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Fernsteuerung macht die Modellsegelei populär
Modellyachten, international in Klassen aufgeteilt, erreichen Längen von 2m und Bauhöhen von Kiel bis Mastspitze von 3m. Sie wurden ursprünglich als Freisegler gebaut, was bedeutet, dass sie vom Ufer aus nicht beeinflusst werden konnten. Ruder und Segel sind fest eingestellt, und der so vorausbestimmte Kurs wird je nach trimmzustand annähernd genau eingehalten.

In den letzten Jahren hat sich deshalb das Segeln mit Modellyachten, die durch Funkgeräte gesteuert werden, mehr und mehr durchgesetzt. Tatsächlich gelingt es mit dar Funktechnik fast mühelos, ein Modellboot mit allen notwendigen Rudermanövern segeln zu lassen. Auch die Segelverstellung ist möglich, so dass man mit größter Genauigkeit einen Dreieckskurs oder jede durch Bojen beliebig ausgelegte Bahn absegeln kann.

Nur das Ballasten des Bootes über Funk ist noch nicht ausgeführt worden, und deshalb sind bisher alle Modell-Segelboote ausnahmslos Kielboote. Die Versuche mit Katamaranen sind indessen auch bei den Modellseglern erfolgreich verlaufen, und man wird schon im kommenden Jahr die ersten Modellkatamarane mit zum Teil hochinteressanten technischen  Lösungen sehen.

Die Industrie hat die stürmische Entwicklung auf elektronischem Gebiet genutzt und bringt zu erschwinglichen Preisen ausgereifte Funkanlagen auf den Markt. Dabei sollte man beachten, dass der Besitzer einer solchen Anlage sich gegen geringe Gebühr eine Lizenz von der Bundespost besorgen muss, ansonsten gehört er zu den „Schwarzsendern“.

bild1Sieht man am Ufer eines Binnengewässers einzelne oder mehrere freizeitlich gekleidete Leute stehen, die einen kleinen Kasten mit ausgefahrener Antenne in Händen halten, sind das weder Beat-Fans mit Transistorkoffern noch Angler mit neuzeitlichen Angelruten, sondern Steuerleute auf dem Trockenen.

Ihre Modellboote sind draußen auf dem See, durch ihre Funksignale vom Ufer aus gesteuert. Die vom Sender abgegebenen Funksignale sind frequenzmodulierte Töne auf einer quarzgesteuerten Trägerfrequenz. Das hört sich arg nach Techniker-Chinesisch an.

Auf den Segelrevieren der Modellsegler hört man es etwa so: Das von der Post  für diese Zwecke freigegebene 27-MHz Band enthält sechs international festgelegte Sendefrequenzen. Durch wahlweises Einstecken eines der sechs zur Verfügung stehenden Quarze legt man seinen Sender auf eine Frequenz fest. Wollen mehrere Boote gemeinsam segeln, benutzt jeder Steuermann eine andere Frequenz. Der gefürchtete Funksalat entsteht nur dann, wann mehrere Boote den gleichen Quarz und damit die gleiche Trägerfrequenz benutzen.

Alle senden auf der „gleichen Welle“, und jeder kann das Ruder und die Segel das anderen bedienen. Zum Zeitvertreib Ist dies ein amüsantes Spiel. In Regatten aber wäre es unfein, wenn man die Konkurrenz dadurch aus dem Felde zu schlagen versuchte, dass man sie vor Erreichen der Ziellinie durch einen stillvergnügten Funkimpuls aus dem Kurs scheren ließe, wobei man überdies sicher sein könnte, unerkannt zu bleiben.

Die sechs Frequenzen und damit die ungestörten Sendemöglichkeiten vordoppeln sich dadurch, dass jeder Sender meist zehn verschiedene Töne auf seine Trägerfrequenz modulieren kann, davon zum Segeln aber maximal nur fünf benötigt. Zwei Sender gleicher Frequenz können sich nun Ton eins bis fünf oder sechs bis zehn aussuchen. Man nennt sie Tonkanäle. Theoretisch ist es bei dieser Einteilung möglich, zwölf Boote miteinander segeln zu lassen. Praktisch gelingt es selten, die Frequenzabstimmung so genau vorzunehmen. Man begnügt sich deshalb mit dem gemeinsamen Start von fünf bis sechs Booten. Optimisten erwarten indessen von der Laser-Technik -- Impulsübertragung durch Laser-Strahlen -- unbegrenzte Möglichkeiten.

Die vom Sender abgegebenen Funksignale werden bis zu einer Entfernung von etwa 3 km von den Empfangssanlagen Im Inneren der Modellboote aufgenommen. Da auch diese Empfänger heute meist quarzstabilisiert sind, nehmen sie nur die Signale der ihnen zugeordneten Sender auf. Jedes Boot hört also nur auf die Stimme seines Herrn.

