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Remi Bres ist ein bekannter französischer Modellyacht-Segler. Er fährt in den drei Klassen IOM, M und 10-Rater.Seine bevorzugte Klasse ist die M ,in der war er schon oft französischer Meister und das ist auch die Klasse in der er seine genialen baulichen Fähigkeiten am meisten einbringt.

Ich habe ihn dieses Jahr in Marseille beim Phocea-Cup und in Fleetwood bei der WM der M-Klasse getroffen und die Unterhaltung mit ihm ist immer höchst interessant, vorausgesetzt es sitzt ihm nicht gerade der Schalk im Nacken, was sehr oft der Fall ist. Aber auch seine Späße sind immer eine Wonne, da unendlich einfallsreich und nie geschmacklos oder peinlich.

An seinem M-Boot, eine von ihm leicht modifizierte Margo, ein Modell von Paul Lucas, welches mir nicht unbekannt ist, beeindruckt vor allem sein A-Rigg. Es ist ein Swing-Rigg in französischer Prägung, bei welchem viele Parameter über die Endposition der Winsch verstellt werden können. Diese Einrichtung nennt er „Bresmo", er hat hierüber einen ausführliche Ausarbeitung geschrieben und mir freundlicherweise erlaubt diese zu übersetzen  und zu veröffentlichen.

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Abbildung 1: Gesamtansicht des Systems „Bresmo" mit Basisträger (Großbaum und    Fockausleger), Fockbaum und Mastunterteil

Die Übersetzung war ein kleines Werk für sich, hier das Ergebnis:

Ein wenig Geschichte:

Das Modellyachtsegeln hat zwei Familien: das Windfahnensegeln und das ferngesteuerte Das Segeln ohne Fernsteuerung wird heute noch vielfach in England praktiziert, das radiogesteuerte Segeln bietet dagegen die Möglichkeit mit mehreren Booten gleichzeitig Regatten zu segeln, denn die Segel und das Ruder können je nach Windrichtung ferngesteuert werden. Dieser großartige Aspekt war der Antrieb für eine rasante weltweite Entwicklung.

Wenn es die Klassenregeln erlauben, können während eines Laufes die an Land vorab eingestellten  Segel verändert werden, z.B. mittels zusätzlicher Kanäle der Fernsteuerung über entsprechende Servos. Solche Manöver erlauben die Anpassung des Segelprofils in Abhängigkeit der Windrichtung (hoch am Wind oder raumer Wind) oder je nach Windstärke oder je nach Situation während des Laufes (Beschleunigung nach Wende oder Halse, Dichtholen hoch am Wind, noch irgendwie die Boje schaffen) oder einfach um eine zuvor an Land falsch eingestellte Grundkonzeption zu korrigieren.

So war es Ende der 80er-Jahre nicht selten, in einem M-Boot fünf Kanäle einzusetzen. Außer den beiden vorgenannten Basiskanälen (Ruder und Schoten), kamen drei weitere zum Einsatz für Achterstag, Niederholer und Fockeinstellung.

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Abbildung 2: Detailansicht im Mastbereich

Einer der Sonntagmorgens sein Schiffchen majestätisch  am Clubteich badet oder ein Anfänger ist schon zufrieden mit einer soliden Grundeinstellung aber ein erfahrener Skipper legt großen Wert auf die perfekte Einstellung seines Motors. Bei schwachem Wind sind die Variationen der Windstärke während eines Laufes  relativ groß dis unendlich. Nicht selten wird auf einem Binnensee  bei schwankenden Winden von 0 bis 8 Knoten in einem einzigen Lauf gesegelt. Ganz klar, dass die Segeleinstellung bei den beiden Extremen  nicht gleich sein kann und eine „mittlere" Einstellung lässt nicht zu jeder Zeit während des Laufes zu, das Maximum des Bootes herauszuholen.

Der Skipper, der deshalb die Möglichkeit hat, die Segel ferngesteuert den unterschiedlichen Bedingungen anzupassen, besitzt damit ein Werkzeug, sich allen  Situationen  optimal zu stellen und den Konkurrenten ein um das andere Mal ein paar Meter abzunehmen.

