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Vom 21. April bis 4. Mai 2003 fanden in Österreich am Pichlingersee die 12. Weltmeisterschaften der Naviga-Modellsegler statt.

12. Naviga-WM der F5-Klassen

Das Gelände am Pichlingersee war bei einigen Teilnehmern schon von Freundschaftsregatten her bekannt. Der großzügig angelegte Kurs bietet viel Startmöglichkeiten und der Wind würde den Seglern wieder ihr ganzes Können abverlangen. Somit hatten sich die Organisatoren seinerzeit entschlossen, diese 12. WM in Österreich auszurichten.

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Franz Wolfinger übernahm die Aufgaben als Projektleiter, sein Sohn Manfred Wolfinger war für den technischen Bereich zuständig. Der HSV OÖ ist ein Heeressporiverein. Die Mannen der Sektion Segeln / Zillefahren hatten mit der Ausrichtung eine große Verantwortung übernommen. Leider war das Clubhaus im August 2002 durch das damalige Hochwasser meterhoch überflutet worden, Dreck und Unrat mussten mit großer Anstrengung beseitigt werden. Jetzt war nichts mehr davon zu spüren: Das Clubhaus war Anlaufstelle zum Registrieren und Vermessen von Boot und Segeln. Man stelle sich vor, dass ja alle Teilnehmer der drei Bootsklassen mit ca. 400 Satz Segeln und den dazu gehörigen Messbriefen kontrolliert, werden mussten. Dazu kamen auch noch die Teilnehmer aus China - hier waren die Übersetzer gefragt.

Insgesamt hatten 16 Nationen gemeldet: China, Polen. Ungarn, Schweiz, Tschechische Republik, Slowakei, Slowenien, Rumänien, Weißrussland, Ukraine, Italien, Frankreich, Schweden, Deutschland, USA und natürlich das Gastgeberland Österreich.

Aus Deutschland waren insgesamt 9 Segler für Starts in drei Klassen gemeldet.

Vor Startbeginn jeder Klasse fand eine offizielle Eröffnung am See statt. Ein besonders beeindruckendes Bild bot die Reihe von 83 Teilnehmern in der Klasse F5-M. Eine Gruppe Militärmusiker Spielte jeweils die Hymnen des Gastgeberlandes und der Naviga, dazu wurden die Fahnen aufgezogen.

In jeder Klasse starteten jeweils Junioren und Senioren zusammen, nur die Wertung erfolgte getrennt. Da die Bootskonstruktionen inzwischen praktisch alle gleichwertig sind. kam es vor allem auf das seglerische Können an. Dabei machte das Alter keinen Unterschied und einige Senioren mussten mit Erstaunen feststellen, dass die Junioren oft weit im Vorteil waren, und so mancher Segler wird wohl noch lange den Ruf ,Prrrrotest - Baackboord" im Ohr haben ... Aber Hermann Etzel verstand sich auf das Zähmen der jungen Wilden.

2003_navwm_2Nach Beendigung des Wettkampfes in der Klasse F5-E gab es einen Empfang beim Bürgermeister von Ennsdorf. Natürlich waren die Segler nicht mehr so ganz frisch und die Reden verlangten viel Aufmerksamkeit - es musste übersetzt werden. Aber bei der Siegerehrung und den Platzierungen wurden alle wieder wach. Aber bekanntlich kann ja nichts auf der Welt perfekt sein: Da standen die polnischen Junioren auf dem Treppchen, aber die Kassette mit ihrer Nationalhymne war daheim vergessen worden ... also sangen die Segler halt selbst und hinterließen bei allen Anwesenden einen besonderen Eindruck. Für die Mannschaft aus China war es nun natürlich Ehrensache, ebenfalls ihre Nationalhymne zu singen ... natürlich gab es dafür viel Beifall von den anwesenden Gästen.

Ergebnisse F5-E

(48 Starter)

Senioren
1. Wang Zheng China
2. Liang Yong China
3. Lin Yining China

16. H.Blessin GER
22. P.Gernert GER
24. M.Tangermann GER
31. H.Starklauf GER

Junioren
1. Jan Springer Polen
2. Zheug Ol China
3. Damian Damszk Polen

Nach Beendigung des Wettkampfes in der Klasse F5-M stand die Einladung aller Segler zum Landeshauptmann nach Linz auf dem Programm. Wir wurden mit dem Bus des Heeres abgeholt und zum Offizierscasino der Garnison geleitet. Es ging bei den Ansprachen sehr locker zu, obligatorische Ehrungen und besondere Auszeichnungen wurden vorgenommen. Höhepunkt war dann die Auszeichnung des Weltmeisters und der Bestplatzierten.

