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Der Segelsport in Deutschland boomt wie nie zuvor, das ist eine Tatsache. Dies setzt sich in den letzten Jahren auch in der IOM Klasse fort. Und unsere Arbeit und unsere Bemühungen tragen nach nun fast 10 Jahren endlich die Früchte die wir uns erhofft haben.

Vor ca. 15 Jahren hielt die Carbonfaser massiv Einzug in den RC-Yachtbau, womit die Kostenentwicklung bei den Marbleheads und Ten Ratern ins Uferlose auszuarten begann. Nur das Beste schien gerade gut genug zu sein, und um auf Regatten noch zu bestehen, musste ( und muss man ) ganz schön tief in die Tasche greifen (können).

RC Segeln hat aber eigentlich mehr mit Enthusiasmus als mit der Suche nach einer möglichst guten Geldanlage zu tun. Aus diesem Grund wurde die Internationale Ein-Meter-Klasse ( IOM )geschaffen. Boote, mit denen man sich wieder auf das Wesentliche konzentrieren kann: SEGELN!

Das Grundprinzip heißt daher: Alles so einfach, preiswert und auch einheitlich wie möglich. Auf den weitestgehenden Verzicht der Verwendung von Kohle- und Aramidgeweben wurde daher besonders großer Wert gelegt. Beim Rumpfbau z. B. sind sie generell verboten. Auch für Masten und Bäume darf nur Aluminium oder Holz verwendet werden. Für die Steuerung der Boote sind nur zwei Funktionen erlaubt: Eine für das Ruder und eine zur Segelverstellung. Um dem Extrem-Leichtbau entgegenzutreten, den man ja notfalls auch mit Glasgewebe betreiben kann, muss die komplett segelfähige Yacht mindestens 4 kg auf die Waage bringen, wobei der Kiel inklusive Ballast maximal 2,5 kg schwer sein darf. Der Gesamttiefgang ist auf 42 cm begrenzt, was im Gegensatz zu den heutigen M-Booten mit max. 70 cm Kieltiefe das zu-Wasser-lassen beträchtlich erleichtert. Schließlich hat man nicht überall einen Steg zur Verfügung, und auch manches Gewässer gibt solche Tiefen gar nicht her.
Das Design des Rumpfes an sich ist - zur Freude aller Konstrukteure - völlig freigestellt. Lediglich ein paar Grundfestlegungen wie z.B. die Ausführung als Monorumpf bei einer maximalen Länge von einem Meter (daher auch die Klassenbezeichnung) müssen eingehalten werden. Allein bei uns in Deutschland sind über 20 verschiedene Konstruktionen anzutreffen. Für jeden (optischen) Geschmack ist sozusagen etwas dabei - von ganz schlank bis extrem breit, mehr U- oder mehr V-förmig im Spantenriß....

Trotzdem haben alle Boote etwas gemein: Sie sind annähernd gleich schnell! Ursache dafür ist neben o.g. Konstruktionsvorschriften vor allem der Umstand, das für den Regattaeinsatz in dieser Klasse nur drei in ihren Abmessungen exakt festgelegte Segelstelle (Riggs) zugelassen sind.

Diese und weitere detaillierte Bestimmungen sind komplett in einer Klassenvorschrift festgeschrieben, womit auch langfristig eine Chancengleichheit erreicht werden soll. Auf gut Deutsch heißt das: Man muß sich nicht jedes Jahr mit dem neuesten Modell eindecken, sondern kann auch mit einem etwas "betagtem" Boot gute Plätze belegen. Wie schon gesagt, eine Regatta soll schließlich durch seglerisches Können und nicht durch High-Tech-Boote entschieden werden.

Ein weiterer Punkt bei der Entwicklung der Ein-Meter-Klasse war das Transportproblem. Um ein "normales" M-Boot zu transportieren bedarf es mittlerweile eines nicht zu kleinen Mittelklassewagens oder Kombis. Da hat man bei der 1-Meter-Klasse bessere Karten! Das längste Teil, der Mast des Leichtwindriggs, misst 1,85 Meter und ist selbst als komplettes Rigg mit etwas Geschick in jedem normalen Kleinwagen verstaubar. Kielflosse und Ruder sind vom Rumpf abnehmbar. Die gesamte Ausrüstung besteht somit aus gerade mal sechs Teilen. Dazu kommen noch ein Klapp- oder Drehständer zum Auftakeln und ein Koffer oder eine Tasche für Fernsteuerzubehör und Werkzeug.

Außerdem sollte jeder Skipper, ob erfahren oder nicht, noch ein paar Sachen zu einer Regatta mitbringen: Grundkenntnisse in den Wegerechtsregeln und vor allem Ehrlichkeit, sowohl gegenüber den Konkurrenten als auch gegenüber sich selbst! Für den Charakter einer guten Regatta ist vor allem letzteres enorm ausschlaggebend. Das Segeln nach Regeln ist nicht einfach, aber um dem Chaos zu entgehen kommt man daran einfach nicht vorbei. Also muss man als Teilnehmer auch mal die Zähne zusammenbeißen und sich selbst die Schuld an einem Vorfall eingestehen können - egal, wie groß der eigene Ehrgeiz sein mag!

Einen Idealzustand wird man in dieser Hinsicht sicher nie erreichen, aber die Ein-Meter-Segler geben diesbezüglich ein sehr positives Beispiel ab. Es geht wirklich ausgesprochen ruhig und vor allem kameradschaftlich zu. Protestsituationen werden allgemein von den Beteiligten anerkannt und direkt auf dem Wasser geregelt. Ein Umstand, über den man vor allem als Neueinsteiger nachdenken sollte.
Das Angebot hat sich in den letzten Jahren erheblich verbessert, war es in den ersten Jahren auf den Westen und Norden beschränkt so werden in diesem Jahr Regatten in ganz Deutschland angeboten und auch gut besucht. Die Spezialisten nehmen dabei weite Anfahrten in Kauf um sich mit den Besten Seglern in dieser Klasse messen zu können.

Manch einer stolpert gerade vielleicht über diese Begriffe: Freundschaft- und Wertungsregatta. Was hat es damit auf sich? Zu Freundschaftsregatten treffen sich die Segler "just for fun". Man segelt um des Segelns willen, nicht unbedingt nach Bootsklassen getrennt und auch nicht ganz so scharf nach Regeln. Bei Wertungsregatten tritt der Ehrgeiz der Teilnehmer doch mehr in den Vordergrund, schließlich geht es um Ranglistenpunkte! Es wird konzentriert gesegelt und bei Wegerechtsverstößen drückt man nur selten ein Auge zu. Aber wie bei so vielem ist auch das nur Ansichtssache, schließlich möchte sich nicht jeder unbedingt für Europa- oder Weltmeisterschaften qualifizieren.