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Da gibt es für Modellyachtsegler das Topereignis des Jahres und mein Eindruck ist, es wird nur von Wenigen wahrgenommen. Deshalb auf diesem Weg meine Nachbetrachtung, verbunden mit der Hoffnung, des Lesers Interesse zu wecken an der m.E. interessantesten Klasse der Modellyachten.

rm06logoVeranstalter der WM vom 26.5-2.6.2006 war die ISAF, Ausrichter der Modellyachtclub in Fleetwood. Im Original liest sich das so. The Marblehead World Championship is organized by the Fleetwood MYPBC,under the authority of Model Yachting Association (MYA) and under the overall authority of the ISAF-RSD.

Die MYA ist der englische Verband der  Modellyachtsegler, die ISAF-RSD die International Sailing Federation-Radio Sailing Division.

1dscf0147Die Entsendung deutscher Teilnehmer erfolgt über den DSV, genauer über den Obmann der RC-Yacht-Segler, Gerhard Mentges. Für die Qualifikation ist die Reihenfolge der Rangliste des Vorjahres ausschlaggebend. Die Anzahl der Teilnehmer richtet sich nach einem internationalen Schlüssel, dessen komplizierte Erklärung ich mir hier erspare. In der Praxis stellt sich das Prozedere so dar, dass aus Deutschland in den letzten Jahren immer genug Plätze frei waren für die Leute, die gewillt und einigermaßen  qualifiziert waren und zudem bereit waren, die Kosten und die Zeit für Reise und Teilnahme aufzubringen.

Unser ehemaliger Weltmeister dieser Klasse, langjähriger Spitzensegler und wiederum deutscher Meister 2006, J. Walicki (GER 06), wollte nicht nach Fleetwood. Er war schon mehrmals dort, aber das Gewässer und die dortigen Verhältnisse sind nicht nach seinem Geschmack. In diesem Punkt ( ansonsten nie ) war er sich einig mit dem vielfachen Weltmeister der letzten Jahren, Graham Bantock(GBR 95), der Fleetwood ebenfalls als nicht weltmeisterwürdig empfand.

fleetwood_lakeFleetwood liegt an der englischen Westküste, ein paar km nördlich von Blackpool, direkt am Meer. Für englische Verhältnisse in dieser Ecke ein idyllischer Seebadeort. Der MYPBC ist ein alteingesessener Modellyachtclub mit einem eigenen Gewässer direkt hinterm Deich. Es ist ein rechteckiges Bassin ,vergleichbar einem großen Schwimmbad mit den Ausmaßen von ca. 300 x 80 m. Gespeist wird es über eine Zuleitung aus dem Meer und es wird behauptet, aufgrund der Verdunstung wäre das Wasser noch salzhaltiger. Ringsherum ist das Becken eingefasst und begehbar, was zur Zeit der Entstehung für die Windfahnensegler unabdingbar war. Die Lage hinter dem Deich, die Abmessungen und die Einfassung des Beckens schaffen die besonderen Bedingungen von Fleetwood. Kommt der Wind aus SW, fegt er längs über das Wasser und das meist ungebremst mit  brachialer Gewalt, entsprechender Wellenbildung und vor allem einer kabbeliger See aufgrund der Reflexionen der Beckenränder. Kommt der Wind aus W, geht er in „Walzen" über den Deich, abwechselnd schwach und stark, manchmal von oben herab, man hat ständig das Gefühl, das falsche Rigg auf dem Boot zu haben. Das schmale, lange Becken bedingt  lange Kreuzkurse und Vorwindstrecken, beides gegen starke Welle, aber nur kurze Raumkurse.

Obwohl vorgewarnt, machten sich aus Deutschland vier unerschrockene RC-Segler(innen) auf den Weg gen Engelland, und zwar

Der Autor machte sich zusammen mit dem Schweizer Segelfreund, Benni Wittlin, SUI 08, in dessen Volvo Kombi auf den Weg, nachdem dieser sich bereit erklärt hatte, sein Gefährt dem Linksverkehr in England auszusetzen. Die Segel wurden in der bewährten Dachbox von GER 61 verstaut, immerhin 12 Riggs.

