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Nach etlichen Jahren Regattapause, bedingt durch den Bau eines Einfamilienhauses (Muskelhypothek), stellte sich mit der Fertigstellung des Hauses die Frage nach einem neuen Regattaboot. Das "alte" Unboot war in seinen Stärken und Schwächen hinreichend bekannt. So entschloß ich mich Mitte 92 einen neuen Entwurf zu zeichnen, welcher basierend auf dem Unboot, die Stärken (Schwachwind) behielt und die Schwächen (Starkwind) vermied. Die bekannte "Tauchneigung" bei ungünstiger Wanderung des Verdrängungsschwerpunktes nach achtern mit zunehmender Krängung war der wesentliche Ansatz für den neuen Entwurf.

1993_unboot3_1So entstanden Mitte 92 die ersten Zeichnungen, die diskutiert, geändert, verworfen und überarbeitet wurden. Bei unveränderter Breite (26,5 cm) und Beibehaltung des Radialspantes, wurde der Rumpf vorne schlanker. Der sehr niedrige Freibord wurde vorne um 3 cm erhöht. Die vorne schlankere Rumpfform führt zu einer längeren laminaren Laufstrecke der Strömung und ergibt einen kleineren Rumpfwiderstand. Dieser Entwurf (Unboot 2) wurde Ende 92 von Gerd Mentges per Computerprogramm komplett durchgerechnet. Heraus kam, daß das Konstruktionsziel voll erreicht war. Der Verdrängungsschwerpunkt liegt 2,38 cm weiter achtern als beim Unboot 1. Auch die Wanderung des Verdrängungsschwerpunktes nach achtern bei zunehmender Krängung hat jetzt eine übliche Größenordnung. Lediglich die Verdrängung war etwas zu klein . Um wie geplant 3,8 kg Blei tragen zu können, wurde nun der Entwurf in der Breite und in der Tiefe linear um den Faktor 1,02 vergrößert. Die Verdrängung der Bootsschale beträgt jetzt 4654 g, Tiefgang 4,8 crn, Hauptspant 50 cm vor dem Spiegel. Dieser Entwurf, nun Unboot 3, wurde für gut befunden. Es konnte gebaut werden.

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Deck, Schwert und Ruder sollten auch komplett neu werden. Das Deck, längs und quer gewölbt, als Hartdeck, mit abgerundeten Übergängen in die Rumpfschale konnte nur als Glas-Kohle-Sandwich Laminat in einer Form hergestellt werden. Zudem noch mußte hier wegen der Verklebung der Kevlarwaben, in Vakuumtechnik gearbeitet werden.

Für das Schwert wurde nach etlichen Computerberechnungen (Hier Dank an Fliegerkollegen Ulf Herder) ein SD 8020 mit 9,1 % Dicke ausgewählt. Diese Profil hat bei niedrigen Wiederstandsbeiwerten auch im Bereich kleiner Reynoldszahlen keine Tendenz zur Bildung von laminaren Ablöseblasen.

Die Übergänge Schwert-Rumpfschale und Schwert-Blei wurden stark ausgerundet, um die Interferenzwiderstände möglichst klein zu halten. Zwar führt diese Maßnahme zu einer Vergrößerung der benetzten Oberfläche (?? GM), es sollte jedoch der Vorteil der geringeren Interferenzwiderstände überwiegen.

Das Ruder wurde möglichst klein gehalten, Die nach hinten abfallende Einlaufkante soll helfen die induzierten Widerstände zu minimieren.

Die sehr arbeitsintensive Herstellung der Urmodelle und der Formen in GFK erstreckte sich bis Mitte 93. Dann entstanden die ersten Laminate. Bis heute sind für mich und den Verein 10 Rumpfschalen unter tatkräftiger Unterstützung meines Sohnes Uli entstanden. Bisher geringstes Gewicht : 230 g einschließlich Schwertkasten bei ausreichender Festigkeit (Glas-Kohle-Kevlar-Laminat).

Die Decks (bisher 4 Stück) mit 176 bis 230 g sind zu schwer, aber auch zu stabil. Hier ist für andere Laminatsaufbauten noch reichlich Experimentierspielraum gegeben.

Die Ruder, komplett in Kohlefaser (hohl, kein Sandwich) wiegen einschließlich Kohlefaserachse nur 20 g und sind okay.

1993_unboot3_2Die Beschlagteile und die Bäume wurden auch selbst hergestellt. Die Bäume (abgewinkelt und konisch) entstanden in einer Metallform als Glas-Kohle-Balsaholz Sandwich. Bei sehr guter Biegesteifigkeit wiegen sie nur 18 g.

Die Schwerter (44 cm lang, Tiefe 9,5 cm oben, 7,0 cm unten) mit 95 bis 110 g Gewicht und mittels VA-Flachstahl naß einlaminierter Bleibefestigung sind ausreichend biege und torsionssteif. Aufbau komplett in Kohlefaser mit Roofmatekern .

Der Prototyp Unboot 3 wurde von mir im Oktober 93 fertiggestellt. Bedingt durch das zu schwere Deck und einige andere Gewichtsüberschreitungen liegt die Gesamtverdrängung 300 g über der konstruktiven Vorgabe (5,2 kg). Dies wird jedoch vom Tiefgang und der Wasserlinie noch verkraftet und sollte für die jetzt beginnenden Testfahrten kein wesentlicher Nachteil sein. Da auch die Entwürfe für das A, B und C Rigg neu erstellt werden, muß sich nun zeigen, ob die Position von Segel und Lateral stimmt.

1993_unboot3_3Die bisher durchgeführten Testfahrten (nur mit A-Rigg) zeigen eine Tendenz zum Anluven, bei sonst sehr ausgewogenen Segeleigenschaften . Die weitere Erprobung wird sich wohl noch über das ganze Jahr 94 hinziehen, bis alle drei Riggs bei unterschiedlichen Windverhältnissen ausreichend gefahren wurden.

Der kommende Winter wird mir wohl genug Zeit geben, die Laminate weiter zu optimieren um leichter zu werden (P.S.: Mein neues Ruder wiegt nur noch 14 g!).

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