Ein solches Regulierungssystem existiert in Deutschland schon lange (Walicki-System, Anm. des Übersetzers), weil dort  solch unterschiedliche Windverhältnisse normal sind und mechanische Präzision nationales Kulturgut  ist (meint der Autor, Anm. des Übersetzers). Auf der Skalpel von J. Walicki gibt es ein drittes Servo, welches ausgehend von einer mittleren Einstellung  das Achterstag, die Verwindung und das Fußprofil von Fock und Großsegel spannt oder entspannt. Diese beeindruckende Effizienz hat es 1988 W. erlaubt Weltmeister der M-Klasse zu werden.

Seit dieser Zeit blühen jedoch auch die Swing-Riggs und verführen durch die Einfachheit ihrer Konzeption. Ein Mastkoker und eine Schot sind die einzige Verbindung zwischen  Rumpf und Rigg und die bleibt, einmal eingestellt, so bestehen. Die Überlegenheit eines Swing -Riggs  über ein klassisches Rigg bei leichtem Wind sind so, dass deren Besitzer a priori nicht darauf aus sind, nach Möglichkeiten der Segelverstellung während eines Laufes zu suchen. Aber bei der Europameisterschaft  1991 überraschte Francois Beaupain die Welt mit einem Swing-Rigg, dessen Verwindung des Großsegels über eine Miniwinsch dank einer ingeniösen Verbindungen zwischen Rumpf und Rigg verändert werden konnte. Der Weg für weitere Entwicklungen war also beschritten.

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Der „Gizmo"

And the winner is......Graham Bantock !

Im Verlauf der WM 1992, bei welcher nur das A-Rigg zum Einsatz kam, half der „Gizmo" ohne Zweifel, um die erste Weltmeisterschaftskrone aufgesetzt zu bekommen. Speziell entwickelt für die leichten New Yorker Winde war das A-Rigg des Engländers eine wahre Daniel-Düsentrieb-Konstruktion. Überall Rollenblöcke, Hebel, Kugellager, Perlen, Schnüre in alle Richtungen.....der „Gizmo" war geboren.

Augenscheinlich kompliziert  ist die Konstruktion  dieses unveröffentlichten Prinzips eigentlich sehr einfach. Über ein zusätzliches Dichtholen der Schot wird es möglich, auf die Verwindung und das Profil von Fock und Großsegel gleichmässig einzuwirken. Genial ! oder es mit den Worten des Erfinders zu sagen : „Simply designs better". Im Ruhezustand  ist alles entspannt. Segel mit tiefem Profil und verwunden für raumen Wind sowie für am Wind bei Flaute. Dann, nur für Am-Wind-Kurse, indem der Trimm der Winsch am Sender eingesetzt wird, können die Segel abgeflacht werden, um so auf etwas stärkeren Wind reagieren zu können. Der große Vorteil gegenüber anderen existierenden  Systemen ist, ohne einen zusätzlichen Kanal auszukommen, d.h. ohne ein dickes Servo oder eine weitere Winsch, welche für ein M-Boot immer viel zu viel Gewicht bedeuten würden.

Die ursprüngliche Idee von G. Bantock war lediglich, die Fockschot zu beeinflussen. Die Fock  war ohne zusätzlichen Fockbaum direkt auf dem Basisbaum des Swing-Riggs befestigt. Die Schot ging auf einer Schiene von einer Seite auf die andere und es war möglich, deren Länge zu verändern. Als sich aber der Übersetzungshebel anbot, die Fockschot zu regeln, drängte sich auf, auch noch weitere Parameter zu beeinflussen. Schließlich wurde die Fock wieder mit Fockbaum versehen und alles so ausgeführt wie man es heute noch kennt und bei welchem das ganze Rigg geregelt werden kann.

Die Konzeption und die Ausführung des „Gizmo" erlauben die Montage auf bereits vorhandene Riggs von Sails etc....., was aber nicht sehr ästhetisch aussieht und zudem im Wettkampf das Risiko des Verhakens durch hervorstehende Höcker birgt.