Über Zeebrügge in Belgien ging es mit der Nachtfähre nach Hull und dann weiter quer über die Insel nach Fleetwood. In Zeebrügge blies der Wind mit Stärke 7, Böen bis 9, und der normalerweise an Land stehende RC-Segler befürchtete schon das Schlimmste für die Überfahrt. Es war dann aber halb so wild, selbst die Tabletten gegen Seekrankheit blieben ungenutzt und das gute Abendessen auf der Fähre ging nicht an die Fische.

Das Navigationsgerät des Volvo zeigte problemlos den Fahrweg nach Fleetwood und so kamen wir am Donnerstag ,25. Mai, rechtzeitig in unserem Hotel an.

Wir hatten das New Boston Hotel (klingt gut) gebucht, direkt an der Seepromenade gelegen und der morbide Charme aus den Anfängen des letzten Jahrhunderts rief unser Entzücken hervor, denn seitdem wurde weder etwas verändert, noch repariert. Der Anschlag der Zimmertür grub inzwischen ein tiefes Loch in die Wand, der Lichtschalter im WC funktionierte über eine alte Paketschnur, die Halterung des Duschvorhangs war für vier Schrauben ausgelegt und Gott sei Dank war auch eine noch vorhanden, die Wasserhahnen lagen so weit auseinander, dass man die Wahl hatte zwischen Gebirgsbach und Verbrühen. Aber wir hatten zwei Betten und viel Spaß und nachdem wir den Italiener in Blackpool entdeckt hatten auch keinerlei Essprobleme.

Natürlich machten wir uns bei schönstem Sonnenschein, angenehmer Temperatur und viel Wind sofort auf den Weg zum Clubgelände. So blieb das Wetter über die ganze WM, während zuhause kalter Dauerregen und in der Schweiz Schnee herunterkam. Das Dauerhoch über Nordirland (normalerweise herrscht dort das Islandtief) brachte warme südwestliche Winde und daheim kalten Nordwind.

Im ehrwürdigen Clubhaus empfingen uns freudig mehrere ältere Herren, langjährige Clubmitglieder, und im Verlauf der WM hatten wir den Eindruck, dass die dort ihren Lebensabend verbringen, sitzend, redend, nichtstuend, einfach so. Der Versuch mit ihnen ins Gespräch zu kommen war nicht einfach, denn der Blackpool-Dialekt klingt für unser Schulenglisch etwa so wie das Bayrische für einen Hamburger. Gelacht haben wir trotzdem viel miteinander.

Einige tatkräftige Clubmitglieder räumten den Hangar leer, damit die WM- Teilnehmer ihr Zeug unterbringen konnten. Da waren insbesondere riesige A-Boote aus vielen Jahrzehnten dabei, vielfach vom aggressiven Fleetwood-Klima angefressen aber in den Dimensionen beeindruckend.

fleetwood-04Am Wasser waren zwei Kroaten eifrig am trainieren (CRO 60 und CRO 95), gecoacht von Geoff Smale (NZL 02), dem Oldtimer mit nahezu 90 Jahren aus Neuseeland. Da hielt es uns nicht lange und wir hatten bald unsere Boote ebenfalls im Wasser und sahen, dass die Kroaten „sauschnell" waren. Trotzdem konnten wir einigermaßen mithalten; bloss, weshalb wir das bei der Regatta nicht umsetzen konnten, Benni noch weniger als ich, bedarf später noch einer genaueren Klärung, Benni lassen wir da mit Rücksicht auf seinen Platz im Endklassement rücksichtshalber ausser Betracht.

fleetwood-08Die Vermessung ging relativ zügig voran und am Samstag konnte um 13 Uhr die WM starten. Von den 55 gemeldeten Teilnehmern starteten 53. Einer der „Vermissten" war der französische Meister, Chr. Boisnault (FRA 13), der vergessen hatte, seinen Pass zu verlängern.