Alle ankommenden Töne gibt der Empfänger weiter, und zwar an die zur Tonfrequenz passende Kanalstufe. Jede dieser Kanalstufen vermag den Ton in einen Schaltvorgang umzuwandeln, so dass über Relais oder Transistoren Miniaturmotoren ein- oder ausgeschaltet werden können. Auch die Änderung der Drehrichtung eines solchen Gleichstrommotors ist durch Polwechsel möglich. Wenn eine Mondsonde fotografiert oder Bodenproben ausgräbt, dann ist dies nichts anderes. Durch Funksignale wird mechanische Arbeit ausgelöst.

Kann man demnach beliebig oft und bis zu zehn Schaltvorgänge über Funk auslösen, ist es nur eine Frage präziser und durchdachter Mechanik an Bord der Schiffe, das Ruder nach StB oder BB zu legen oder es in jeder beliebigen Stellung zu fixieren. Auch die automatische Rückstellung des Ruders nach mittschiffs durch eine besondere Schaltung ist manipulierbar. Die Segel werden nach Belieben gefiert oder dichtgeholt, man schrickt oder presst sie, wenn man der Schotwinch die erforderliche Drehrichtung und Drehdauer befiehlt.

Alle Manöver werden In Sekundenbruchteilen ausgeführt, in elektronischen Zeitintervallen also, und das Ist wesentlich schneller, als es die Reaktionszeit einer Crew auf einer großen Segelyacht ermöglicht. Alle gesendeten Töne sind unhörbar, nur der Startschuss bei einer Regatta oder die höfliche Aufforderung „Raum bitte“ sind irdische, außerelektronische Laute.

Wem das alles zu technisch, zu abstrakt, zu mondsüchtig erscheint der wende sich der Segeltechnik und dem Regattatrimm zu. Als Schwierigkeit ist der Umstand zu werten, dass der Modellsegler keinen direkten Kontakt zu seinem Boot, zum Wasser und Wind hat. Man mag einwenden, dass dies doch ein erheblicher Nachteil des Modellsegelns sei. Das ist richtig.

Richtig aber ist auch, dass das Modellsegeln nur eine von mehreren Varianten des Segelsportes darstellt. Der begeisterte Modellsegelschüler wird eines Tages sein Können auf großen Jollen oder Kielbooten vervollkommnen. Der Segler aber, der bereits Erfahrung im Umgang mit großen Booten hat, segelt mit Modellbooten so gut, dass er im Felde einer Modellyacht-Regatta durch seine Segeltechnik und seinen Bootstrimm auffällt. Er liegt stets im Vorderfeld, Beweis genug also, dass es auch beim Modellsegeln darauf ankommt segeln zu können. Das Segeln mit Modellbooten ist also mehr als eine Spielerei auf sehr hohem technischem Niveau.

Man sehe sich etwas genauer bei der Ausrüstung der regattafähigen Boote um. Man erkennt sehr schnell, dass hier mit allen auch bei den Seglern großer Boote bekannten Raffinessen gearbeitet werden muss. Leicht-, Mittel- und Schwerwettersegel sind üblich. Ein Segel von 0.5 bis

 

Es gibt drei Internationale Modellbootklassen von Bedeutung:

  1. M-Boot (Marblehead)
    Länge über alles 1,27m, Segelfläche 0,51 m2, mit dem Zeichen „M“ im Segel
  2. Zehner-Boot (Tenrater)
    nach Messformel WL-Länge bis zu 2,00m, Segelfläche bis zu 0,90 m2, mit dem Zeichen „IO“ oder „T“ im Segel
  3. X-Boot (Erfinderklasse)
    nur die Segelfläche ist mit 0,50m2 begrenzt, alles andere frei, mit dem Zeichen „X“ im Segel

 

 

0,9 m2 aus Kunstfaser-Yachttuch leichter Qualität kostet rund 15 DM. Man kann also getrost in einer Saison zwei Satz Segel verbrauchen.

Biegsame Bäume, lose gefahrene Wanten voll drehbare Masten ohne jede Verstagung in Nadellager oder Bronzebuchsen gelagert werden diskutiert. Man spricht weiter über Gewichts- oder Lateralschwerpunkt, über Quer- oder Kursstabililtät, Rudervorschnitt und Spantformen. Alle diese beim Großyachtbau bekannten Theorien gelten in vollem Umfang auch für Modellboote.

Die Bootsrümpfe werden heute aus glasfaserverstärktem Epoxid in fertigen Modellformen hergestellt. Diese den Messformeln entsprechenden Rümpfe können beliebig eingefärbt und hochglanzpoliert geliefert werden. In Qualität und Segeleigenschaften stellen sie das zur Zeit Optimale dar.

Es ist vergebliche Mühe, sich Rümpfe aus Holz selbst bauen zu wollen. Sie sehen schön aus, in der Regatta sterben sie in Schönheit. Das Kunststoffboot mit tiefliegendem Gewichtsschwerpunkt und ausgeprägtem U-Spant ist eindeutig schneller.