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Der „Bresmo"

Nach langer Schwangerschaft ist der „Bresmo" nicht mehr und nicht weniger als ein „Gizmo", angepasst an die flachen Bäume, welche für die Margo entwickelt wurden. Diese Bäume „rasieren" quasi das Deck, um dadurch den Effekt zu erzielen, dass der Wind von dem    hochgezogenen und stromlinienförmigen  Deck in die Segel geblasen wird, ein schiffsarchitektonisches Konzept, welches inzwischen auch Junge bekam in der Ein-Meter-Klasse.

Zwei Karbonrohre 5,5x4 mm und  Balsakern ergeben eine hohe Steifigkeit in vertikaler Richtung, unbedingt nötig, um Mast und Segel wirkungsvoll regeln zu können. Die Bäume dürfen sich unter keinen Umständen unter Windeinfluss deformieren, da sonst genau das Gegenteil von dem gesuchten Effekt erzielt wird ( durch Verbiegen und dadurch Entspannen des Achterstags). Die Konzeption des „Bresmo" ergibt die Möglichkeit des Einsatzes zusammen mit einem dünnen Mast, welcher rautenförmig verstagt ist und leicht in der Transporttasche verstaut werden kann.

Funktionsprinzip:

Der Restweg der Schot  (also Zusatzweg nach absolutem Dichtholen  durch Einsatz des Winschtrimms) geht auf einen Schlitten mit Untersetzung. Diese Untersetzung im Verhältnis 12:1 erlaubt den Einsatz einer klassischen Trommelwinde und führt zu einem Gewinn an Präzision indem eine viel größere Schotlänge verwendet werden kann (ca. 48 mm zusätzlicher Weg. Die am Schlitten anzusetzende Gegenkraft geht von dem Vorstag der Fock aus, das ist bei weitem der höchste Zug im Rigg. Die Verschiebung des Schlittens wirkt auf die Länge  der Verbindungsschnur zwischen Fockauslegerbaum und Fockbaum und damit auf  Vorstag Fock, auf Dirk und auf Fockschot und andererseits auf Cunningham und Schothorn des Großsegels.

Die nachstehende Tabelle zeigt die von dem „Bresmo" ausgeführten Einstellungsveränderungen, die dazugehörenden Amplituden und den Effekt auf die Segel:


Verstellung

Richtung der Verstellung

 

Verstellweg bei 48mm zusätzl.Schot

Auswirkung auf die Segel

Drehende Verbindungsschnur zw. Fockausleger und Fockbaum

Anziehen

4mm

Spannt Vorstag Fock, flacht dadurch Vorliek Fock ab und rückt Fockprofil nach achtern

Dirk der Fock

Lösen

4mm

Macht Verwindung Fock zu (Düse wird enger)

Fockschot

Anziehen

8mm

Macht Spalt zw. Fock und Großsegel enger

Vorliek Großsegel (Cunningham)

Anziehen

2mm

Spannt Vorliek Großsegel und rückt Großsegel nach achtern

Fußliek Großsegel

Anziehen

2mm

Flacht Fußliek ab und damit die untere Hälfte des Großsegelprofils

Großsegel Achterliek

Anziehen

4mm

Macht Achterliek Großsegel zu, um gleiche Verwindung wie Fock beizubehalten

Der Schlitten mit Untersetzung:

Dieser ist das Herzstück des Systems. Zusammengesetzt aus einer Anordnung von C-Rohren (8x6 mm und 4x2,5 mm) und zwei Lagern aus PTFE (Teflon) wird er mit einem Spiel von 0,5 mm in den Rohren  der Grundstruktur des Swing-Riggs gehalten. Der Einsatz  eines säulengeführten Bohrständer sowie genau arbeitendem Bohrwerkzeug ist Voraussetzung zur korrekten Herstellung der verschiedenen Schlittenteile. Die Ummantelung mit Kevlarschnur  beugt einem Platzen der Rohre unter Krafteinwirkung vor.

Das hintere Lager ist für die motorische Funktion bestimmt (Untersetzung der 6 Stränge) in Verbindung der beiden kugelgelagerten Rollenblöcke, welche auf dem Basisbaum des Swing-Riggs verschraubt sind.