Gefahren wurde nach dem HMS -System 2006 (Heat Management System), d.h. nach dem ausgelosten Vorlauf  wird in Gruppen aufgeteilt und  diese dann von der letzten bis zur A-Gruppe gestartet. Bei diesem System hat jeder der in einer hinteren Gruppe  gelandet oder abgestiegen ist beim nächsten Durchgang die Möglichkeit bis zur A-Gruppe aufzusteigen. Die ersten Vier jeder Gruppe steigen jeweils auf und bekommen erst die Punkte des Platzes der Gruppe in der sie hängen bleiben, im Idealfall als Erster in A. So erging es Martin Roberts (GBR 55), dem späteren Weltmeister. Winschausfall im Vorlauf, Letzter in D, dann in D, C, und B unter den ersten Vier, deshalb Aufstieg in A; die neue Winsch musste also vier Läufe direkt hintereinander durchhalten, dann Sieger in A und nur einen Punkt als Endergebnis in diesem Durchgang.

fleetwood-09 Dieses System ist etwas schwieriger zu handhaben als unser Most Simple System (MSS), das böse Zungen inzwischen als Most Stupid System bezeichnen. In Fleetwood  funktionierte das HMS schnell und problemlos, der Computer spuckte umgehend und zuverlässig den aktuellen Stand aus. Das HMS hat den großen Vorteil, Skipper vergleichbarer Qualifikation zusammenzubringen, spätestens in der A-Gruppe wird man extrem hart gefordert und man erfährt so, was man wirklich drauf hat. Meines Erachtens ist das inzwischen in den meisten Ländern praktizierte HMS-System mit ein Grund für den international hohen Standard anderer Nationen oder anders ausgedrückt, das bei uns angewandte MSS  verwässert die Gruppenstärke und fordert zu wenig, man kann ja nicht absteigen ( ein Spiegelbild unserer Bildungspolitik ? ).

Die Einzelergebnisse aller 132 Läufe können Tag für Tag im Internet nachgelesen werden, Adresse am Ende dieses Berichtes unter „Sonstiges". Nachstehend Details zu den interessantesten Booten und Skipper:

Sieger: Martin Roberts (GBR 55)

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Martin fuhr das Boot seiner Frau Andrea, deshalb auch das Babyrosa von Rumpf und Flosse. Andrea kümmert sich inzwischen mehr um Sohn und Modellbauversand, war früher aber eine Seglerin, die sich von keinem die Butter vom Brot holen ließ.

Das Boot, eine Starkers von David Creed in neuester und optimierter Ausführung, für Fleetwood und den vorrangigen Am-Wind-Kursen mit nochmals längerer Flosse und größerem Ruder in etwas anderer Position. Wenn Martin mit seinem Blackpool-Englisch etwas besser zu verstehen wäre, hätte man sicher noch Genaueres erfahren können, was nicht uninteressant gewesen wäre, nachdem ich mich bei meiner Starkers noch auf der Suche von idealem Lateral- und Segeldruckpunkt befinde.

Tatsache ist, das Teil war irre schnell und vom Skipper beeindruckend beherrscht. Er hatte aber quasi Heimvorteil, Fleetwood ist praktisch sein Wohnzimmer. Der Skipper selbst ein liebenswerter, ruhiger, höchstens bei Winschausfall etwas hektischerer Mensch. Ein verdienter Weltmeister.

2. Ante Covacevic (CRO  60 )
3. Zvonko Jelacic (CRO 95 )

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Beide punktgleich, aber schon mit gehörigem Abstand zum Sieger.

Beide fuhren Original-Bantock-Boote mit längerem Kiel, die CRO 60 eine Prime Number, die CRO 95 eine Rok. Die Prime Number ist die neueste  Entwicklung von Bantock, etwas schmäler als die vorherigen Boote und auf allen Kursen gleich bleibend  gut.

Die Boote waren vom vielfachen Weltmeister geliehen und perfekt getrimmt. Es wird behauptet, die Kroaten hätten die Boote erst einige Tage zuvor bekommen, dann tagelang trainiert. Trotzdem, ein solcher Erfolg ist nur möglich durch erstklassige Segler mit Spitzenmaterial. Die Kroaten, normalerweise IOM-Segler, haben angeblich zum ersten Mal eine M-Regatta gefahren. Wiederum Behauptungen zufolge sind die Skipper aber halbe Profis, die in Rijeka mit weiteren IOM-Seglern nichts anderes tun, als ihre Bötchen zu bewegen.