Ergebnisse F5-M

(83 Starter)

Senioren
1. Liang Yong China
2. Jlian Damaszk Polen
3. Jürgen Grammer AUT

5. Michael Seela GER
14. Peter Gernert GER
19. M.Tangermann GER
24. Adolf Roth GER
30. Hubert Blessin GER
33. Herbert Starklauf GER
38. Peter Nachreiner GER
51. K.-H. Lehndorf GER
53. Theo Rosendahl GER

Junioren
1. Jan Springer Polen
2. Damian Damaszk Polen
3. Jinjing Huan China

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Am Freitag, den 02.05.2003 waren die Segler der Klasse F5-10 wieder gefordert. Der Wind zeigte sich von der besten Seite und die 10er flitzten nur so. Am Samstag ging dann die WM mit der Kürung des neuen Weltmeisters Manfred Wolfinger zu Ende.

Ergebnisse F5-10R

(40 Starter)

Senioren
1. Manfred Woifinger AUT
2. Zhao Jinggiang China
3. Julian Damaszk Polen

7. Michael Seela GER
16. Hubert Blessin GER
31. Peter Gernert GER

Junioren
1. Lukasz Sokolowski Polen
2. Damian Damaszk Polen
3. Lukasz Kukowski Polen

2003_navwm_4Manfred Wolfinger hatte es geschafft. Für die Klasse F5-10R hatte er vorgesorgt und war von der Organisation der WM entbunden. So segelte er frei und machte dem Weltmeisterplatz alle Ehre. Seine Leute schnappten ihn und er ging im Pichlingersee zwar baden, aber er nicht unter ... Die Siegerehrung war ein krönender Abschluss der WM 2000. Ein riesengroßes Kompliment an den Veranstalter und allen Helfern ein herzliches Dankeschön für die gelungene WM.

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8/2003 Gerhard Schmitt

Internationale Freundschaft unter Modellseglern überwindet Verbandsquerelen

In der SchiffsModell 7/2003 erschien der Bericht von Anneliese Tangermann über die 12. Naviga-WM der F5- Klassen. Ohne diese engagierte Frau eines Modellyachtseglers und ohne unsere SchiffsModell wäre sonst diese Weltmeisterschaft, die vor den Toren Deutschlands am Pichlinger See bei Linz stattfand, nur ein paar wenigen Insidern bekannt gewesen.

Wer den Bericht aufmerksam liest, wird feststellen, dass die deutschen Teilnehmer fast ausnahmslos auf mittleren bis hinteren Plätzen ankamen. Sind die deutschen Modellyachtsegler wirklich so schlecht? Und wo waren die bekannten Segler und vielfachen Weltmeister aus England, Frankreich, Spanien oder Italien geblieben? Gibt es in Australien oder Neuseeland, den klassischen Segelnationen, denn keine Modellyachtsegler (mehr)? Die Antwort ist einfach: Wir Modellyachtsegler leisten uns zwei Weltverbände (frei nach dem Motto: „Was die Boxer können ...").

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Bei der Naviga mit Sitz in Wien sind neben Osterreich vor allem die Staaten aus dem früheren Ostblock sowie ein paar wenige westliche Länder vertreten. Bei der ISAF also dem Weltverband der ,,großen" Segler, sind die Modellyachtsegler der übrigen Länder bzw. Kontinente registriert. Darunter, das darf man ohne Überheblichkeit behaupten, befindet sich die Mehrzahl der Segler mit Spitzenniveau, auch die deutschen, die über den DSV (Deutscher Segler Verband) Mitglied sind. Die Naviga hat nun zur vergangenen WM angeboten, dass jeder Segler, der die Klassenbestimmungen einhält, zugelassen wird. Von ISAF-Seite aus wurde jedoch angedroht, diejenigen Mitglieder, die an der Naviga-WM teilnehmen würden, zukünftig zu sperren. Gerechterweise sei an das nauticus-Schreiben vom 22.03.94 an die Segelobleute erinnert, in dem die Zusammenarbeit mit dem DSV beendet wird. Die seinerzeit angeführten Gründe waren mehr als dürftig.

