Drucken

Versuch einer Analyse von GER 61

Außer Spesen nichts gewesen?
An was lag das „schlechte" Ergebnis der deutschen Teilnehmer?

Vorweg:

Meine nachfolgenden Analyseversuche sind subjektiv und erheben nicht den Anspruch in allen Punkten mit den Ansichten der übrigen Teilnehmer überein zu stimmen. Vor allem bitte ich, meine Ausführungen nicht als Entschuldigungsversuch anzusehen, bei dem Ergebnis gibt es keine Entschuldigung mehr, allerdings auch nichts anzuklagen.

Zuerst an was es nicht lag :

An was lag denn dann unser „schlechtes" Ergebnis???

Aber auch all das alles ist noch keine zufrieden stellende Erklärung, deshalb:

Das war ein Vorgeschmack auf die eigentliche Regatta und dort war es auch nur wenig besser.

Verdammt, immer noch keine brauchbare Begründung für unser Abschneiden. Ehrlich gesagt, ich tu mich da auch ein wenig schwer. Wenn nur Einer von uns, von mir aus ich, schlecht gewesen  wäre, dann könnte man meinen, der war außer Form, hatte viel Pech, Boot war nicht gut oder was auch immer. Aber alle 5 !?!?

Bevor ich jetzt in der Kritik massiver werde und in Einzelbetrachtung gehe, vorweg:

Unter allerbesten Bedingungen (optimaler Trimm, beste persönliche Form etc.), hätte jeder von uns auch 10-20 Plätze weiter vorne sein können. Bei der nahe beieinander liegenden Leistungsdichte von Platz 20-70 wäre das nicht unmöglich gewesen. Aber auch das ist noch weit weg von Vorne !!!

Apropos Leistungsdichte: Wenn ich mir die ersten 10, vielleicht sogar bis 20, anschaue, da kann Jeder Jeden schlagen und zwischen 20 und 70 ist das nicht viel anders.

Zwei Beispiele aus dem WM-Verlauf:

Im vorletzten Lauf war der potenzielle Anwärter auf Platz 1, Martin Roberts, GBR 22; überlegen und souverän Erster. Im Lauf darauf, nach nicht so gutem Start, gleicher Wind, gleiches Boot, wahrscheinlich gleicher Trimm, gleicher Skipper, war er mit Platz 15 auf einem Abstiegsplatz ( GBR 22 hatte übrigens die meisten 1. Plätze).

Graham Bantock, GBR 95, vielfacher Weltmeister aller RC-Klassen, war mehrmals in C und hatte über mehrere Läufe Probleme wieder aufzusteigen, kämpfte also zu dieser Zeit zwischen Platz 30 und 40 .

Jetzt zur massiveren Kritik :

Endlich zur Einzelbetrachtung:

GER 09, Michael Scharmer, 38. Platz

Licht und Schatten wechselten sich ab. Der 4. Platzierte bei der WM in Spanien tat sich für seine Verhältnisse schwer. War sein damaliges Boot schneller? Auf jeden Fall muss es verlässlicher gewesen sein, denn er hatte manches technische Problem. Wenn Boot und Skipper optimal zusammen kamen, war vom Potenzial her Gruppe A und B nicht unerreichbar, nicht zuletzt hat M. das am 3. Tag in Hohenlockstedt gezeigt, wo er Ian Vickers , dem 9. in Marseille, durchaus ebenbürtig war. Die Umpires haben ihn manchmal auch aus dem Konzept gebracht, den Rest hat er sich im Ärger dann selbst gegeben. Seine eigene Einschätzung, international nicht mit den Besten mithalten zu können, teile ich nicht, vorausgesetzt, sein Boot ist optimal in Schuss, er glaubt an sich und seine Möglichkeiten und denkt positiv.                              

GER 165, Stefan Kreiss, 57. Platz

Stefans Celon ist  eigentlich ein sehr schnelles Boot mit dem m.E. besten Wellenbild und das drückt sich letztlich im Geschwindigkeitspotenzial aus. Aber auch er hatte viele hausgemachte Probleme, den Rest gaben ihm die Gegner. Da zeigt sich,  dass ein Holzboot im rauen Alltagsbetrieb und bei dem Stil der Mitbewerber nicht die ultima ratio darstellt. Ein Riss am Kielansatz und mehrere verbratene Winschen und Servos sind nicht gerade förderlich für ein gutes Ergebnis. Wenn es lief, bestand durchaus Hoffnung auf ein Herauskommen aus dem Keller, die durch die vorgenannten Probleme aber schnell wieder verflog. Sorgen um die Gesundheit der Tochter sind der Konzentration auf WM-Segeln auch nicht besonders zuträglich.

GER 60, Dieter Lagemann, 60. Platz

Dieter fühlte sich hinsichtlich Ergebnis seiner Segelnummer verpflichtet .Bei ihm gilt eventuell das Argument der mangelnden internationalen Erfahrung, da er erst seit 3 Jahren RC segelt. Sein Scharmer-Boot kann geschwindigkeitsmäßig problemlos international mithalten, er war aber mit seinem inzwischen weich gewordenen Holzmast und den daraus resultierenden nicht mehr optimalen Trimmmöglichkeiten nicht zufrieden .Zu oft geriet auch er nach zu zögerlichem Start in den großen Pulk und dort in die „Klauen" der anfangs zitierten CRO 36 oder BRA 05, die ihn „erfolgreich" an einem besseren Ergebnis hinderten. So pendelte auch er unverdrossen stets zwischen D und E.