Leider war direkt nichts zu erfahren. Die Kroaten waren sehr verschlossen, fast ein wenig arrogant. Ein Lächeln oder lockerer Spruch : Fehlanzeige. Franzosen im gleichen Hotel zufolge kein guten Morgen oder Hallo, Essen mit finsterer Miene an einem separaten Tisch. Spitzensegler aber komische Leute.

4. Peter Stollery ( GBR 39 )

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Peter und die beiden Kroaten kämpften bis zuletzt um den zweiten Platz. Seine „Crazy Tube Too" mit verlängerter Flosse und nur 3,2 Kg Blei war bei etwas weniger  extremen Bedingungen sehr schnell, insbesondere vor dem Wind, hatte aber bei viel und variierendem Wind auf der Kreuz nicht dieselbe Konstanz wie die stur geradeaus und durch die Welle gehende Starkers. Wie schon oft bewiesen, ist P. Stollery aber bei „normaleren" Bedingungen auf anderen Gewässern mit der seltsam anzuschauenden „ Crazy Tube" nur schwer zu schlagen,  er  ist immerhin mehrmaliger englischer Meister in M und IOM,  die Fleetwood-Bedingungen waren  aber auch für ihn nicht ideal und so ist der 4. Platz sehr hoch einzustufen.

Vor einem A-Lauf herrschte eine Weile Wind für das A-Rigg, welches dann alle gesetzt hatten. Kurz  nach dem Start dann Wind für C2! GBR 39 mit seinem Spezial-Swing-Rigg , welches über eine Schot vom Vorschiff aus gefiert wird in großer Not an der Lee-Tonne, Boot kopfüber, Segel offen, Unterliek im Wasser....,irgendwie kommt Peter dank seiner Erfahrung trotzdem um die Tonne, jetzt aber Großbaum voraus, über das Vorschiff hinaus (???) und was geschieht: Er fährt so 30 m weiter, holt das Rigg zurück und es geht weiter auf der Kreuz. Wahnsinn!

Peter ist der Gentleman unter den Seglern. Nie aggressiv in Wort und Tat, ständig wissend wer bei ihm fährt, selbst an der entferntesten Tonne, um in ruhigem Ton overlap number xy oder z zu sagen oder beim Luvkampf ein kurzes, klares xy up please (please!!!) zu verlangen. Am Start eher zurückhaltend, um sich nicht im Gewühl zu verfangen und trotzdem auf der richtigen Seite.  Aus diesem Holz sind Spitzensegler!

Neben intensivem Kampf um Platz 2, half P. seinem Vater Roger Stollery (PRO, was so etwas wie oberste Heeresleitung bedeutet) bei manchem anfallenden Organisationsproblem, insbesondere aber abends um das Wohl der müden Krieger. Er verteilte im Clubhaus Bier und Snacks, in launiger Art wurden Lose gezogen und wertvolle Preise verteilt; beste englische Clubtradition, die wir nur beneiden können.

5. Brad Gibson (AUS 42 )

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Brad ist erfolgreicher 18 ft. Skiff-Segler und begeisterter RC-Segler. Bei anderen Nationen scheint sich das nicht auszuschließen. Seine „Boogie" ist von Stefan Kreiss (GER 165 ) her in Deutschland bekannt. Er macht auch seine Segel selbst und verkauft solche neben anderem Material. Auch er ein ruhiger, beherrschter Segler, nie ein lautes Wort oder aggressives Geschrei.

6. Chris Harris (GBR 121 )

Ein Spitzensegler mit einer Starkers vergleichbar mit GBR 55 , nur in totalem Schwarz. Chris hatte Anfangsschwierigkeiten und einem „Sinkflug", dadurch im Boot ständig mit Feuchtigkeit zu kämpfen. Trotzdem legte er nach diesem Supergau eine beachtliche Serie hin und war am 4. Tag punktgleich mit GBR 55 auf dem ersten Platz. Danach wieder Fernsteuerprobleme und letztlich nur Platz 6. Wenn Chris die techn. Probleme besser im Griff gehabt hätte, sicherlich auch begründet in seinem manchmal überschießenden Temperament, wäre Platz 1 nicht unmöglich gewesen.

