mitzunehmen und dieses auch vorher genauer auf technische Mängel überprüfen.

Kommentar von Henning Faas

P1040407Für mich war die Weltmeisterschaft ein prägendes Erlebnis. Ich hatte mich sorgfältig und rund ein Jahr lang auf dieses Event vorbereitet und konnte zumindest unter konstanten Windbedingungen mehr als mein Ziel (unter die ersten 20) erreichen. Die Reise und die Tage mit dem Deutschen/Schweizer Team waren ein Erlebnis der besonderen Art, an das ich oft zurück denke. Aber auch seglerisch war es ein bis heute noch nicht ganz verarbeitetes Erlebnis bei einer Weltmeisterschaft dabei zu sein.

Bei allen Erfolgen fragt man sich natürlich trotzdem immer, was hätte man besser machen sollen. Nun, es ist gar nicht so viel was ich beim nächsten Mal besser machen würde. Es hat sich gezeigt, dass so eine Veranstaltung vor allem mental eine extreme Belastung darstellt. D.h. beim nächsten Mal 1-2 Tage früher Urlaub nehmen, damit man nicht direkt aus dem Arbeitsstress zur Veranstaltung hetzt. Die Unterkunft sollte P1040445möglichst optimal gewählt werden, damit hier kein zusätzlicher Stress entsteht (was bringt es, da dran zu sparen, wenn man doch in Summe rund 1000 Euro für Reise usw. investiert). Vor allem zur Mitte der Veranstaltung sollte man sich auch etwas Ruhe gönnen, damit man an den letzten Tagen top fit ins Rennen geht. Ganz wichtig auch die richtige Kleidung und vermeide „rubbish starts“.

Die holländischen Kollegen haben angekündigt, 2014 erneut eine WM in der Marblehead Klasse durchführen zu wollen. Also beginnt eigentlich schon jetzt die Vorbereitungszeit. Daneben hoffe ich, dass es auch uns in Deutschland gelingt einmal solch eine Veranstaltung durchzuziehen.

Kommentar von Nigel Winkley

Mir bleibt die WM in Ploermel insgesamt in guter Erinnerung. Es war toll, viele Segler aus Europa wiederzusehen und neue kennenzulernen. Die Vorbereitung mit Henning in Fleetwood und Gouda hat sich auf jeden Fall bezahlt gemacht. Es ist für mich deutlich geworden, dass unter den Top 10 auch nur mit Wasser gekocht wird. Wichtig ist es vom ersten Einteilungslauf an bei der Musik zu sein. Es war interessant zu erleben, wie nach 2 Tagen mit einer Gesamtplatzierung unter den ersten 5, man plötzlich von vielen angesprochen wird, und die Segler anfangen, um das Boot herumzuschleichen.

P1060768 CopierEiniges würde ich aber bei der nächsten Teilnahme an einer int. Regatta über so lange Zeit anders machen. Wie Henning würde ich eine andere Unterkunft wählen. Die Unterbringung im Ferienhaus hatte Vor- und Nachteile. Für mich überwogen allerdings die Nachteile, so dass ich beim nächsten Mal sicherlich ein Hotel vorziehen würde, um bzgl. Essen etc. den Kopf frei zu haben.

Das eingesetzte Material war sicherlich sehr gut, wenn auch das neue Boot von Brad Gibson zeigt, dass bei den bereits sehr weit entwickelten M-Booten noch Raum für Verbesserung besteht. Andererseits zeigt das Ergebnis von Martin Roberts mit seiner 7 Jahre alten Starkers, dass man sich hinsichtlich des Materials auch nicht verrückt machen darf. Gern wird die Starkers insbesondere mit Segeln von Housemartin als wenig konkurrenzfähig bei leichtem Wind abgestempelt. Martin hatte einige seiner besten Ergebnisse bei Windbedingungen die so schwach waren, dass wir in Deutschland den Lauf gar nicht erst starten würden.