So geht also seitdem ein Riss durch die Welt der Modellyachtsegler und viele ernsthaft an diesem Modellsport Interessierte verstehen die Welt nicht mehr.

Aber wo Mauern gebaut werden, suchen Findige Schlupflöcher. So kam es, dass ich als deutsches ISAF-Mitglied mein 10R-Boot kurzfristig an meinen österreichischen Freund (und Naviga-Mitglied) Manfred Wolfinger verkaufte, da dieser kein solches Boot hatte, aber in dieser Klasse gerne starten wollte.

Auf der Basis einer guten persönlichen Freundschaft wurden so unsinnige Mauern zwischen den Verbänden zumindest ein wenig überwunden.

Eigentlich haben wir so gemeinsam Berge versetzt, denn das Naviga-Mitglied konnte mit dem gut präparierten ehemaligen ISAF-Boot die Weltmeisterschaft gewinnen. Die Leistung von Wolfinger ist besonders hoch einzuschätzen, denn er hatte das ihm unbekannte Boot nie zuvor gefahren, kannte das Verhalten der ihm ungewohnten Swing-Riggs nicht, musste sich mit einer ungewohnten Fernsteuerung und deren Mucken plagen und stand zudem noch seinem Vater, dem Hauptorganisator der WM, zur Seite. Die Leistung von Wolfinger und Boot überzeugten mich so sehr, dass ich die „Kiste" nach der WM sofort wieder zurückkaufte ...

Letztes Jahr nahm ich an der WM der M-Klasse des ISAF- Verbandes in Rimini teil. Das seglerische Niveau war dort extrem hoch, die Organisation des italienischen Clubs prima, die Örtlichkeiten phantastisch, aber die Regattaleitung, die Jury und die Observer waren eine einzige Katastrophe. Dagegen war die Naviga-WM in allen organisatorischen Belangen Extraklasse, Hermann Etzel mit Team als Regattaleiter um Welten besser als die Großsegel-Schiedsrichter der ISAF bei der WM in Rimini.

Aber leider fehlten in Österreich die weltbesten Segler wie Bantock, Beltri, Walicki usw.

J. Walicki, unser mehrmaliger Weltmeister und vielfacher Deutscher Meister, war indirekt aber auch gut vertreten, denn viele von ihm gebaute Boote fuhren unter chinesischer oder polnischer Flagge Spitzenplätze in den verschiedenen Klassen ein.

So gesehen funktioniert also eine weltumspannende Kameradschaft und Zusammenarbeit auf „unterer Ebene" und es bleibt zu hoffen, dass die Verbandshürden in einer zunehmend globaleren Welt auch bald überwunden werden. Fast alle aktiven Modellyachtsegler wünschen sich dies von Herzen!

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Das Siegerboot der 10R-Klasse ist übrigens eine Konstruktion des französischen Schiffsarchitekten (Groß- und Modellboote) Paul Lucas, eine „Viry-Easy". Lucas hat den Erstentwurf dieses Bootes schon 1991 in Viry-Chatillon in Frankreich zu WM-Ehren auf den ersten Platz gefahren - ein Beweis dafür, dass gute Konstruktionen oft zeitlos sind. Wer gute Augen hat, kann feststellen, wie sich Rennyachten der Großsegler, bis hin zur aktuellen ALlNGHl (America's-Cup-Gewinnerin), den Rissen angenähert haben, die gute Modellyachten schon seit Jahren haben. Das gilt insbesondere für das Unterwasserdesign, aber auch für die verwendeten Materialien für Rumpf und Mast.

Der Zweitplatzierte der WM, CHN 92, fuhr ein Walicki-Boot, das auch schon einige Jahre auf dem Buckel hat und trotzdem sehr schnell ist, wie die Differenz von nur 0,4 Punkten zum Sieger zeigte. Der 3. Platz ging an POL 14, eine Eigenkonstruktion von Vater und Sohn Damaszk, vom Design her aber den Walicki-Booten nicht unähnlich.

logosmOriginal erschienen in der Zeitschrift Schiffsmodell  des Neckar-Verlags 7 u. 8/2003 Autoren:Anneliese Tangermann und Gerhard Schmitt. Sollten hiermit irgendwelche Rechte verletzt werden bitte Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Ich werde dann den Artikel sofort entfernen.

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