7. Jure Zule (SLO 15)

Der auch bei uns bekannte junge Slowene mit seiner Starkers und brandneuen Segeln von housemartin ( M. Roberts ) fuhr sehr gleichmäßig, war zwar „nur" zwei Mal Erster, dafür aber immer in der A-Gruppe auf vorderen Plätzen. Sein Fahrstil ist riskanter als der der meisten Engländer und hat  ihm bestimmt den einen oder anderen Punkt  aufgrund von Strafkringel gekostet. Eine beachtliche Leistung auf dem für ihn unbekannten Wasser.

8. Robert Walsh (GBR 25)
9. Dave Potter (GBR 120)
10. Robbie Mc Intosh (GBR 64)

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Drei junge Engländer, alle mit Starkers ausgerüstet, alle mit Fleetwood-Heimvorteil.

Es fällt auf:

16. G. Schmitt (GER 61)

fleetwood-02Entgegen üblichem Verlauf bei solchen Meisterschaften waren der Start und die ersten Läufe viel versprechend. Nach dem ersten Tag auf Platz 4, weit besser als der angestrebte Platz unter den ersten 15. Ein Mal mit GBR 55 und 39 bis kurz vor Schluss in A um den Sieg gekämpft und nur ganz knapp geschlagen bei Windstärke 4-5 und C3-Rigg mit Vorliek Großsegel 115cm. Aber wie war das mit der einen Schwalbe im Frühsommer?

Nach Tag 2,3und 4 immer noch auf Platz 10, meistens in A segelnd, also alles noch im grünen Bereich. Doch die Bedingungen sind hart, manchmal hatte man das Gefühl in einem survival camp zu sein.

Alle meine Segel sind Swing Riggs und die sind bei starkem Wind und „normalen" Wellen absolut konkurrenzfähig, bei der kabbeligen Fleetwood-Welle dagegen im Nachteil zu den shroudless rigs. Aufgrund des notwendigen max. 29 : 71 %-Verhältnisses Fock : Großsegel stehen die Masten  ca. 5,5 cm weiter vorn und entsprechend ist die Gefahr des Tauchens groß bei starkem achterlichem Wind und der tückischen Welle.

Ab Tag 5 aber dann Waterloo in Fleetwood, meine neuen C1 und C2-Riggs (160 bzw. 140 cm Vorliek Groß ) verlangten Einsatz total, um wenigstens in Gruppe C zu bleiben. Die Segel konnten bei unserer deutschen Flautenschieberei nie ausprobiert werden und bei diesen Riggs habe ich Fehler eingebaut, die eigentlich keinem Anfänger passieren dürften. Aufgrund der zu erwartenden starken Winde wollte ich  die Fockgröße  an die absolut obere Grenze für Swing-Riggs bringen ( Segeldruckpunkt weiter vor, weniger luvgierig ). Irgendwo unterlief mir aber ein Rechenfehler und die Fock war weit über die 29%  hinaus mit der Folge, dass an der Kreuz der Großbaum  erst einmal mittschiffs kam, um dann vielleicht irgendwann doch noch auf die richtige Seite zu gehen. Da kämpfst du nur noch mit dem Boot und die Konkurrenten fahren weg. Super!

25. Stefan Kreiss  (GER 165 )

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Stefan, ein absoluter Spitzensegler, ausgerüstet mit einer  „Boogie"  von Gibson, gelang es nur wenige Male bis in Gruppe vorzudringen. Aus nicht ganz nachvollziehbaren Gründen war nicht mehr als Plätze um 20 herum drin. Stefan hatte mit solchen Bedingungen noch wenig Erfahrung,  sein Fahrstil war manchmal auch zu  „kringelintensiv", weshalb ihn die Schiedsrichter besonders gern beehrten.

27. Klaus Schröder ( GER 03 )

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Auch Klaus hatte nur wenig Gelegenheit bis in A zu kommen, war vielmehr völlig unüblich oft in C. Die mangelnde Erfahrung kann bei ihm nicht der Grund gewesen sein, zumal er Fleetwood schon kannte. War es das neue Walicki-Boot, das aber doch nicht so anders ist als der Vorgänger? War es, dass Klaus neuerdings zu viel große Boote segelt und der Daumen für Fernsteuerung deshalb versaut ist ?

