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Manch einer hat während des Winters seine Modelljacht erbaut und sucht jetzt nach dem passenden Ballast für den Kiel. Das Bleigießen ist fast jedem vom Silvesterabend vertraut, aber so recht daran wagen mag man sich nicht. Ja, und kaufen kann man nur bestimmte Größen. Über den Preis soll man da lieber gar nicht reden. Ob man es nicht doch einmal versuchen sollte?

Viele von uns haben es schon versucht und nachher mit ungläubigem Staunen der sauber geschliffenen Gipsform statt einer wohlgeformten Kielbombe ein unförmiges Stück Metall entnommen, das eher an Hochofenschlacke erinnerte. Als ein Vereinskamerad solch einen unförmigen Klumpen dann noch mit der Bemerkung, diese Dinger müssten so aussehen, an einen anderen verkaufte, glaubte ich zu träumen. Dabei ist das doch so einfach, dachte ich und beschloss, meine Erfahrungen weiterzugeben.

1983_blei_2Die Sache mit dem Gips hat nämlich einen Haken: Beim Ausgießen des heißen Bleis in die Gipsform entstehen oft Dampfblasen, die das erstarrende Blei entsetzlich verformen können (Abb. 1). Die Ursache hängt mit den Stoffeigenschaften des Gipses zusammen. Gips wird als Modellgips mit wenig Wasser gebunden gehandelt. Durch weitere Wasseraufnahme erhärtet er Unter Volumenvergrößerung (für die Interessierten: CaSO4 x ½H2O + 1½H2O => CaSO4 x 2H2O). Beim Erhitzen gibt er das gebundene Kristallwasser wieder ab. Dickere Gipsformen schwitzen deshalb, wenn sie mit flüssigem Blei gefüllt werden.

Durch Erhitzen der Gipsform nach dem Erhärten im elektrischen Backofen bei 180° C etwa 2 Stunden lang, lässt sich der Gips soweit „trocknen", dass die Form glatte, blasenfreie Abgüsse ergibt (Abb. 2). Die Bratröhre im Gasherd ist hierfür nicht gut geeignet, weil beim Verbrennen des Gases im Herd Wasserdampf entsteht, der das „Trocknen" der Gussform behindert. Aus dieser Form lassen sich etwa 4 bis 6 Bombenhälften gießen.

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A. Tiller, der Altmeister der deutschen Modelljachtkonstrukteure, empfahl die Anwendung von Tonformen, die das Problem der Blasenbildung ausklammern (Abb. 3). Mir war jedoch früher allein das Beschaffen von Ton schon zu schwierig, um die Verfahren wiederholt anzuwenden.

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Der Zufall half mir, einen einfacheren Weg zu finden: Weil die Drogerie schon geschlossen hatte, blieb mir nichts anderes übrig, als mir ein Ersatzmittel für Gips zu suchen. Ton gab es im Umkreis von 30 Kilometern nicht. Mein Heimweg führte mich an einer Baugrube vorbei. Da fielen mir plötzlich die Kuchenformen der Kinder ein. Ich nahm mir für einen Versuch einen Schubkarren voll feuchten Bausands mit nach Hause, drückte auf dem Küchentisch einen Formkörper hinein, klopfte rundherum den Sand fest und zog vorsichtig den Gegenstand wieder heraus. In die Mulde goss ich auf dem Herd verflüssigtes Blei. Es dampfte, aber das Blei spritzte nicht, es stiegen auch keine Blasen auf. Mit der Kneifzange fasste ich das erstarrte Blei und kühlte es unter dem Wasserhahn in der Spüle ab. Das Ergebnis faszinierte mich. Es besaß zwar eine sandraue Oberfläche, hatte aber die Form des Vorbildes.

Ich habe inzwischen etwa zwanzig Formabgüsse für Kielbomben auf diese Weise hergestellt. Der Sand muss zwischen den Güssen nachgefeuchtet werden und auskühlen. Der Formkörper soll glatt und trocken sein. Die Herstellung ist äußerst preiswert. Deshalb möchte ich folgende kurze Anleitung geben:

1983_blei_4Rohstoffe:
Altblei, das man günstig beim Klempner oder Reifendienst erhält. Das Blei muss absolut trocken sein, sonst spritzt es beim Schmelzen.

Erdfeuchter, möglichst feinkörniger Bausand, keine Gartenerde.

Geräte:
Für Elektroherde benötigt man einen alten Topf, sonst genügt auch eine Blechkuchenform, wenn diese auf dem Herd sicher steht. Zur besseren Wärmeausnutzung kann man sie nach Abb. 4 mit Alufolie ummanteln; außerdem braucht man eine alte, ausgediente Schöpfkelle zum Bleischöpfen, einen Blechlöffel zum Abschöpfen der aufschwimmenden Verunreinigungen und für diese eine halb mit Sand gefüllte Blechdose, eine Stellfläche für Form und Abfallgefäß in unmittelbarer Nähe des Schmelzgefäßes, eine Kombizange oder besser große Wasserpumpenzange für das heiße Gussstück und eine mit Wasser gefüllte Spüle zum schnellen Auskühlen des Bleikörpers.

