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Segelverhalten

Bei aller Theorie, wie verhält sich die LAST MINUTE nun auf dem Wasser?

Mit ihrer Verdrängung von nur 3,65 kg gehört sie, auch in Zukunft, zu den leichtesten Yachten dieser Klasse. 0,4 m² Segelfläche zu nur 1,8 kg Blei machen das Schiff auch nicht gerade zu einer ruhigen, behäbigen Yacht, das kann man im voraus schon sagen und das sollte man sich auch vor Augen halten. Dementsprechend leicht nervös, aber springlebendig segelt sie sich auch, springt sehr spontan auch auf die kleinsten Winde an und hat eine gute Beschleunigung. Auch die Rumpfgeschwindigkeit wird bereits bei relativ wenig Wind erreicht. Obwohl der Rumpf recht breit ist, hat sie sehr gute Leichtwindeigenschaften, was auf der WM deutlich geworden ist. Allerdings, sie bleibt u. U. auch schnell stehen und kann sich bei wenig Wind und Wellen regelrecht feststampfen, wenn schwerere, bauchigere Boote noch in Schwung bleiben.

Mit dem A-Rigg ist das Schiff sehr ausgewogen und kaum luvgierig eingestellt. Bei den beiden kleineren Riggs bin ich noch nicht 100%ig sicher, ob deren Abmessungen so bleiben. Speziell beim B-Rigg tritt bei nachlassendem Wind eine leichte Tendenz zur Leegierigkeit auf. Wahrscheinlich werden die B und C-Vorsegel noch mal etwas schmaler im Unterliek (- 1 cm) geschnitten. Der Flächenverlust ist unbedeutend.

1991_last_minute_21Für den Allwettereinsatz sind mehrere Riggs unumgänglich, denn die Grenzen mit dem hohen Rigg sind bei auffrischendem Wind schnell erreicht. Das Boot dann übertakelt „weiterzusegeln" ist Nonsens, Schiffsquälerei und zeichnet einen schlechten Skipper aus. Dem Wind entsprechend niedriger getakelt ist sie wieder voll dabei: Mit dem C-Rigg habe ich schon herrliche Sturmfahrten mit vielen Gleitphasen erlebt, bei denen das Seglerherz erst richtig in Schwung kommt! Das ist dann Segeln!

Das recht breite und flache Unterwasserschiff lässt ausgezeichnete Gleitfahrten zu, und verbunden mit der großen Wendigkeit und dem geringen Gewicht flitzt die relativ kleine Yacht dann mit enormem Tempo durch und über die Wellen und beweist ein sehr hohes Durchstehvermögen. Voraussetzung dafür ist aber ein geübter Umgang.

Gelegentlich neigt sie, wie viele Yachten bei zuviel Wind und Segelfläche, zum U-Boot-Spielen, d. h., sie unterschneidet vorm Wind gesegelt in einer Bö mit dem Bug, taucht kurz weg und schießt dann in die Sonne, wie Segler den unfreiwilligen Aufschießer in den Wind nennen. Dagegen hilft häufig folgender Trick: Sieht man die Bö andüsen, so fiert man schnell die Segel maximal, wobei dabei die Fock deutlich über 90° ausschwenken muss. Durch das so überweit gefierte Vorsegel verringert sich die Belastung auf das Vorschiff, der Wind fließt leichter ab und mit evtl. ein bisschen Stützruder behält man die Kontrolle. Ist die Bö halb vorbei, werden die Segel sanft dichter geholt, häufig kommt dann der Bug aus dem Wasser und ab geht's mit Gleitfahrt. Das ist Übungssache. Ähnlich geht es auch bei raumen Kursen: Erst etwas Dampf ablassen, dann dichter nehmen und Tschau Hintermann!

1991_last_minute_1Auch das Abfallen bei mehr Wind klappt nur, wenn man entsprechend die Segel fiert und Druck ablässt. Sonst geht es mit eingeschlagenem Ruder stur geradeaus weiter, was ganz normal ist. Letzteres ist allerdings kein Tipp, sondern einfaches Segeleinmaleins und gilt für jedes Segelboot!

Diese genannten Eigenschaften sind auch bei einer entsprechend ausgerüsteten MIRAMARE zu erwarten, die der LAST MINUTE dann vermutlich nicht nachstehen wird.

Zu der BUMERANG ist eigentlich nur zu ergänzen, dass sie aufgrund des etwas höheren Gewichtes nicht ganz die spontane Beschleunigung wie die LAST MINUTE aufweist. Da der Kiel zwar schwerer, aber kürzer ist, ist das aufrichtende Moment etwa gleich. Sie ist insgesamt ein bisschen ruhiger und gemäßigter in ihrem Segelverhalten, aber etwas luvgieriger eingestellt.

Wie man sieht, ist so ein Boot eigentlich nie fertig und es bestehen noch einige Experimentiermöglichkeiten.