Die Gewichtsverminderung hat dort ihrer Grenzen wo der Wert von 7 kg je 0,5 m2 Segelfläche unterschritten wird. Ein zu leichtes Boot bleibt Infolge zu geringen Massegewichts beim Wenden im Wind stehen. Der Steuermann kann dann nur noch ein elegantes Ankermanöver vorführen, bevor seine Yacht über den Achtersteven abtreibt! Das Gesamtgewicht der Modellboote liegt zwischen 8 und 15 kg, wobei stets 40…70 % davon Bleiballast sind.

1968_funk_2Die Querstabilität ist außerordentlich hoch. Die Boote sind unkenterbar und vertragen Windstärken an die manche Jollensegler schon in den Heimathafen drücken.

Das Großsegel entspricht in Beweglichkeit und Bedienung dem großen Vorbild. Mit der Fock eines Modellbootes dagegen hat man einigen Kummer. Sie vertörnt sich leicht. Das Fehlen reiner Vorschothilfe ist aber nicht nur ein Nachteil, denn das Modellboot bleibt trotz Vorsegel ein echtes Einhandboot mit seinen bekannten Vorteilen.

Die Fock fährt man an einem Fockbaum und achtet darauf, dass sie mit dem Mast stets klarkommt und nicht überlappt. Bei achterlichem Wind Ist dieser Fockbaum natürlich hervorragend zum Ausbaumen noch Luv geeignet. Mit entsprechendem mechanischem Aufwand kann auch mit einer Genua gesegelt werden, sofern nur das Vorsegeldreieck vermessen wird.

Raumballons oder Spinnaker sind bisher in Wettfahrten noch nicht gefahren worden. Hier müssten die Klassenbestimmungen noch näher definiert werden. Kein Zweifel aber, dass mit zum Teil genialen technischen Lösungen auch diese attraktiven Segel bei den Modellseglern kommen werden!

Ein Regattakurs ist stets ein Dreieck mit Seitenlangen von 50 …60m. Das ergibt eine Strecke von 150…180m wozu die Verlängerung durch Kreuzstrecken kommt. Dreiecke mit 130m Seitenlängen wären durchaus möglich, so dass die gesamte Strecke bis zu 500m betragen würde. Man segelt in Gruppen zu vier bis acht Booten. In größeren Feldern segeln die ersten Boote dieser Gruppen die Entscheidung unter sich aus. Auch Einzelstarts, die überschlagend immer zwei bis drei Boote auf den Kurs bringen, werden heute noch durchgeführt. Nach mehreren Durchgängen wird die Placierung durch Punktwertung errechnet.

Die Zuschauer sind häufig überrascht, wenn Boote beim Runden der Bojen diese berühren oder sogar beiseite drücken. Hier gilt was bei den großen Booten nicht gestattet ist. Lediglich das falsche Umrunden oder Auslassen einer Boje kann zur Disqualifikation führen wenn das Manöver nicht wiederholt wird.

Bei den Regattaseglern gibt es Landesmeister, Deutsche Meister und Europameister. Alle Meisterschaften werden nach den Bestimmungen der deutschen oder europäischen Fachverbände ausgetragen, besondere Schwerpunkte für alle offiziell ausgeschriebenen Regatten sind Berlin, Hannover, Raum Hamburg-Bremen, München und Raum Freiburg (Baden-Württemberg). Hier treffen sich regelmäßig Segler aus ganz Deutschland, aus der Schweiz, aus Schweden und Frankreich. Felder bis zu 50 Yachten sind keine Seltenheit.

Nach den registrierten Nummern kann man die Anzahl der in der Bundesrepublik vorhandenen vermessenen und regattafähigen Modell-Segelyachten auf 250 bis 300 schätzen. In den letzten Jahren steigt die Anzahl der Neubauten ständig.

Das beliebteste Boot ist die M-Yacht. Es ist für den Autotransport am besten geeignet. Spätestens beim Verladen merkt man ob man den richtigen Wagen mit dem größten Kofferraum gekauft hat. Die interessanteste Klasse Ist die der X-Boote. Hier können Versuche gemacht werden; auch die Kats segeln unter dem X-Zeichen!

Hat man den Laderaum eines großen Wagens oder einen Combi, so wird man sich vielleicht gleich zu einem Zehner entscheiden. Es ist das zur Zeit schnellste Boot aller Modellyachten Messungen ergaben maximale Geschwindigkeiten von 12km/h. Die Geschwindigkeiten aller Boote sind häufig derart verblüffend, dass die Zuschauer nach den Schiffsschrauben fragen und suchen.

Für diesen Segelsport braucht man keine superdicke Brieftasche. Bel vernünftiger Dimensionierung der Funkanlage und der Einbauteile liegt der Preis für eine segelklare Modellyacht unter 1000 DM.

Als Segelreviere kommen alle großen und kleinen Binnenseen in Frage. Ist freier Windeinfall gewährleistet, sind es auch kleinste Seen, auf denen man mit großen Jollen kaum noch segeln kann, die zum Modellsegeln aber hervorragend geeignet sein können        

Ralph Knoblauch

Original erschienen in der Zeitschrift Yacht 11/1968 Sollten hiermit irgendwelche Rechte verletzt werden bitte melden. Ich werde dann den Artikel sofort entfernen.

 

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