1983_blei_5Arbeitsweise:
Alle benötigten Geräte werden bereitgestellt. Die Form wird nach den Abbildungen 5 und 6 vorbereitet. Das Fenster wird weit geöffnet, denn die Dämpfe sind nicht gesundheitsfördernd. Wenn man geprüft hat, ob der Tiegel dicht ist und sicher steht, wird erhitzt. Dabei wählt man als Zugabe nur so viel Rohblei, wie in kürzester Zeit geschmolzen werden kann. Hat man etwa 1 bis 2 kg mehr flüssiges Blei als für den Guss nötig, so kann man mit der Schöpfkelle den ersten Gussversuch wagen. Eine Kelle fasst etwa 1,3 kg Blei. Zwecks Erhaltung des Hausfriedens sollten nach dem Schmelzen und Gießen alle Spuren wieder beseitigt werden. . . Stets auf Sicherheit bedacht sein! Auf keinen Fall darf flüssiges Blei vergossen oder verspritzt werden! Möglichst mit Schutzbrille arbeiten!

1983_blei_6Noch eine Anmerkung zur Form:
Natürlich darf das Modell nur so geformt sein, dass es sich leicht aus der Sandform herausnehmen lässt, d.h. die dickste Stelle darf sich nicht unten im Sand befinden. Rotationssymmetrische Stromlinienkörper müssen deshalb geteilt in zwei Hälften gegossen werden. Nicht vergessen: den Sand festdrücken, solange sich das Modell darin befindet.

Das Modell für eine Bleibombe sollte etwa 3,5- bis 4,5mal so lang wie dick sein, es sollte bei rundem Querschnitt die Form eines Tropfens oder einer Spindel haben.

Blei lässt sich durch Raspeln mit der Holzraspel, durch Schneiden und Schleifen auf die gewünschte Form bringen.

Ergänzungen zur Formgebung von Bleibomben und Unterwasserschiffen

Vorweg ein wichtiger Hinweis: Blei ist giftig!!! Bitte beachten Sie das stets.

1983_blei_7In meinem Aufsatz über die Anfertigung von Bleibomben habe ich nur flüchtig deren Gestalt besprochen. Hier darum einige Ergänzungen: Weil es darum geht, einen Bleikörper möglichst widerstandsarm durch das Wasser zu bewegen, sollte dessen Gesamtwiderstand so gering wie möglich sein. Hierzu gehören Stirnwiderstand und Oberflächenwiderstand. Die geringste Oberfläche bei geg. Volumen hat die Kugel. Deshalb wähle ich den etwas „molligen" Stromlinienkörper NACA 0022, ein bekanntes Turbulenzprofil. Abgesehen von Überlegungen aus der Strömungslehre verhält sich die Natur ähnlich (vgl. Abb. 1 und 2).

1983_blei_8Wünscht man eine leichtere Bombe, so drücke man den Formkörper nicht so tief in den Formsand. Er wird dann allerdings schlanker und nicht ganz rund. Mit Hilfe der Keplerschen Fassformel oder nach der Simpsonschen Regel kann man die genauen Maße errechnen. (Computer lassen sich entsprechend programmieren, wenn man sich die Zeit dafür nimmt und Spaß daran hat). Die Formeln stehen in jedem besseren technischen Handbuch. Ein fertiges Programm dazu in: Informatik, Themenhefte, Mathematik, E. Klett Verlag S. 84 ff.

Ein Laminarprofil lohnt eigentlich nur für die Rumpfform. Die Flosse ist, wenn wir keinen Langkieler wünschen, zu schmal.

Die Kielflosse wähle ich so dünn wie möglich, Profil NACA 0009 oder dünner. Das Ruder sollte etwas dicker sein, damit hier die Strömung nicht so leicht abreißt. Dann wirkt das Ruder nämlich nur noch als Bremse, d.h., es lenkt nicht mehr. Das war es, was ich hierzu ergänzen wollte.

Damit ich nicht den Eindruck erwecke, ich hätte mir das hier nur aus Büchern zusammengeschrieben, noch eine kurze Anmerkung: Im Oktoberheft 81 gab ich meine Gedanken für eine Schwachwindjacht wieder. Auf der Ausscheidung zur Bundesmeisterschaft in Berlin im Mai 82 stellte ich das Boot vor. Im Nauticus wurde es als sehr schnelle M-Jacht bezeichnet. Ein Segelkamerad aus Hamburg meinte dazu: „Warum handeln Sie sich immer Proteste ein, das Boot ist doch so schnell, dass Sie damit außen um die anderen Boote herum fahren können!" - Leider kommt es auch auf den Skipper an. - (vgl. Abb. 3)

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logosmOriginal erschienen in der Zeitschrift Schiffsmodell  des Neckar-Verlags 2 u.8/1983 Autor:Dietmar Lux. Sollten hiermit irgendwelche Rechte verletzt werden bitte melden. Ich werde dann den Artikel sofort entfernen.

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