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Abbildung 3: Schlitten in Einzelteilen und zusammengebaut

Das vordere Lager ist für folgende Manöver vorgesehen:

In diesem Röhrchen läuft auch die Dirkverstellung. Befestigt auf dem Swing-Rigg-Basisträger durchquert sie frei den Fockbaum und durch die Relativbewegung  gibt sie Lose, wenn die Fockschnur angespannt wird.
Die gemeinsame Verstellschnur von Fockschot und Cunningham des Großsegels ist an einem Verbindungsstrang des Flaschenzugs des Schlittens angeschlagen, um das Ganze einfach zu halten.
Schließlich ist der Verstellweg des Systems einstellbar über den Schieber der Schnur, welche den frei schwebenden Rollenblock hält.
Um die beste Wirkung zu erzielen ,bedarf es eines laufenden Guts ohne Streckung aus Spectra oder Dyneema.

 

 

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Abbildung 4: Fockausleger mit Schlitten und Verbindung zum Fockbaum

Die Einstellung und der Einsatz des Riggs:

Um das maximale Potenzial des „Bresmo" herauszuholen, muss die Basiseinstellung Sorgfältig und methodisch vorgenommen werden:

Ferner sind Verwindung  von Fock und Großsegel einzustellen, Vorlieke und Achterlieke so geschlossen wie für den stärksten anzunehmenden Wind für das Rigg.

Damit wird sich das ganze Verstellsystem auf die Position „FLAUTE" am Schlitten einstellen. E i n f a c h  m a g i s c h !!!

Absolut wichtig ist, dass alle Einstellungen bei dicht geholtem Schlitten erfolgen müssen, um sicher zu sein, nicht schon bei mittlerer Stellung dicht geholte Segel zu haben und damit überzogen beim weiteren Dichtholen.

Auf dem Wasser wird der „Bresmo" am einfachsten so eingesetzt, indem das ganze System Schlitten und Rigg dicht geholt ist bei Schieber- und Trimmstellung Winsch = „dicht". Der Verstellbereich für den „Bresmo" entspricht dabei dem halben Trimmweg. Die Trimmung wird in Richtung Lockerung verstellt so weit wie dies hoch am Wind nötig ist, der Schieber oder Fernsteuerungshebel des Winschkanals selbst bleibt dabei auf dicht geholt.

 

 

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Abbildung 5: Großbaumende mit Verstellung Fußliek und Verwindung

Und wie das so ist bei jeder zusätzlichen Verstellmöglichkeit, anfangs sollte man nichts übertreiben, die Anwendung wird man mit Training und  Erfahrung bald als ganz normal empfinden.

Etwas Etymologie (nur für die, die es nicht wissen, das ist die Wortableitungslehre; Anm. des Autors, nicht des Übersetzers):

Bei den Angelsachsen bezeichnet ein „Gizmo" irgendetwas, das noch keinen Namen hat und technisch kompliziert ist. So hat sich mangels besserer Namensgebung die Bezeichnung „Gizmo" erhalten. Einen Shakespearevers parodierend hat Graham Bantock alle Nachahmungen seines „Gizmo" mit der Bezeichnung  „BANTISAG" ins lächerliche gezogen. BANTISAG ist die Abkürzung für „ By Any Name, This Is Still A Gizmo, was man übersetzen könnte mit: Wie immer der Name auch ist, es ist und bleibt ein „Gizmo".
Der französische RC-Segler Dominique Baron hat den Namen „Bresmo" aus der Taufe gehoben, denn er hat den Vorzug gehabt, dieses Teil als Erster zu erhalten und dabei wohl oder übel das Versuchskaninchen zu sein.

Ich hoffe, die Lektüre dieser Ausarbeitung macht euch scharf, so ein „todbringendes" Rigg auch zu besitzen und vielleicht euer eigenes Verstellsystem zu entwickeln.

Bis bald auf dem Wasser zwischen den drei Bojen.

So weit die Worte von Remi Bres, FRA 42. Der Übersetzer ist inzwischen stolzer Besitzer eines solch „tödlichen"  Original-„Bresmo" und dabei, sich in die Materie einzuarbeiten.

Gerhard Schmitt, GER 61      Tel. 0711 3703633

logosmOriginal erschienen in der Zeitschrift Schiffsmodell  des Neckar-Verlags 10/2006 Autor: Gerhard Schmitt. Sollten hiermit irgendwelche Rechte verletzt werden bitte melden. Ich werde dann den Artikel sofort entfernen.

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