RC-Segeln

Deutsche Klassenvereinigung und Ausschuss RC-Segeln

als Drittplatzierter Deutscher bei der DM IOM wird mir die Aufgabe, oder besser Ehre zu Teil, einen Bericht zu schreiben. 

Am Freitag trat ich um 05:30 mit meinem Auto die 480 Km lange Reise in den Osten der Republik an. Es ging nach Leipzig, zum Kulkwitzer See. Andreas hatte als Ausrichter in den Osten eingeladen und mal auf die Schnelle ein Ausweichrevier aus dem Hut gezaubert, das das Prädikat "besonders empfehlenswert" verdient. So kamen am Freitag Mittag schon einige Segler zum Leipziger Segelverein, um einmal einige Probeschläge zu absolvieren. Die Stelle an der wir segelten, ist ca. 500 Meter von der Stelle entfernt, an der wir dann am Samstag und Sonntag segelten. 
Bei strahlendem Sonnenschein und schönem A-Wetter bekamen wir einen Vorgeschmack auf die schwer zu segelnde Welle. Einige der Jungs waren schon voll auf Wettkampfmodus programmiert und der ein oder andere "Protestruf" hallte über das Wasser. Wie gesagt, es war Freitag

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Am Samstag morgen pilgerten wir mit unseren Bollerwagen zu unserem Regatta-Hotspot für dieses Wochenende. Die Leipziger Badegäste erinnerten wir wahrscheinlich an eine verspätete Vatertags-Truppe auf Sonntags-Ausflug. Das einzige was fehlte war das Fässchen Bier auf der Pritsche.

Die Bedingungen kann man eigentlich nur als perfekt beschreiben. Vorne am Wasser stand uns ein Steg zur Verfügung, der ca. 25 Meter lang und drei Meter breit war, aus Beton! Dazu gab es noch eine riesige Plattform, so dass alle Teilnehmer ganz bequem Platz finden konnten. Der Wind wehte ordentlich aus Süd-Ost, später aus Ost und die Sonne schien vom strahlend blauen Himmel, bei Temperaturen um die 25 Grad. Seglerherz, was willst Du mehr? Nachdem die Einteilungsläufe durch waren, gingen die insgesamt 26 Teilnehmer, aufgeteilt in zwei Gruppen, an den Start. Der Kurs war sorgfältig und gut gelegt und wir segelten mal mit Ablaufboje und mal mit einem Luvgate outside/innside. Die Wettfahrtleitung hat sich dabei stets den veränderten Bedingungen angepasst.
Innerhalb der Seglerschaft ging es zum Teil schon recht lautstark zur Sache wie ich finde. Nichts für schwache Nerven waren sicherlich zwei Läufe, die hintereinander abgebrochen wurden. Ein Teil der Segler war schon auf dem Weg zum Gate, als eine größere Gruppe sich an der Luvboje gegenseitig "über den Haufen" gesegelt hatte und daraufhin lautstark den Abbruch des Laufes verlangte. Das hat die Wettfahrtleitung dann auch so entschieden. Es liegt in der Natur der Sache, dass die vorderen Segler diese Entscheidung nicht so gut fanden. Diejenigen, die in dem Knäuel fest hingen, waren hingegen froh darüber, dass dieser Lauf für sie nicht gewertet wurde.

Bedauerlicherweise war der Wiederholungslauf dann quasi eine Wiederholung dessen, was zuvor passierte. Wieder waren einige Segler auf und davon, während sich an der Luvboje wieder ein Getümmel ergab. Fazit: Auch dieser Lauf wurde abgebrochen. Ich persönlich fand diese Entscheidungen nicht richtig, weil mein Empfinden so war - und ist - das diejenigen, die sauber um die Boje segeln, für das Verhalten derer abgestraft werden, die doch zum Teil recht chaotisch die Luvboje in Angriff genommen haben und billigend in Kauf nehmen, dass es knallt. 
Auch wenn die Bedingungen durch schlechte Sicht schwierig waren, weil man von hinten auf die Boote schaut und die Sonne scheint. Dann ist es als Segler aber meine Aufgabe, dass ich mit diesen Umständen professionell umgehe. Und das bedeutet dann evtl., dass ich lieber auf Backbordbug die Luvboje ansteuere und vielleicht auch einen guten "Sicherheitsabstand" einhalte, weil ich immer davon ausgehen muss, dass es direkt an der Boje eng werden kann. Mit etwas mehr Rücksichtnahme ließen sich solche Situationen verhindern meine ich. 

Natürlich sieht jeder Segler die Situation durch seine eigene Brille, da kann sich niemand von frei machen, ich auch nicht! Aber bei dem eigenen Befinden versetze man sich nun einmal in die Lage der Wettfahrtleitung! OHA!

Niemand wünscht sich mehr als die Wettfahrtleitung, dass die Flotte sauber vom Start wegkommt und sauber die erste Luvboje umsegelt. Nun kommt es aber anders. Es entsteht ein riesiges Gezeter und lautstark wird der Abbruch des Laufes gefordert. Dem Wettfahrtleiter bleiben nun wenige Sekunden Zeit, eine Entscheidung zu treffen. In den wenigen Sekunden kann er sich nicht das Regelbuch schnappen und auch nochmal kurz einen Blick in die AFM werfen. Nein, er muss eine Entscheidung treffen, jetzt und sofort! Er hat auch keinen Videoschiedsrichter im Hintergrund. den er befragen kann. Darum ist wirklich niemand zu beneiden, der eine Wettfahrt leitet!! Diesen Stress dann auszuhalten ist gar nicht so einfach. Am Ende geht es als Segler darum, diese Entscheidungen zu akzeptieren, ob sie einem selbst nun gefallen oder nicht! Das Maß der Dinge ist und bleibt - ohne wenn und aber - die Wettfahrtleitung!

