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Dieser Artikel erschien 2001 in der Zeitschrift Schiffsmodell und in der ModellYachtInfo. Die Bilder wurden für bessere Lesbarkeit neu generiert.

Wie jede andere Wettkampf -Sportart ist auch das Segeln durch eine größere Anzahl von Wettfahrtregeln geordnet. Diese werden meines Wissens alle vier Jahre auf den neuesten Stand gebracht und dann veröffentlicht. Derzeit gültig sind die Regeln 2005 –2008 (erschienen im Verlag Delius-Klasing). Die Taktik im Regattaverlauf ist ein entscheidender Faktor für die Platzierung und setzt unbedingt gute Regelkenntnis voraus.

Die Regeln sind nicht ganz einfach zu erlernen, mancher versucht sie auch zu seinen Gunsten zu interpretieren und manchmal kommt auch der berüchtigte „black-out" im entscheidenden Moment dazu. Das sind dann die Gründe, weshalb es zu Protesten und zu den Verhandlungen kommt.

In den Wettfahrtregeln gibt es einen Teil 5 „Proteste, Verhandlungen, Fehlverhalten und Berufung", der alles Wissenswerte zu diesem Kapitel beschreibt. Protestverhandlungen sind ein leidiges Thema, denn einer der Beteiligten fühlt sich immer ungerecht behandelt. Aus diesem Grund ist es vorteilhaft, wenn der oder die Schiedsrichter keine Regattateilnehmer sind. Bei einer EM oder einer WM wird das so arrangiert, allerdings mit dem Nebeneffekt, dass sich das um eine sehr teure Angelegenheit handelt, die sich immer weniger Veranstalter leisten können. Die Franzosen haben sehr enge Beziehungen zwischen RC-Seglern und dem Segelverband FFV, daher gelingt es zumindest bei größeren Regatten, einen hauptamtlichen Schiedsrichter zu bestellen.

Wir in Deutschland sind die reinen Amateure und können uns das nicht leisten. Deshalb wird die Jury ausnahmslos aus dem Teilnehmerfeld rekrutiert.

„Freundlicherweise" meint so mancher Veranstalter, dass meine Regelkenntnisse ausreichen, um oftmals in die Jury berufen zu werden. Die Verhandlungen finden dann zwischen Trockenlegen des Servos, Aufladen der Batterie und Trimm der Segel statt. Da ein Juryraum fehlt, geschehen die Verhandlungen in freier Natur, umringt von vielen, die es ohnehin besser wissen. Die alten Germanen hatten wenigstens eine Gerichtslinde (oder war es eine Eiche)? Unter diesen Bedingungen ist es oftmals auch nicht möglich, einen geordneten Verlauf der Verhandlung zu erreichen.

Obwohl ich meine, auch im Zweifelsfall lieber einen Kringel zu drehen, provozierte ich bei der letzten Ranglistenregatta eine Protestverhandlung. Ich wollte einfach nicht einsehen dass ein Segelfreund, der immer meint, durch viele laute Worte das Recht auf seiner Seite zu haben, eine klare Backbord/Steuerbordsache verdrehen kann. Zum Schluss stand ich dann aber doch als der Dumme da, was mich mächtig ärgerte. Noch mehr ärgerte mich aber die Art und Weise der Protestverhandlung, die eigentlich gar keine war, sondern mehr als Scherbengericht wirkte. Wir werden uns auch in Zukunft keine Profi-Schiedsrichter leisten können.

Wir sollten aber bei allem Notbehelf wenigstens dafür sorgen, dass eine geordnete, objektive und gerechte Verhandlung stattfindet. Wenn wir uns schonn bei der Wettfahrt an die Regeln der Großen halten, sollten wir es auch, wenn es zu Protesten und Verhandlungen kommt.

Der Ablauf einer solchen Verhandlung ist in den Wettfahrtregeln nicht irn Detail beschrieben, es gibt vom DSV jedoch ein Handbuch für Schiedsrichter mit dem Titel „Segeln nach Regeln". Hier finden sich viele praktische Hinweise zu diesem Thema. Der Ablauf einer Protestverhandlung wird sogar in 36 Bildern in einprägsamer Comic-Manier gezeigt.

Ich möchte jedem RC-Segler die Anschaffung dieses Handbuches empfehlen (DSV-Verlag). Zum Appetitholen sind hier einige der erwähnten Bilder abgedruckt.

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