GER 61, Gerhard Schmitt, 65. Platz

Sorry, wenn ich über mich etwas mehr schreibe, aber das selbst Erlebte und Durchlittene prägt sich halt am stärksten ein.

Im sehr entscheidenden Einteilungslauf gut dabei. Vor der letzten Kreuz auf Platz 5, da kann man schon auf Gruppe B schielen, wenn einem da die schon mehrmals erwähnte BRA 05 nicht völlig unversehens und mit voller Wucht ins Boot fahren und dabei aufspiessen würde. Die Forderung nach sofortigem Kringel hat er sehr genau genommen und deshalb ohne sich frei zu segeln direkt vor mir damit angefangen. Also Platz 14, Wiedergutmachung verlangt, diese mit 8 Punkten auch einigermaßen bekommen, aber trotzdem Einteilung in Gruppe E. Das wäre so im Einteilungslauf gemäß den Regeln. Ich möchte nicht behaupten, mich lange in B hätte halten können, aber bei dieser Leistungsdichte aus E herauszukommen ist schwerer als sich in B wenigstens für einige Zeit zu halten und nach B wäre erst noch C und D gekommen.

Sage und schreibe ein Mal habe ich es dann doch bis C geschafft. Das wollte der übereifrige und total überforderte kroatische Schiedsrichter nicht und nach seinem wirklich krassen Fehlurteil befand ich mich wieder in D. In D war ich einige Mal, immer mit der Hoffnung auf Besserung, da wurde ich wiederholt durch Neueinteilung der Gruppen (???)nach Ausfall von Seglern  in oberen Gruppen (???) wieder in E zwangsversetzt. Bernadette, eine der Oberschiedsrichter, erklärte mir die Richtigkeit solcher Maßnahmen, verstanden habe ich es trotzdem nicht. So was tut der ohnehin geschundenen Seglerseele wahrlich gut.

Für Marseille und die dort zu erwartenden gleichmäßig starken Winde hat man zum M-Boot genügend Segelvarianten. Bei IOM dagegen ist der Sprung von Segel 1 (A) zu Segel 2 (B) extrem groß und so war meine Überlegung, für die dortigen Verhältnisse ein flacher geschnittenes großes Rigg zu bauen. Probiert wurde das Rigg bei der DM in Hohenlockstedt und zeigte sich dort eigentlich als Flop. Anstatt aber das zu tun, was ich jedem Anderen geraten hätte, nämlich nach dieser Erfahrung auf das bewährte alte Rigg zurückzugreifen, „betete" ich das neue Rigg für Marseille gesund, denn dort wird sich der Wind schon nach meinem Rigg richten. Dieser war aber nicht sehr gleichmäßig, sondern sehr kapriziös, d.h. es wäre angebracht gewesen, ein Stell zu haben, das leicht und schnell anspringt, nicht zuletzt, um in der sehr entscheidenden Phase nach dem Start rasch los und frei zu kommen.

Weitere Erfahrungen:                       

Bei der RL-Regatta am 27.10. in München fuhr ich mein altes Rigg und versuchte, die Erfahrungen von Marseille hinsichtlich Trimm in die Tat umzusetzen und hatte das Gefühl ein ganz anderes Boot zu haben.

Richtig wohlgesonnener Leser dieser Zeilen: Dummheit gehört bestraft !

Trotzdem, auch bei optimalem Bootstrimm wären in Marseille höchstens Plätze zwischen 20 und 40 drin gewesen, ich bin so unbescheiden, denn dort tummeln sich Leute wie GBR 20, FRAU 92, FRAU 44, CRO 68, NOR 147 mit denen man bei früheren Regatten schon mithalten konnte.

Bei Ambitionen auf noch bessere Plätze wäre aber nötig, sich die zitierte internationale Härte anzueignen, insbesondere was Startverhalten und Runden der Luvtonne anbelangt, um einfach durch mehr und härteres Üben bei konsequenter durchgeführten nationalen Regatten sicherer und besser im Segeln zu werden.

GER 114, Heinz Bohn, 66. Platz

Heinz und ich haben platzmäßig und auch so wie Schwefel und vor allem Pech zusammengehalten. Er hatte eine sehr zuverlässige Topiko im Einsatz, es erging ihm aber wie uns Anderen auch, die Grundgeschwindigkeit war da, aber es fehlte das leichte und schnelle Anspringen am Start und nach Flaute an der Luvtonne (Abdeckung durch ein großes Zirkuszelt mit Anbauten zum Unterbringen der Boote direkt in der Windeintrittsschneisse bei Ostwind).

Um mich nicht zu wiederholen, verweise ich auf das oben Gesagte hinsichtlich unserer chaotischen Freunde in Gruppe E, aber auch zur internationalen Härte und nicht zuletzt auf besseres Segeln durch mehr  knallhart und regelgerecht durchgeführte Regatten in starken nationalen A-Flotten, die einen fordern und damit fördern.

Stichwortartig noch ein paar Schlussbemerkungen aus der Szene:

Eine Erkenntnis habe ich noch:

IOM ist die schwierigste der 3 Klassen IOM-M-10R in puncto Bau, Trimm und Segeln. Wenn man da richtig gut sein will, müsste man sich viel mehr ausschließlich darauf konzentrieren. Da es aber eine Klasse ist, bei der Bauvorschriften die technischen Möglichkeiten nachteilig einschränken und deren Verhalten auf dem Wasser zickig ist, bleibe ich dabei:

M ist schöner und 10R erst recht.

Zugriffe: 6279