Um es sehr deutlich zu sagen, liebes Wettfahrtleiter-Team: Kontroversen gehören dazu und sind Bestandteil des Spiels. Aber alle Teilnehmer haben Euch am Sonntag ausnahmslos einen guten Job attestiert. Und ihr habt einen guten Job gemacht! Danke dafür, dass ihr diesen unangenehmen Part auf euch genommen habt, um uns allen ein schönes Wochenende zu ermöglichen! Vielen Dank!!!

Und zum Glück haben wir Segler ja alle sofort eine Lösung für die Probleme parat, vor denen die Wettfahrtleitung steht. Mit unserer geballten Expertise stehen wir den Wettfahrtleitungen zur Verfügung. Die eine Boje etwas nach links, die andere schräg nach rechts unten, und statt inside/outside, lieber outside/inside, ggf aber auch Luvboje mit Ablaufboje...Und wenn es nicht klappt, dann legt doch nochmal eben des gesamten Kurs um. Wo ist das Problem? 

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 Und wenn das alles umgesetzt wird, dann gibt es auch all diese Probleme nicht, es könnte doch so einfach sein, oder? 

Aber wie professionell sind wir Segler denn wirklich? Wie kann es denn sein, dass die wenigen grundlegenden Regeln nicht eingehalten werden? Wie kann es sein, dass immer noch von oben die Startlinie runtergesegelt wird? Warum fahren Boote auf Steuerbordbug anderen auf Backbordbug ins Boot? Warum gibt es fast in jedem Lauf Streit um Innenraum? Ich behaupte mal, es sind vielleicht fünf grundlegende Regeln, die  - wenn sie denn strikt eingehalten würden - das RC-Regattasegeln um ein vielfaches angenehmer machen würden. Es würde auch den Spaßfaktor erhöhen.

Aber nun zurück zum eigentlichen Regatta segeln bei der IOM. Wir sind am Samstag insgesamt 8 Läufe gesegelt. Die vorderen vier Plätze lagen sehr dicht beisammen mit 12, 14, 15 und 19 Punkten. Es war sehr spannend. Der Samstagabend war ein sehr schönes und gemütliches Beisammensein. Wir saßen draußen vor den Wohnmobilen, wurden mit leckerem Fleisch vom Grill verwöhnt  und die Kiste Bier stand in der Mitte. Das war Pfadfinderromantik pur. Und in den persönlichen Gesprächen stellt man dann immer wieder fest, dass die Leute doch durch die Bank sehr nett und unterhaltsam sind. Die Verwandlung tritt immer erst ein, wenn man diese merkwürdigen Fernsteuerungen einschaltet.

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Der Blick auf den windfinder trübte allerdings den Ausblick auf den nächsten Tag....

Der Sonntag gestaltete sich so, dass der blaue Himmel noch da war, die Sonne schien auch wunderschön, allerdings war der Wind fast eingeschlafen. Aber ein bisschen Wind war ja noch..., hätte man da nicht noch segeln können? Ich würde sagen, es gab zwei Lager.  Aber zum Glück mussten wir ja nicht entscheiden. Die Wettfahrtleitung hat aus ihrer objektiven Sicht entschieden, dass es keine Bedingungen mehr waren, zu denen gesegelt werden sollte. Und ich denke am Ende des Tages konnten damit auch alle gut leben!! Es blieb also bei dem Ergebnis vom Samstag.

Krönender Abschluss war dann die Siegerehrung, bei der Thorsten Fildebrandt als neuer Deutscher Meister gekürt wurde! Thorsten, herzlichen Glückwunsch an Dich und natürlich an alle Segler, die das Podium erreicht haben. Bei allen anderen Mitstreitern bedanke ich mich auch sehr herzlich, es hat sehr viel Spaß gemacht mit Euch zu segeln und ich hoffe ihr seht mir die eine oder andere kritische Bemerkung nach. Ich wollte uns allen auch einmal den Spiegel vorhalten, mich natürlich eingeschlossen!

Neben Andreas als Organisator und Co-Wettfahrtleiter geht mein Dank natürlich an Marcus Stein als Wettfahrtleiter und die vielen Helfer, ohne die ein solches Event nicht möglich wäre. Zu nennen sind da Markus, Jörg, Marco und Kevin, die mit Grillen, Bojen legen, Drohnenflug, etc. zum Gelingen der Veranstaltung beigetragen haben. Gaby und Walter bedürfen lt. Andreas der besonderen Erwähnung, weil Sie wohl beim großen "Abwasch" fleißig geholfen haben! Ich hoffe ich habe niemanden vergessen, Danke Euch allen!

Ich möchte meinen Bericht mit folgenden lyrischen Zeilen schließen, deren Erschaffung mich die ganze 6-Stündige Rückfahrt von Leipzig nach Hause beschäftigt hat

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 Ich widme sie allen RC-Regattaseglern, die schon so oft um den Innenraum am Gate gekämpft haben, oftmals vergebens

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Auf dem langen Weg zum Gate hast du es nicht geschafft,
das Überholmanöver vier Bootslängen vor der Boje ist nicht vollbracht,

Drum lass Deinen Gegner jetzt mit Innenraum in Frieden,
mit Bojenrundung im Streit, werdet ihr Beide nicht obsiegen!

Doch ein Trost ist dir geblieben, vielleicht kannst Du ihn auf der nächsten Kreuz besiegen!

In diesem Sinne wünsche ich Euch einen guten Start in die Woche und freue mich auf ein Wiedersehen bei einer der nächsten Regatten!

 

Artikel auf der Seite des DSV

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