47. Elke Wissmann ( GER 05 )

fleetwood-13Elke fing recht gut an und war in dem starken Feld anfangs um die 20, später auch noch um die 30, im weiteren Verlauf  forderten die extremen Bedingungen ihren Tribut, mit Kondition und Konzentration ging es bergab. Einige „Kerle" waren aber noch hinter ihr und mit Pierre Gonnet ( FRA  88) oder Chris Vaes  ( NDL 21 ) normalerweise recht gute Segler.

 

Manche Gründe für das weniger gute Abschneiden vieler Segler wurden schon genannt. Auffallend war jedoch, dass a l l e  Franzosen,  Holländer und auch wir noch unter den nicht allzu hohen Erwartungen blieben. Ist das nur den speziellen Fleetwood-Bedingungen zuzuschreiben? Zweifellos bedingt Fleetwood Boote, die entsprechend konzipiert und getrimmt sind, um aber bei einer WM vorne mit dabei zu sein bedarf es auch besserer Segler, die international mithalten können, die über die lange Distanz einer WM konstant gute Leistung zeigen können und nicht nur bei dem einen oder anderen Lauf. Es fehlt uns einfach die „ internationale Härte „, die nur erreicht werden kann mit entsprechend gut durchgeführten und gelegentlichem Blick über den nationalen Tellerrand. Das fängt an mit der Wahl des Regattasystems, geht weiter mit Observer- und Schiedsrichterleistung und konsequentem Durchgreifen  des Startstellenleiters wenn Regeln nicht respektiert werden. Es hat sich einmal mehr gezeigt, dass der Start die halbe Miete ist und da haben wir den größten Nachholbedarf. Wer im Mittelfeld startet, kommt zwangsläufig ins große Paket, fährt um die Bojen lange Wege , ist ständig in der Abdeckung von anderen Booten, kann nur den Kurs und die Taktik fahren, die Andere ihm aufzwingen und ist am Ende unter ferner liefen. Bei vielen unserer Regatten spielt ein bisschen Kontakt, ein wenig Abfallen auf der Startlinie, Hereindrücken an der Starttonne u. ä. nur eine „freundschaftliche" Rolle, bei der man doch nicht so pingelig sein soll. Um kein Risiko einzugehen, startet man deshalb besser zurückhaltend, die Schnelligkeit des Bootes und die Erfahrung bringen einen schon wieder nach vorn. Das geht national aber nicht international, denn die anderen Nationen haben professioneller starten gelernt und haben gleich schnelle oder gar schnellere Boote.

Observer / Schiedsrichter

Im Großen und Ganzen wurde in Fleetwood eine gute Leistung geboten, ohne negativen Einfluss auf das Gesamtergebnis. Im Vergleich zu früheren EM und WM eine wesentlich bessere Vorstellung. Bis auf zwei kurze Verhandlungen wurde alles sofort an der Startstelle geregelt. Kompliment !

Racing Officer Roger Stollery

Immer auf der Höhe des Geschehens, unermüdlich um alles und Jeden bemüht, bei feinstem britischen Humor und absolutem Durchblick. Einen besseren und souveräneren gibt es nicht, RC-Segler und Bootsbauer seit Jahrzehnten (GBR 17 ). Chapeau (es muss ja nicht der scheußliche Faschingsfeuerwehrhelm mit Stacheln sein, den Roger immer auf hatte ).

Sonstiges

Die Startgebühren waren relativ hoch, aber das was Tag für Tag geboten wurde, einschließlich kostenlosen Grillabenden und Abschlussdinner war den Preis wert. Die „Packung", die wir mitbekommen haben war nicht nur lehrreich, sondern auch kostenlos. Was uns nicht umhaut macht uns stärker !!!

 

logosmOriginal erschienen in der Zeitschrift Schiffsmodell  des Neckar-Verlags 12/2006 Autor:Gerhard Schmitt. Sollten hiermit irgendwelche Rechte verletzt werden bitte melden. Ich werde dann den Artikel sofort entfernen.

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