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Richtig, was Neues gab es nicht zu sehen, soviel vorab. Aber viele Ideen und Konstruktionen waren verfeinert oder modifiziert worden. Die Yachten, die an dieser Meisterschaft teilgenommen haben, zeigten sich als die besten ihrer Klasse. Der Trend sind z. Zt. relativ schmale Modelle mit etwa 5 kg Verdrängung bei etwa 3,8 kg Blei, ausgerüstet mit schmalen, tiefen, semielliptischen und sehr dünnen Kielprofilen und meistens mit dem Swing-Rig getakelt.

2/3 der Teilnehmer benutzten ein derartig getakeltes Boot. Neben dem Vorteil des sehr schnellen und einfachen Riggwechsels bietet es auch die Möglichkeit, den Rumpf superleicht und sehr einfach aufzubauen: einfach in der Mitte ein Alurohr, zusammen mit dem Kiel, irgendwo auf Deck ein Deckel a la Kaffeedose installiert, der Rest wird einfach mit dünner  Bügelfolie abgedeckt - fertig. Beste Beispiele dafür waren die französischen und englischen Boote, lediglich in Deutschland ist mir niemand bekannt, der ein Swing-Rig probiert. Es ist auch nicht einfach zu segeln, und - wie mir ehrlich versichert wurde - es braucht seine Zeit, sich darauf einzustellen. 1989_em_5Nur hier in Deutschland wird klar auf den Drehmast von Walicki gesetzt, der technisch eine Meisterleistung ist. Relativ neu ist die Variante, ein reines Swing-Rig nur für A- und B-Stells zu benutzen und bei den kleinen C-Segeln wieder ein konventionelles Rigg einzusetzen, welches aber ähnlich aufgebaut ist. Da zeigt sich die Erkenntnis, daß ein normales Swing-Rig ab frischem Wind Schwächen aufweist; die „starre" Segelfläche ist dann vor allem auf dem Vorwindkurs nicht mehr einfach kontrollierbar.

Dominierend ist immer noch die Segelbefestigung mit Ringen, Hemdsegel hatten nur vier deutschsprachige Teilnehmer, sie wurden aber nicht eingesetzt. Die meisten Teilnehmer benutzten einfache 12-mm-Kohlefaserrohre als Masten, vereinzelt gab es auch konische Ausführungen (z. B. J. Elmaleh), lediglich ein Teilnehmer benutzte Groovy-Alumasten. Die meisten Swing-Rig-Masten waren zusätzlich über Diamonds verstärkt, lediglich die Bantock-Riggs kommen ohne Wanten aus, sind dafür aber recht schwer. In Berlin hatten einige französische Teilnehmer teilbare Swing-Rigs, d. h. der Fuß war demontierbar, und die Masten wurden auf ihm herkömmlich verstagt. Offensichtlich hat sich das aber nicht durchgesetzt.

1989_em_9 Interessant am Boot von P.Jahan: Als einziger konnte er sein normales Swing-Rig in der Neigung verstellen und hatte dabei auch drei Mastpunkte. Seine Vorsegel waren als einzige ganz altmodisch in einem Stück geschnitten, da sie sehr schmal sind. Sein neuer Rumpf weist kaum noch Ähnlichkeiten mit seinen direkten Vorgängern auf, in der Bugpartie zeigt er einen leichten Knick beim Ubergang zum Unterwasserschiff. P. Sols neues Boot war an Land äußerst unscheinbar. Auf dem Wasser mußte man aber fast immer weit nach vorne gucken, um es zu finden. Auffallend sein hochgezogener Bug, der ihm den Spitznamen „Banane" einbrachte.

 

1989_em_8C. Boisnault fuhr eins der vier neuen Lucas-Boote, welches für die WM in Berlin '88 entworfen worden ist. Angeblich eine sehr schmale "CedarClub". C.Dicks trat mit einer Swing-Rig-Modifikation an, die etwas bessere Kreuzeigenschaften verspricht. Der Großbaum ist bei ihm extra herkömmlich gelagert und steht bei dichtgeholten Schoten nicht ganz mittschiffs, wohl aber der Ausleger für die Fock. Selbige steht dadurch nicht mehr so stark nach Luv vor. Er verzichtet auf ein Achterstag und erhält die nötige Riggspannung über ein paar Wanten mit nach achtern gepfeilter Saling. Durch einen
versetzten Drehpunkt des Riggs kann er ganz normale Segel fahren, d. h., er braucht keine sehr kleine Fock. Letzteres
sah man häufiger. Für B- und C-Riggs benutzt er wieder Standardtakelung mit festen Fockbaumbeschlägen. Sein Boot ist ein typisch britisches Starkwind-Design.

1989_em_6Auf den ersten Blick unscheinbar, aber im Detail ausgesprochen pfiffig war das Boot vom neuseeländischen Meister R. Wattam. Seine Beschläge sind regelrecht primitiv, aber halt funktionell. Über nur ein Servo steuert er kombiniert die Achterstagspannung, Großsegelbauch und Vorliekspannung, Großniederholer und Fockbauch! Der Großbaumbeschlag ist ein einfacher Drahthebelmechanismus: Der Baum wird mit einem Hebel einfach etwas vom Mast weggedrückt, dadurch wird das Profil flacher, und der Niederholer erhält mehr Zug. Gleichzeitig zieht das Achterstag mehr, und das Segel wird auch oben flacher und offener. Ebenso die Fock.

Als einziger fuhr er mit einer nach vorne zeigenden, recht weichen Kielflosse sowie ebenfalls vorlichem Mastfall und einem sehr großen Abstand zwischen Großsegel und Fock. Ohne das Trimmservo war dasselbe Boot übrigens bereits 1988 in Berlin vom Konstrukteur G. Smale gut gesegelt worden.

Den außergewöhnlichsten Swinger fuhr sein Kollege Dagley. Es war im Prinzip wie ein normaler drehbarer Mast verstagt und stand frei auf Deck, es handelte sich aber um eine recht wackelige Konstruktion.

1989_em_6Die meisten Teilnehmer hatten sechs abgestufte Riggs zur Auswahl, und 40% schneidern sich ihre Segel selbst. Das war es dann auch schon an Neuigkeiten. Alles weitere kann man der technischen Tabelle entnehmen.

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logosmOriginal erschienen in der Zeitschrift Schiffsmodell  des Neckar-Verlags 11,12/1989 Autor:Thomas Dreyer.
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