Bedingt durch die vielen Teilnehmer und daraus resultierenden 5 Gruppen verbringt man viel Zeit mit warten. Die größte Herausforderung ist dann auf den Punkt bei jedem Start den man fahren muss konzentriert, selbstsicher und voll dabei zu sein. Die

Ergebnisse der letzten drei Tage und das daraus resultierende Gesamtergebnis zeigen deutlich wo das Verbesserungspotential liegt. Aufgrund der Windbedingungen wurde der freie Tag zur Mitte der Regatta leider gestrichen. Dies war zwar für alle gleich, aber ein halber Tag Pause wäre nach 4 langen Segeltagen sehr willkommen gewesen.
Insgesamt hat sich die zeitliche und finanzielle Investition aber ohne Wenn und Aber gelohnt!

Kommentar von  Dieter Junker

Für mich war die Weltmeisterschaft ebenso wie für Henning ein Erlebnis der ganz besonderen Art. Ich denke heute noch an einzelne Läufe und Begebenheiten obwohl es schon eine ganze Weile her ist. Ich hatte bis kurz vor der WM noch stark gezweifelt, ob ich teilnehmen soll. Ich war der Meinung, noch nicht gut genug für so eine Regatta zu sein, trotz der aufmunternden Worte von Henning und dem Training mit Bantock in Mannheim, hatte ich starke Zweifel. Aber Kneifen gab es nicht mehr, also mein oberstes Ziel bloß nicht letzter werden!
Die Anreise im Wohnmobil war anstrengend, das Highlight der Fahrt, die Brücke von Lehavre für jemanden der Höhenangst hat ein unvergessliches Erlebnis. Aber endlich angekommen, Wohnmobil nahe dem Regattabereich geparkt und die Boote vermessen lassen.
Dann ging es los: Alles was Rang und Namen hat, läuft dir kreuz und quer über den Weg, all die großen Segler die ich nur aus dem Internet kannte, stehen auf einmal vor Dir oder neben Dir. Ich würde Lügen, wenn ich sagen würde, dass mich das nicht nervös gemacht hat. Auch wenn ich immer wieder sage: Die segeln auch nur mit Wind.

Pont de_Normandie_2008Dann ging es los, die Einteilungsläufe begannen, ich habe es in die C-Gruppe geschafft und war ganz zufrieden. Doch ich war doch sehr überrascht, wie gesegelt wurde. Ein Beispiel: 20 Sekunden vor dem Start war an der Startlinie noch kein Boot in Stellung gegangen, außer meins, aber 10 Sekunden vor Start war plötzlich kein Platz mehr an der Starlinie da standen sie aufgereiht wie eine Perlenkette. Es hat einige Läufe gedauert, bis ich mich damit zurecht gefunden hatte und mein Boot auch erst die letzten 10-15 Sekunden vorher an die Linie brachte, um den Startplatz zu verteidigen. Ich persönlich empfand das Segeln, bis hinunter in die E-Gruppe und wieder hoch in die C-Gruppe, als sehr fair. Die Leistungen der Schiedsrichter waren, was mich betraf, teilweise Grotten schlecht. Ich musste mehr als einmal kringeln, obwohl ich Wegerechtsboot war, was den Abstieg oder zumindest den Aufstieg verhinderte.

Mein Fazit: Beim nächsten Mal, sollte ich noch einmal an einer WM teilnehmen können, bin ich besser vorbereitet. Ich kenne den Ablauf und werde bestimmt nicht mehr so nervös sein, wenn Spitzen-Segler neben mir stehen. Ich glaube, dass ich viel gelernt habe, was die Feinheiten des Segelns angeht. Was auch ein Verdienst der anderen deutschen WM -eilnehmer ist. Wir haben viel geredet und einander bei Problemen, sei es der Trimm oder kleinere Reparaturen, geholfen. Allerdings werde ich keine Woche mehr im Wohnmobil so eine Regatta bestreiten, die Stimmung war durch gegenseitige Rücksichtsname und Freundschaft gut, aber der Weg zur Dusche und der Toilette doch ziemlich nass und kalt.

Hier die gesamten Ergebnisse

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